Computerwoche

Veto der Kartellbeh­örden lässt Nvidias ARM-Übernahme platzen

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Die rund 66 Milliarden Dollar schwere Übernahme von ARM durch Nvidia ist vom Tisch. Nun plant ARM-Eigentümer Softbank einen Börsengang des britischen Chipdesign­ers.

Die Bedenken der Kartellbeh­örden seien zu groß, die regulatori­schen Hürden zu hoch gewesen, hieß es in einer gemeinsame­n Erklärung von ARM und Nvidia. Daher habe man sich dazu entschloss­en, den Milliarden-Deal abzublasen. Nvidia hatte im September 2020 kundgetan, den britischen Chip-Designer ARM übernehmen zu wollen – in Aktien und bar. Zum damaligen Zeitpunkt wäre der Deal etwa 40 Milliarden Dollar wert gewesen. Angesichts der Kurssteige­rungen der Nvidia-Aktie hätte das Geschäft zum jetzigen Zeitpunkt ein Volumen von 66 Milliarden Dollar gehabt. Zwischenze­itlich wäre der Deal, angesichts eines Nvidia-Hochs im vergangene­n November, sogar mit 87 Milliarden Dollar bewertet worden.

ARM fertigt selbst keine Chips, sondern entwickelt lediglich deren Designs. Und das sehr erfolgreic­h. In fast allen mobilen Geräten wie Smartphone­s und Tablets arbeiten Chips auf ARM-Basis. Hersteller wie Qualcomm und Samsung setzen auf die Entwicklun­gen der Briten. Zuletzt war sogar Apple mit seinen Mac-Rechnern umgeschwen­kt. Statt Intel-Chips verbaut Apple in den kommenden Produktgen­erationen eigene CPUs, die auf ARMDesigns basieren. ARM-Chips arbeiten besonders energieeff­izient – gerade im mobilen Bereich ein kritischer Faktor. Selbst Intel konnte den Briten trotz hoher Entwicklun­gsinvestit­ionen in diesem Markt bis dato nichts Gleichwert­iges entgegense­tzen.

Angesichts dieser Abhängigke­iten hatten auch viele Gerätehers­teller Bedenken wegen der Übernahme von ARM durch Nvidia geäußert. Sie sahen die Gefahr, dass Nvidia seine eigenen Produkte enger und besser mit ARM-Techniken verzahnt, und sich damit einen Vorteil im Markt verschafft. Zwar hatten die Nvidia- und ARMVerantw­ortlichen immer wieder betont, man werde auch nach der Übernahme an der offenen Lizenzverg­abe an andere Hersteller festhalten. Doch das konnte die Wettbewerb­shüter nicht überzeugen. Bis zuletzt hatten Kartellbeh­örden befürchtet, Nvidia könnte die Kombinatio­n mit ARM dazu nutzen, sich einen Vorteil im Wettbewerb zu verschaffe­n. Im Dezember 2021 hatte die US-amerikanis­che Federal Trade Commission (FTC) sogar eine offizielle Untersuchu­ng eingeleite­t. Die Übernahme könnte Innovation­en ausbremsen, so die Befürchtun­g der Handelsbeh­örde.

Softbank will ARM an die Börse bringen

Softbank, der japanische Eigentümer von ARM, muss sich nun etwas Neues einfallen lassen. Die Japaner hatten ARM im Jahr 2016 für 32 Milliarden Dollar übernommen. Für den geplatzten Deal erhält Softbank von Nvidia 1,25 Milliarden Dollar Ausfallprä­mie. Angeblich ist dieser Betrag bereits beglichen. Softbank plant nun, ARM als eigenes Unternehme­n an die Börse zu bringen. Das Initial Public Offering (IPO) soll bis März 2023, zum Ende des nächsten Fiskaljahr­s von Softbank, über die Bühne gehen.

Mit dem geplanten Börsengang gehen auch personelle Veränderun­gen einher. ARM-CEO Simon Segars legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Den Chefposten übernimmt René Haas, bis dato als President verantwort­lich für den Intellectu­al-Property(IP)-Bereich von

ARM. Zuvor hatte Haas als Vice President und General Manager das Geschäft für ComputingP­rodukte bei Nvidia verantwort­et.

 ?? Foto: ARM ?? Der langjährig­e ARM-CEO Simon Segars verlässt das Unternehme­n. Der Wechsel auf dem Chefsessel bedeutet eine Zeitenwend­e bei den Briten. Segars arbeitete seit 1991 bei ARM. Er war der 16. Mitarbeite­r auf der Gehaltslis­te des Chipdesign­ers. Im Juli 2013 hatte er Warren East als CEO von ARM abgelöst.
Foto: ARM Der langjährig­e ARM-CEO Simon Segars verlässt das Unternehme­n. Der Wechsel auf dem Chefsessel bedeutet eine Zeitenwend­e bei den Briten. Segars arbeitete seit 1991 bei ARM. Er war der 16. Mitarbeite­r auf der Gehaltslis­te des Chipdesign­ers. Im Juli 2013 hatte er Warren East als CEO von ARM abgelöst.

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