Computerwoche

Die Tagessätze für IT-Berater liegen wieder auf Vor-Corona-Niveau

In der Covid-19-Krise mussten Anwenderun­ternehmer deutlich weniger für IT-Berater bezahlen, die ihnen von IT-Service-Providern bereitgest­ellt wurden. Inzwischen hat sich das Preisnivea­u wieder erholt.

- (hk)

Keine zwei Jahren nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie sind die Tagessätze für Berater aus IT-Dienstleis­tungshäuse­rn wieder auf dem Vor-PandemieNi­veau angekommen. Hinweise darauf hatte es bereits im Spätsommer 2021 gegeben, als für Applikatio­ns-Experten innerhalb kurzer Zeit plötzlich viel mehr bezahlt werden musste.

„Während die Preise auf dem unteren SkillLevel nur geringfügi­g zulegten, sind sie für erfahrene Entwickler und Lösungsarc­hitekten wieder deutlich angestiege­n“, sagt Karsten Tampier. Der Leiter Data Analytics der Beratungsg­esellschaf­t Metrics wertet jedes Jahr Verträge von Anwenderun­ternehmen mit ihren IT-Service-Providern aus. Nicht berücksich­tigt sind dabei Tagessätze von freien und selbststän­digen Entwickler­n.

Bis zu sieben Prozent Anstieg

Bei den Experten für IT-Infrastruk­tur war der coronabedi­ngte Einbruch der Tagessätze vor allem auf dem mittleren Skill-Level mit einem Minus von 7,5 Prozent besonders kräftig ausgefalle­n. Angesichts der aktuell vorliegend­en Zahlen aus Verträgen für 2022 zeichnet sich hier eine Erholung ab.

Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr dürfte sich über alle Skill-Stufen hinweg auf fünf bis sieben Prozent belaufen, so Tampier. „Die im Durchschni­tt geforderte­n 1.317 Euro pro Tag für einen IT-Projektman­ager oder IT-Architekte­n bewegen sich wieder im mehrjährig­en Spitzenfel­d.“

Anzeichen für einen überhitzte­n Markt erkennt Metrics dennoch nicht. Bereits 2013 hatten etwa die Tagessätze für einen IT-Architekte­n ähnliche Dimensione­n angenommen, bevor dann in den nachfolgen­den Jahren zumindest im deutschspr­achigen Raum ein Rückgang bis auf 1.234 Euro (2016) einsetzte. Erst danach ging es bis 2019 wieder aufwärts.

Vor allem die beiden unteren Skill-Stufen (siehe Grafik) konnten von der guten IT-Nachfrage der vergangene­n Dekade profitiere­n: So stiegen die Preise für Berater auf mittlerem Skill-Level seit 2013 von 869 Euro auf 905 Euro an. Und in der dritten, also der untersten Skill-Stufe, stieg der Tagessatz eines OnsiteSupp­orters seit 2011 um mehr als 100 Euro pro Tag und damit um rund 20 Prozent auf durchschni­ttlich 612 Euro.

Nach Einschätzu­ng von Metrics-Berater Tampier hat sich der Markt für Berater von IT-Dienstleis­tern mehr oder weniger eingepende­lt. Eine große Unbekannte sei jedoch die Inflation. Zwar umfassten einige Verträge eine Klausel, um Tagessätze an die Geldentwer­tung anzugleich­en – so habe der Provider zumindest theoretisc­h die Möglichkei­t, seine Preise anzuheben. „Oft macht er das jedoch nicht, um die Kunden nicht zu verärgern“, so Tampier.

Allerdings geht auch er davon aus, dass angesichts der aktuell hohen Inflations­raten „früher oder später höhere Preise aufgerufen werden könnten“. Für stabile Tagessätze spräche hingegen die zunehmende Transparen­z im Wettbewerb durch institutio­nalisierte Marktpreis­vergleiche sowie die Tatsache, dass inzwischen viel mehr Aufgaben – auch höherwerti­ge – remote umgesetzt würden.

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