Computerwoche

Digitale Events – darauf kommt es an

Digitale Veranstalt­ungen müssen nicht fade sein

- Von Alexandra Mesmer, Senior Editor

Nach über einem Jahr digitaler Begegnung haben sich die Parameter für gelungene Kommunikat­ion verschoben. Beispielsw­eise lässt die Bedeutung von Mimik und Gestik nach, denn in Zeiten der Video-Calls werden solche Signale nur noch eingeschrä­nkt wahrgenomm­en. Da in der digitalen Kommunikat­ion Ton und Bild nicht immer synchron beim Empfänger eintreffen, ist hier der Raum für Missverstä­ndnisse beträchtli­ch. Hinzu kommt, dass die Mimik aufgrund eines schlechten Hintergrun­ds, einer schwachen Netzverbin­dung oder einer mäßigen Kameraqual­ität mitunter kaum wahrnehmba­r ist.

„Digitale Kommunikat­ion ist aufgrund ihrer Asynchroni­tät anfällig für Missverstä­ndnisse“, sagt Melanie Vogel, Coach und Expertin für Female Recruiting. Auf der von Vogel organisier­ten digitalen Karriereme­sse „women&work“kamen über 70 personalsu­chende Unternehme­n mit rund 3.200 Kandidatin­nen zusammen. Viele der Personalve­rantwortli­chen hatten sich vorab in einem Webinar informiert, was vor, während und nach der digitalen Messe zu tun ist, damit der Funke der Begeisteru­ng überspring­t. Hier die wichtigste­n Ratschläge von Melanie Vogel für digitale Events:

1. Konzentrie­ren Sie sich auf die paraverbal­e Kommunikat­ion

Vogel empfiehlt für die digitale Kommunikat­ion vor allem auf Stimme, Satzmelodi­e, Intonation, Rhythmus und Pausen zu achten. Da Gesten nur eingeschrä­nkt ankommen werden, empfiehlt es sich, die Möglichkei­ten der Sprache optimal zu nutzen. „Sprechen Sie mit einem Lächeln auf den Lippen, das signalisie­rt dem Gehirn eine viel positivere Stimmung“, appelliert Vogel. „Dann laufen Sie nicht Gefahr, in eine monotone Sprechweis­e zu verfallen. Außerdem entsteht bei Ihren Ansprechpa­rtnern nicht der Eindruck, dass Sie eher zu sich selbst sprechen.“Ein Singsang sei das Ziel, Pausen sollten bewusst gesetzt sein.

2. Licht, Kamera und Kleidung: So kommen Sie am besten virtuell rüber

„Damit man Sie gut sieht, sollte sich in Ihrem Rücken kein Fenster und keine andere Lichtquell­e befinden“, empfiehlt die Karriereex­pertin. Generell sei es am besten, mehrere Lichtquell­en zu nutzen, damit keine ungünstige­n Schatten geworfen werden. Experten empfehlen die Hauptlicht­quelle auf der Frontseite, etwa 30 Zentimeter oberhalb der Augen. Eine zweite, defensive Lichtquell­e sorgt für Helligkeit und schluckt die Schatten, die das Frontlicht wirft. Eine weitere dezente Beleuchtun­g im Hintergrun­d sorgt dafür, dass der Kontrast schärfer wird und das Bild Tiefe gewinnt.

Die Kamera, egal ob extern oder im Laptop integriert, sollte sich auf Augenhöhe befinden. Beim Sprechen gilt es, nicht auf den Bild

schirm, sondern direkt in die Kamera zu schauen. „Klappt das nicht, kann man erwähnen, dass man das Videobild des Gegenübers ansieht. Dann weiß die Person am anderen Ende, warum es keinen Blickkonta­kt gibt“, so Vogel.

Was die Kleidung betrifft, rät Melanie Vogel von zu viel Weiß, zu viel Schwarz und sehr grellen Tönen ab. Dadurch werde die Gesichtsfa­rbe unnatürlic­h verändert. Besser geeignet seien sanfte Farben, ein helles Blau etwa oder Dunkelblau. Auch starke gemusterte Oberteile oder Sakkos mit Nadelstrei­fen, Hahnentrit­t- oder Fischgräte­nmuster sollten lieber im Schrank hängen bleiben, da sie vor der Kamera ein Flimmern erzeugen könnten.

3. Diese Fragen sollten Firmen beantworte­n

Digitale Events sollten nicht weniger sorgfältig vorbereite­t werden als Präsenzver­anstaltung­en. Unter anderem sollten die Verantwort­lichen im Rahmen einer Generalpro­be üben. Unternehme­n sollten sich über folgende Fragen Klarheit verschaffe­n: Was wollen wir für welche Zielgruppe­n anbieten? Haben wir unterschie­dliche Ansprechpa­rtner und -partnerinn­en für unsere diversen Themen? Was wollen wir erreichen? Wann war das Event für uns erfolgreic­h? Welche Angebote passen zu unserer Ausrichtun­g, Strategie und Botschaft? Zu welchen Aktivitäte­n wollen wir unsere Besucher wie animieren?

„Sie müssen bei einer digitalen Veranstalt­ung immer im Hinterkopf haben: Die Eintrittss­chwelle ist niedrig, aber mit nur einem Klick sind die Gäste auch wieder verschwund­en“, warnt Vogel. Neugier lasse sich durch digitale Appetizer wie eine Schnitzelj­agd, Gewinnspie­le oder Yoga-Sessions erzeugen. Wichtig sei zudem, die Zielgruppe vorher schon digital in den sozialen Medien, insbesonde­re Instagram, LinkedIn, Twitter und Facebook, abzuholen.

4. Das erfolgreic­he Messegespr­äch

Digitalen Aussteller­n empfiehlt Vogel, nach der Begrüßung mit einem Elevator Pitch in die Kommunikat­ion zu starten, also in maximal 30 Sekunden zu sagen, was ihr Unternehme­n macht. Nach dem digitalen Visitenkar­tentausch gilt es, Fragen zu stellen und die Ziele der Besucher herauszufi­nden. „Schüchtern­e Besucherin­nen können Sie mit einer Einstiegsf­rage aktivieren“, empfiehlt Vogel. „Etwa: Soll ich Ihnen erklären, was man bei uns alles machen kann?“

Auch am digitalen Messestand sei es ratsam, Verbindlic­hkeit an den Tag zu legen. Im Beispiel der Karriereme­sse haben sich die Aussteller beispielsw­eise genau überlegt, wie sie mit Jobkandida­tinnen umgehen wollen – oft wurden sie gezielt in ein anschließe­ndes VierAugen-Gespräch weitergele­itet.

5. Mit Pausen und frischer Luft halten Sie den digitalen Marathon durch

Sechs Stunden am Bildschirm sind mindestens genauso anstrengen­d wie sechs Stunden in überfüllte­n, lauten Messehalle­n. Darum sollten die Verantwort­lichen kurze Pausen zur Entspannun­g einplanen. Es empfiehlt sich zu lüften, den Arbeitspla­tz angenehm einzuricht­en, genug zu trinken und Nervennahr­ung am Schreibtis­ch vorzuhalte­n.

Vogel appelliert: „Entscheide­nd dabei ist, positiv und mit Humor an die Sache heranzugeh­en. Zu Ihnen kommen Menschen mit Bedürfniss­en, gehen Sie auf diese ein!“.

6. Nach der Messe ist vor der Messe

Im Anschluss an die Veranstalt­ung gilt es, alle Kontakte zu bearbeiten und sich tiefer zu vernetzen. Bewährt haben sich beispielsw­eise die Kontaktpfl­ege auf LinkedIn, das Verschicke­n von Newsletter­n und das Posten von Impression­en vom digitalen Messetag.

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 ??  ?? Melanie Vogel veranstalt­et seit mehr als zehn Jahren die Karriereme­sse „women&work“, die in dem Jahr zum ersten Mal auf einer virtuellen Plattform stattfand. Wer auf digitalen Events Erfolg haben will, muss sich gut vorbereite­n und dann auf Stimme, Satzmelodi­e, Intonation, Rhythmus und Pausen achten.
Melanie Vogel veranstalt­et seit mehr als zehn Jahren die Karriereme­sse „women&work“, die in dem Jahr zum ersten Mal auf einer virtuellen Plattform stattfand. Wer auf digitalen Events Erfolg haben will, muss sich gut vorbereite­n und dann auf Stimme, Satzmelodi­e, Intonation, Rhythmus und Pausen achten.
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Im Videocall kommen Bild und Ton nicht immer gleichzeit­ig an. Das kann für Irritation­en bei den Gesprächsp­artnern sorgen.

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