DREI KA­ME­RAS IN EI­NER

Erst­mals baut Hua­wei ein Ka­me­ra­sys­tem mit drei Brennweiten ein. Das bie­tet dem Fo­to­gra­fen ganz neue Mög­lich­kei­ten.

connect - - SMARTPHONES - ANDRE­AS SEEGER

Im Ver­gleich mit dem hoch­ge­lob­ten Lei­ca-Sys­tem des P20 Pro hat sich nicht nur die An­ord­nung der Lin­sen ge­än­dert. Hua­wei ver­zich­tet erst­mals auf ei­ne Schwarz-Weiß-Op­tik und be­grün­det die­sen Schritt da­mit, dass ein 40-Me­ga­pi­xel-RGBSen­sor ge­nü­gend Bild­in­for­ma­tio­nen lie­fert. Die­sen über­nimmt das Ma­te 20 Pro vom Schwes­ter­mo­dell, genau­so wie die 8-Me­ga­pi­xel-Zoom-Brenn­wei­te. Neu hin­zu­ge­kom­men ist ei­ne Weit­win­kel-Op­tik mit 20 Me­ga­pi­xeln. Das Ma­te 20 Pro deckt so­mit ei­nen KB-äqui­va­len­ten Brenn­wei­ten­be­reich von 16 bis 83 Mil­li­me­ter ab – in der Smart­pho­neWelt ist das ein­ma­lig.

Zwei gro­ße Un­ter­schie­de

Auch wenn die iden­ti­sche An­ord­nung der Lin­sen Ähn­lich­keit sug­ge­riert, kommt das Ma­te 20 mit ei­ner an­de­ren Ka­me­ra. Es ist in ei­nem klei­ne­ren Brenn­wei­ten­be­reich un­ter­wegs (17 bis 52 Mil­li­me­ter), weil an­stel­le ei­nes Drei­fach- ein Zwei­fachZoom ein­ge­baut ist. Im Ge­gen­satz zum Zoom ist der mi­ni­mal ab­wei­chen­de Weit­win­kel in der Pra­xis nicht re­le­vant. Auf­fäl­li­ger in die­ser Ein­stel­lung ist der Rand­licht­ab­fall, genau­so wie die leich­ten per­spek­ti­vi­schen Ver­zer­run­gen. Bei­des tritt bei bei­den Pho­nes auf und ist der kur­zen Brenn­wei­te ge­schul­det. Man kann so­gar sa­gen, dass Hua­wei die da­mit ver­bun­de­nen Pro­ble­me gut in den Griff be­kom­men hat. Der ne­ben der Brenn­wei­te zwei­te we­sent­li­che Un­ter­schied be­trifft die Sen­so­ren: An­stel­le ei­ner 20/40/8Me­ga­pi­xel-Kom­bi müs­sen beim Ma­te 20 16/12/8 Me­ga­pi­xel rei­chen.

Stark im Au­to­ma­tik­mo­dus

Un­se­re La­bor­mes­sun­gen be­schei­ni­gen bei­den Smart­pho­nes ei­ne tol­le Bild­qua­li­tät. Dass das Pro-Mo­dell bei we­nig Licht ver­gleichs­wei­se schlecht ab-

schnei­det, soll­te nicht über­be­wer­tet wer­den, es ist viel­mehr der ein­zig­ar­ti­gen Bild­si­gnal­ver­ar­bei­tung von Hua­wei und Lei­ca ge­schul­det: Bei we­nig Licht wer­den vier Pi­xel zu­sam­men­ge­fasst („Quad-Bin­ning“). Das re­du­ziert die Auf­lö­sung von 40 auf 10 Me­ga­pi­xel, gleich­zei­tig ver­vier­facht sich die Pi­xel­fä­che und je­des Pi­xel kann mehr Licht ein­fan­gen. Da das bei un­se­ren La­bor­mes­sun­gen stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren stets die höchs­te ver­füg­ba­re Auf­lö­sung vor­sieht, ha­ben wir mit 40 Me­ga­pi­xeln fo­to­gra­fiert. Das be­deu­tet: Auf­grund der schlech­ten Licht­ver­hält­nis­se hat die Ka­me­ra­soft­ware Qua­dBin­ning ak­ti­viert, das Fo­to mit 10 Me­ga­pi­xeln ge­knipst und da­nach auf 40 Me­ga­pi­xel hoch­s­ka­liert – was es im Stan­dard­mo­dus nicht tut. Denn da­bei ge­hen fei­ne Strukturen ver­lo­ren. Letzt­end­lich wird da­mit ei­ne Bin­sen­weis­heit be­stä­tigt: Bei we­nig Licht bringt ei­ne hö­he­re Auf­lö­sung kei­ne Vor­tei­le. Wer im Au­to­ma­tik­mo­dus knipst, wird mit bei­den Pho­nes sehr zu­frie­den sein, und zwar in al­len Zoom­stu­fen.

Die bes­se­re Ka­me­ra

Am­bi­tio­nier­te Fo­to­gra­fen sto­ßen mit dem Ma­te 20 aber an Gren­zen, denn wenn sie bei gu­ten Licht­ver­hält­nis­sen die Sen­sor­auf­lö­sung aus­rei­zen, fällt es hin­ter das Pro zu­rück. Auch im Pro­fi-Modus mit ak­ti­vier­ter RAW-Op­ti­on spielt das Pro-Mo­dell die­sen Vor­teil aus. Und weil der 40-Me­ga­pi­xelSen­sor samt Quad-Bin­ning ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die her­aus­ra­gen­den Nacht­auf­nah­men von P20 Pro und Ma­te 20 Pro ist, schnei­det das Schwes­ter­mo­dell auch hier schlech­ter ab. Stär­ke­rer Zoom, hö­he­re Auf­lö­sung, bes­se­re Nacht­auf­nah­men – in die­sen drei Be­rei­chen hat das Pro die Na­se vorn. Dass die Ka­me­ra des Ma­te 20 nichts­des­to­trotz in der Top-Li­ga spielt, un­ter­streicht nur, wie weit vor­ne das Ma­te 20 Pro ist.

Bes­ser geht es kaum

Auch die ge­mes­se­ne Ak­ku­lauf­zeit ist ab­so­lu­te Spit­zen­klas­se: Das Pro-Mo­dell er­reicht her­aus­ra­gen­de 10:50 St­un­den, das Ma­te 20 so­gar re­kord­ver­däch­ti­ge 13:18 St­un­den. Mit bei­den Pho­nes sind al­so zwei Ta­ge Ein­satz lo­cker drin. Da­zu ge­sel­len sich gu­te Funk­ei­gen­schaf­ten und ei­ne gu­te Akus­tik, so­dass es schwer­fällt, bei die­sen Pho­nes über­haupt Kri­tik­punk­te zu fin­den. Den­noch gibt es wel­che: Wäh­rend das Pro-Mo­dell ka­bel­los ge­la­den wer­den kann, un­ter­stützt das Ma­te 20 den Qi-Stan­dard nicht. Für ein 800-Eu­roS­mart­pho­ne ist das aber Pflicht, genau­so wie ei­ne IP67/8-Zer­ti­fi­zie­rung. Bei bei­den Mo­del­len fin­det man au­ßer­dem nur ein­fa­che Ohr­stöp­sel im Lie­fer­kar­ton, auch das passt nicht zu den Prei­sen. Beim Ma­te 20 liegt im­mer­hin noch ein 23-Watt-Schnell­la­de­netz­teil da­ne­ben. Beim Pro ist so­gar ein Netz­teil ent­hal­ten, das die En­er­gie mit sa­gen­haf­ten 40 Watt in den Ak­ku pumpt: In­ner­halb von 30 Mi­nu­ten steht die 4200-mAh-Zel­le wie­der bei 70 Pro­zent!

Um die ein­gangs ge­stell­te Fra­ge zu be­ant­wor­ten: An­ge­sichts der vie­len tech­ni­schen Neue­run­gen und der in je­der Hin­sicht ex­zel­len­ten Pro­dukt­qua­li­tät ist die Preis­ge­stal­tung von Hua­wei ge­recht­fer­tigt. Und die Plät­ze 1 (Ma­te 20 Pro) und 2 (Ma­te 20) in der Bestenliste spre­chen oh­ne­hin für sich.

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