SÜD­SEE - EI­NE REI­SE DURCH DAS PA­RA­DIES

Crucero - Das Kreuzfahrtmagazin - - Inhalt -

Zu den In­seln Fran­zö­sisch Po­ly­ne­si­ens mit der Ara­nui 5

AUF DEM WEG ZU DEN MAR­QUE­SAS

Auf dem Weg in den Nor­den hält das Schiff zum ers­ten Mal in der La­gu­ne von Fa­ka­ra­va. Der Vul­kan, der vor Jahr­mil­lio­nen die­se In­sel bil­de­te, ist längst wie­der im Meer ver­sun­ken. An sei­ner Stel­le ist ei­ne far­ben­präch­ti­ge La­gu­ne ent­stan­den, denn der Koral­len­gür­tel ist er­hal­ten ge­blie­ben. Das Schiff hat vor Ro­tua­va im Nord­os­ten der In­sel An­ker ge­wor­fen. Man­che Gäs­te ge­hen Schwim­men, an­de­re hö­ren ei­nen Vor­trag der Ani­ma­teu­re zum The­ma Ko­kos­nüs­se. Ich ent­schei­de mich für ei­ne Wan­de­rung auf ei­ge­ne Faust. Ein Sturm, des­sen Aus­läu­fer mit Wind­stär­ke 5 bis 6 auch die „ Ara­nui 5“durch­rüt­tel­ten, hat Pal­men zer­zaust und man­che Gär­ten un­ter Was­ser ge­setzt. Au­ßer­halb der Haupt­sai­son sind die meis­ten Tauch­schu­len ver­waist. Nach ei­ni­gen Ki­lo­me­tern ent­de­cke ich an ei­nem Strand vol­ler Koral­len ei­nen al­ten Leucht­turm. Die frü­her auf den Turm füh­ren­de Lei­ter bau­melt quiet­schend durch die Luft, wäh­rend der Wind auf der See­sei­te ho­he Wel­len auf das Riff bran­den lässt. Viel ru­hi­ger ist das Meer in­mit­ten der La­gu­ne, die so groß ist, dass ich ihr an­de­res En­de nicht se­hen kann. Dann geht es nach drei St­un­den Auf­ent­halt wie­der an Bord. Auch auf dem Rück­weg macht das Schiff auf ei­ner In­sel des Tu­a­mo­tu Ar­chi­pels Sta­ti­on. Ran­gi­roa, das zweit­größ­te Atoll der Welt, be­sitzt ei­nen der schöns­ten Strän­de. Die Zeit am Strand von Re­po­re­po ver­geht wie im Flu­ge. Ich ent­span­ne im Schat­ten der Pal­men und schwim­me im kla­ren Was­ser. Er­fah­re­ne Tau­cher bu­chen ei­nen Tauch­gang im Pass von Ti­pu­ta, durch den das Schiff zu­vor in die La­gu­ne fuhr. Dort gibt es ne­ben Del­phi­nen auch Haie und Ro­chen. Ähn­lich ent­spannt ist das Pro­gramm auf Bo­ra Bo­ra, der be­kann­ten, pal­men­ge­säum­ten In­sel. Am in die Wol­ken auf­ra­gen­den Mont Ote­ma­nu hin­ter­lie­ßen die Ame­ri­ka­ner Bun­ker und Ka­no­nen, die man heu­te be­sich­ti­gen kann. Am frü­hen Mor­gen las­se ich mich für ei­nen kur­zen Ab­ste­cher in die In­sel­haupt­stadt Vai­tape brin­gen. Zahl­rei­che ex­klu­si­ve Ge­schäf­te und Ho­tels wett­ei­fern dort um die Auf­merk­sam­keit der Gäs­te. Dann geht es wei­ter zum Mo­tu Ta­pu. Die­ses pri­va­te In­sel­chen liegt ma­le­risch in der blau und grün schim­mern­den La­gu­ne und hat ei­nen schnee­wei­ßen Sand­strand. Ma­jes­tä­ti­sche Ei­sen­holz­bäu­me die­nen als will­kom­me­ner Schutz vor der in­ten­si­ven Son­ne. Erst am Abend geht es nach dem Tag am Traum­strand zu­rück auf ´s Schiff, wo ich an­de­re Gäs­te wie­der­tref­fe, die sich für ei­nen Hub­schrau­ber­r­und­flug (ab 335 Eu­ro für 30 Mi­nu­ten) ent­schie­den ha­ben und ein­drucks­vol­le Bil­der zei­gen.

RUND­GANG AN BORD

Wäh­rend der bei­den See­ta­ge der Rei­se ha­be ich Zeit, das Schiff zu er­kun­den. Schnell ent­de­cke ich mit der Veran­da-bar im Heck des Schif­fes ei­nen mei­ner Lieb­lings­or­te. Be­que­me Ses­sel und der Blick auf das Meer ma­chen die Bar zu ei­nem ge­frag­ten Treff­punkt. Ei­nen tol­len Blick in Fahr­rich­tung und auf die Fracht bie­tet die Sky Bar auf Deck 9. Un­ge­fähr auf Hö­he der Was­ser­li­nie lie­gen der klei­ne aber schön ein­ge­rich­te­te SPA- Be­reich so­wie ein Fit­ness­stu­dio oh­ne Fens­ter. Ein Deck hö­her be­fin­den sich die Re­zep­ti­on und die gut sor­tier­te Bord­bou­tique. Wäh­rend die­se Be­rei­che dem Kom­fort an­de­rer Kreuz­fahrt­schif­fe in nichts nach­ste­hen, hat man an an­de­ren Stel­len Kom­pro­mis­se ge­macht. Der Spei­se­saal ist prak­tisch ein­ge­rich­tet, wä­re mit Pan­ora­ma­fens­tern aber deut­lich at­trak­ti­ver. Glei­ches gilt für die Lounge mit be­que­men Ses­seln, die für Film­vor­füh­run­gen und Vor­trä­ge ge­nutzt wird. See­fahrt­be­geis­ter­te wer­den die Po­li­tik der of­fe­nen Brü­cke schät­zen. Fast je­der­zeit kann man den Ka­pi­tän und sei­ne Of­fi­zie­re be­su­chen, Fra­gen stel­len und bei der Na­vi­ga­ti­on zu­schau­en. Ge­lun­gen ist auch der Zu­schnitt der nach hin­ten ge­öff­ne­ten Au­ßen­decks. Ober­halb des Pools er­mög­li­chen drei wei­te­re Decks den Blick auf die Ak­ti­ons­flä­che, auf der von den En­ter­tai­nern Nui und Na­hau wäh­rend der Rei­se Tanz, Mu­sik und ku­li­na­ri­sche Aben­de prä­sen­tiert wer­den. Für das leib­li­che Wohl sorgt Heue­re Adams, der in sei­nem Stamm­baum wie vie­le Po­ly­ne­si­er ein Be­sat­zungs­mit­glied der „ Boun­ty“wis­sen will. Der Au­to­di­dakt hat ei­nen ab­wechs­lungs­rei­chen Spei­se­plan mit Ele­men­ten aus der po­ly­ne­si­schen, asia­ti­schen und fran­zö­si­schen Kü­che zu­sam­men­ge­stellt. Sei­ne per­sön­li­chen Fa­vo­ri­ten von der Spei­se­kar­te sind Schwein in Ho­nig ge­rös­tet, Zick­lein in Ko­kos und Thun­fischmous­se. Sein als Vor­spei­se ge­reich­ter „Pois­son cru“aus ro­hem Thun­fisch ist ein Ge­dicht.

VUL­KAN­IN­SELN VOR­AUS!

Die Mar­que­sas-in­seln ra­gen als im­po­san­te Spit­zen ei­nes un­ter­see­ischen Ge­bir­ges aus dem Oze­an. Bis heu­te sind die Bas­alt­in­seln von kar­gen Ge­birgs­käm­men ge­prägt. An­ders als im Sü­den gibt es in die­sem Ar­chi­pel auf­grund der küh­le­ren Wassertemperaturen kei­ne schüt­zen­den Koral­len­rif­fe. Die Wel­len des Pa­zi­fiks er­rei­chen die In­seln un­mit­tel­bar. So­gar die Uh­ren ge­hen hier an­ders – auf den Mar­que­sas ist es ei­ne hal­be St­un­de spä­ter als in der Haupt­stadt Pa­pee­te. Zum ers­ten Mal ge­he ich auf der In­sel Hi­va Oa an Land. Vom Pier in Pua­mau ist es nicht

weit zur ka­tho­li­schen Kir­che, in der die Ge­mein­de an die­sem Mor­gen ei­ne leb­haf­te Mes­se fei­ert. Wei­ter geht es zur Kult­stät­te Mea´a Ipo­na. Die­ser Ort war einst das re­li­giö­se Zen­trum ei­ner längst ver­gan­ge­nen Kul­tur. Ri­tua­le wur­den ze­le­briert. Men­schen wur­den ge­op­fert. Ei­ni­ge Ti­kis, in Fels ge­haue­ne Stell­ver­tre­ter wich­ti­ger Per­sön­lich­kei­ten, sind bis heu­te zu se­hen, nach­dem der zwi­schen­zeit­lich als Plan­ta­ge und Wei­de ge­nutz­te Ort wie­der­ent­deckt und re­stau­riert wur­de. Ähn­lich se­hens­wert ist die his­to­ri­sche Stät­te Kam­u­hei auf der In­sel Nu­ku Hi­va. Dort ist nicht nur ein To­hua, ein his­to­ri­scher Fest­platz, zu se­hen, son­dern auch ein rie­si­ger Banyan- Baum. Die­ser Luft­wur­zel­baum, der so groß sein soll, dass man sei­ne Kro­ne so­gar aus dem Welt­raum er­ken­nen kann, war einst Schau­platz grau­sa­mer Men­schen­op­fer. Mehr als hun­dert Schä­del wur­den in sei­ner Nä­he ge­fun­den. Man ver­mu­tet, dass der rund 10.000 Mit­glie­der zäh­len­de Stamm Op­fer brach­te, um von den Göt­tern gu­te Ern­ten und Er­folg im Krieg zu er­bit­ten. Für die Gäs­te der „ Ara­nui 5“zei­gen Mu­si­ker und Tän­zer aus dem Nach­bar­ort auf ei­ner Büh­ne di­rekt ne­ben dem Baum ih­ren archai­schen Tanz. Dröh­nen­de Trom­meln und lau­te Ru­fe un­ter­ma­len die wil­den Be­we­gun­gen. Ober­halb des Bau­mes ent­de­cke ich spä­ter 400- 500 Jah­re al­te, in den Fel­sen ge­ritz­te Bil­der von Schild­krö­ten, Vö­geln und Fi­schen. Vor vie­len Jah­ren er­mög­lich­te die heu­ti­ge Re­stau­rant­be­trei­be­rin Yvon­ne Ka­tu­pa als ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­te­rin die Re­stau­rie­rung der Kult­stät­te. Ihr Re­stau­rant „Chez Ma­mie Yvon­ne“liegt in der Bucht von Ha­ti­heu. Wäh­rend ich Span­fer­kel aus dem tra­di­tio­nel­len Erd­ofen, ge­bra­te­nen Fisch und an­de­re re­gio­na­le Köst­lich­kei­ten pro­bie­re, bli­cke ich auf den 1.200 Me­ter ho­hen Mount Te­kao, des­sen La­vaspit­zen aus dem grü­nen Di­ckicht ra­gen.

DIE KUL­TUR DER MA­O­RI

Wäh­rend der Rei­se er­fah­ren die Gäs­te Hin­ter­grün­de zum Le­ben auf den In­seln, die zwi­schen 500 vor und 500 nach Chris­tus von Süd­ost­asi­en aus mit gro­ßen Aus­le­ger­boo­ten be­sie­delt wur­den. Da die al­ten Kul­tu­ren in Po­ly­ne­si­en nie ei­ne Schrift­spra­che ent­wi­ckel­ten, sind die Über­lie­fe­run­gen nur bruch­stück­haft. Tanz, Ge­sang und Tat­toos wa­ren über lan­ge Zeit fes­te Be­stand­tei­le des Le­bens der Men­schen. Als die christ­li­chen Mis­sio­na­re die In­seln er­reich­ten, wur­de die ein­hei­mi­sche Kul­tur nach und nach zu­rück­ge­drängt. Mehr als hun­dert Jah­re lang wa­ren vie­le der po­ly­ne­si­schen Ri­ten und Bräu­che so­gar ganz ver­bo­ten, bis sie schließ­lich wie­der er­laubt wur­den. Er­le­ben kann man ih­re Re­nais­sance nicht nur beim al­le vier Jah­re statt­fin­den­den „ Fes­ti­val des Arts des Îles Mar­qui­ses“, son­dern auch bei tou­ris­ti­schen Vor­füh­run­gen auf fast al­len In­seln. Auch an Bord wird die Kul­tur wie­der zum Le­ben er­weckt. Ei­nes Abends an Bord er­zählt mir der reich tä­to­wier­te Ma­ha­lo Pa­hua­ti­ni von der Ver­gan­gen­heit. Ei­gent­lich ist der See­mann längst in Ren­te – doch das Le­ben an Bord lässt ihn nicht los, so­dass er wei­ter auf dem Schiff bleibt und mit­ar­bei­tet. Schon am ers­ten Tag der Rei­se er­le­ben die Gäs­te ei­ne se­hens­wer­te Tanz­show. Ein Tanz­kurs sorgt da­für, dass Ta­ge spä­ter ei­ni­ge Frei­wil­li­ge mit den Ani­ma­teu­ren zum kraft­vol­len Ha­ka- Krieg­s­tanz auf der Büh­ne ste­hen.

Claire aus dem SPA er­klärt die Her­stel­lung von Mo­noi- Öl, dem tra­di­tio­nel­len, hei­li­gen Öl der Po­ly­ne­si­er. Es be­steht aus Ko­kos­öl, in das frisch ge­ern­te­te Tia­re- Blü­ten ein­ge­legt wer­den. Aus der ty­pi­schen Frucht der In­seln und den lieb­lich duf­ten­den Blü­ten ent­steht ein kris­tall­kla­res Öl, das nicht nur bei po­ly­ne­si­schen Schön­heits­ri­tua­len zum Ein­satz kommt.

ENT­SPAN­NUNG WIRD GROSS GE­SCHRIE­BEN

Das Pro­gramm des nächs­ten Ta­ges er­fah­ren die Gäs­te beim abend­li­chen Brie­fing mit ih­rem Rei­se­lei­ter. Für die deutsch­spra­chi­gen Gäs­te ist auf die­ser Rei­se Va­len­ti­na Ca­s­a­no­va Bruz­ze­se aus der ita­lie­ni­schen Schweiz zu­stän­dig. Sie plau­dert über Or­ga­ni­sa­to­ri­sches, über Kul­tur und Ge­schich­te und gibt prak­ti­sche Tipps für den nächs­ten Tag. Von ihr er­fah­re ich nicht nur, dass die Gäs­te sich an Bord kos­ten­frei Schnor­chel- Equip­ment lei­hen kön­nen, son­dern auch, dass das Schiff je­dem Gast an drei Ta­gen ei­nen kos­ten­frei­en Wä­sche­ser­vice an­bie­tet. We­ni­ger er­freu­lich ist ei­ne an­de­re Über­ra­schung: An meh­re­ren Ta­gen über­schnei­den sich die Zei­ten des Land­gangs mit de­nen der Vor­trä­ge. Da das An­ge­bot an Vor­trä­gen, Work­shops und an­de­ren Ak­ti­vi­tä­ten wie auf klei­ne­ren Schif­fen üb­lich über­schau­bar ist, wä­ren Über­schnei­dun­gen ge­wiss ver­meid­bar. Die Vor­trä­ge wer­den zum Teil auf Deutsch, oft aber auch nur auf Fran­zö­sisch und Eng­lisch an­ge­bo­ten. Fil­me wer­den meist nur in der fran­zö­si­schen Ori­gi­nal­ver­si­on ge­zeigt. Ins­ge­samt bleibt bei der Rei­se viel Zeit für Ent­span­nung. Das gilt trotz des im Rei­se­preis ent­hal­te­nen Aus­flugs­pro­gramms. Zu dem ge­hört zum Bei­spiel ei­ne Wan­de­rung zu ei­nem Kreuz ober­halb der Bucht von Ha­ka­hau auf der In­sel Ua Pou. An an­de­ren Ta­gen geht es mit Jeeps oder Bus­sen zu Kult­stät­ten, land­schaft­lich reiz­vol­len Or­ten oder klei­nen Mu­se­en. Auf Hi­va Oa führt ei­ne Wan­de­rung zum ober­halb der Bucht ge­le­ge­nen Fried­hof „Cime­tiè­re Cal­vai­re“, auf dem Paul Gau­gu­in und Jac­ques Brel ih­re letz­te Ru­he fan­den. Im Tal kann man das Gau­gu­in-mu­se­um (4 Eu­ro) mit Re­pro­duk­tio­nen von Bil­dern des Ma­lers, der Po­ly­ne­si­en mit sei­nen Bil­dern be­kannt ge­macht hat, be­su­chen. Dort steht auch ei­ne Re­kon­struk­ti­on sei­nes ver­ru­fe­nen „ Haus der Freu­den“. Be­kannt wur­de der Ma­ler, für des­sen Werk „Wann hei­ra­test Du?“vor zwei Jah­ren rund 300 Mil­lio­nen Dol­lar be­zahlt wor­den sein sol­len, erst zehn Jah­re nach sei­nem Tod. Sport­li­che Pas­sa­gie­re kön­nen sich auf der ab­ge­le­ge­nen In­sel Fa­tu Hi­va auf ei­ne 16 km lan­ge Wan­de­rung be­ge­ben. Der Auf­stieg von Omoa führt vom Meer aus bis auf 640 Me­ter Hö­he. Der ein­drucks­vol­le Aus­blick auf die vul­ka­ni­schen Fel­sen, das Meer

und über üp­pig grü­ne Ebe­nen be­lohnt für die bei 30 Grad kräf­te­zeh­ren­de Wan­de­rung.

KUNST­HAND­WERK AL­LER OR­TEN

Die Ort­schaf­ten ha­ben sich auf den ge­le­gent­li­chen Be­such von Tou­ris­ten­grup­pen ein­ge­stellt und ver­kau­fen meist hoch­wer­ti­ges Kunst­hand­werk als Mit­bring­sel. Da die Ti­kis in al­ler Welt be­kannt sind und qua­si als „Pop-iko­ne der Süd­see“gel­ten, sind ge­schnitz­te Fi­gu­ren auf je­dem Markt zu ha­ben. An­de­re Sou­ve­nirs wer­den nur an be­stimm­ten Or­ten her­ge­stellt. So ist Fa­tu Hi­va be­kannt für be­mal­tes Ta­pa. Bei ei­ner Prä­sen­ta­ti­on er­fah­ren wir, wie Ta­pa aus der Rin­de von Bäu­men her­ge­stellt wird. Zu­nächst wird die Rin­de vom Holz ge­trennt. Die in­ne­re Rin­de wird dann mit ei­nem Stück Ei­sen­holz von bei­den Sei­ten so lan­ge ge­stampft, bis sie zu ei­ner Art Tuch wird. Die­ses wird ge­trock­net, mit Stär­ke ein­ge­stri­chen und dann mit tra­di­tio­nel­len Mo­ti­ven be­malt. Auf Ua Poa hin­ge­gen sind Blu­men­stei­ne im An­ge­bot. Die­se sel­te­nen vul­ka­ni­schen St­ei­ne mit hel­len Ein­schlüs­sen las­sen sich zu in­ter­es­san­tem Schmuck ver­ar­bei­ten. An­de­re Dör­fer ha­ben sich auf Kno­chen­schnit­ze­rei­en oder lo­kal­ty­pi­sche Holz- und St­ein­ar­bei­ten spe­zia­li­siert. Übe­r­all ver­kauft wer­den Mu­schel- und Sa­men­schmuck und bun­te Pa­re­os. Auf den Tu­a­mo­tu In­seln wei­ter im Sü­den ist die Per­len­zucht ein wich­ti­ger Wirt­schafts­zweig. Bei der Be­sich­ti­gung ei­ner Per­len­farm er­fährt man, wie in die Aus­tern ein Fremd­kör­per ope­riert wird, um den sich über zwei Jah­re ei­ne Per­le bil­det. Doch selbst bei op­ti­ma­len Be­din­gun­gen sind un­ter tau­send Per­len nur 20 Per­fek­te der Qua­li­tät A. Je­de Ein­zel­ne un­ter­schei­det sich in Grö­ße, Form und Ober­flä­che. We­ni­ger Ein­fluss auf den Preis ha­ben hin­ge­gen die Farb­nu­an­cen. Schwarz, gold­schim­mernd oder grün­lich – hier zählt der Ge­schmack.

DAS BE­SON­DE­RE AUF DEN ZWEI­TEN BLICK

Die Schön­heit der be­zau­bern­den In­seln in den Wei­ten des Süd­pa­zi­fiks lässt sich oft erst auf den zwei­ten Blick in Wor­te fas­sen. Im­po­san­te Se­hens­wür­dig­kei­ten wie in an­de­ren Re­gio­nen gibt es hier nicht, da­für aber viel zu ent­de­cken. Man­che Gäs­te „er­obern“auf Ua Poa nicht weit vom Schiff ent­fernt ei­nen ein­sa­men Strand, auf dem sie seit län­ge­rer Zeit die ers­ten Fuß­spu­ren hin­ter­las­sen. An­de­re be­wun­dern die ge­schnitz­ten Fi­gu­ren der Darstel­lung des Kreuz­we­ges in den Kir­chen. Wie­der an­de­re kom­men mit der 81jäh­ri­gen Ro­se ins Ge­spräch, die am Rand von Taio­hae ein klei­nes pro­vi­so­ri­sches Mu­se­um be­treibt und bis heu­te den Traum hegt, ein ech­tes Mu­se­um zur „Con­tact Pe­ri­od“ zu er­öff­nen. „Wenn ich auf­wa­che, denkt mein Kopf ich wä­re 30“, er­klärt die Se­nio­rin, die sich be­reits vor Jahr­zehn­ten in die In­seln ver­liebt hat, ih­re gro­ßen Plä­ne. Wer sich für Pflan­zen in­ter­es­siert, lernt nicht nur den als Me­di­ka­ment ge­nutz­ten No­ni-saft ken­nen, son­dern auch Ker­zen­nüs­se. Die­se kann man an­zün­den und wie mit ei­nem Öll­ämp­chen die Nacht er­hel­len. Fängt man den Ruß auf, er­hält man die Far­be für die 1819 mit dem Po­ma­re Co­de ver­bo­te­nen und erst seit 1980 wie­der po­pu­lä­ren Tat­toos. Einst wur­den die­se mit spit­zen Hai­zäh­nen oder Vo­gel­kno­chen ge­sto­chen. Wer von der Rei­se ein Tat­too als dau­er­haf­tes Sou­ve­nir mit­brin­gen möch­te, fin­det auf den In­seln und so­gar an Bord Meis­ter-tä­to­wie­rer, die den Wunsch er­fül­len. Auch bei den po­ly­ne­si­schen Pflan­zen kommt es auf die De­tails an. Bei ei­ner Wan­de­rung kos­te ich ei­ne pink­far­be­ne Blü­te, die wie ein Pilz schmeckt. Ei­ne di­rekt da­ne­ben wach­sen­de mit wei­ßen Blü­ten hin­ge­gen wä­re gif­tig. Die land­schaft­li­che Schön­heit und auch die herz­li­che Art der Be­woh­ner ge­hö­ren zu den gleich er­kenn­ba­ren Be­son­der­hei­ten der Re­gi­on. „Po­ly­ne­si­er ha­ben kein Ge­fühl für Zah­len – hier geht es um Ge­mein­schaft, nicht um Be­sitz”, er­klärt Ara­nui-ho­tel­di­rek­to­rin Vai­he­re Vi­vish. Wer auf den In­seln un­ter­wegs ist, wird häu­fig auf Freund­lich­keit tref­fen, nicht je­doch auf Auf­dring­lich­keit. Das macht die Süd­see­inseln zu ei­nem sehr an­ge­neh­men Rei­se­ziel, das auf­grund der Viel­zahl der In­seln am bes­ten bei die­ser fas­zi­nie­ren­den Kreuz­fahrt zu ent­de­cken ist.

AB­SCHIED IN PA­PEE­TE

Nach 14 Ta­gen kommt das Schiff zum Ab­schluss der Rei­se nach Pa­pee­te zu­rück. Beim Früh­stück heißt es Ab­schied neh­men von den an­de­ren Gäs­ten und der Be­sat­zung. Da die meis­ten Flü­ge erst am Abend ab­he­ben, bleibt Zeit für ei­ne In­sel­rund­fahrt. Ei­ner der Hö­he­punk­te von Ta­hi­ti trägt den Na­men Ve­nus Po­int. Dort gibt es gleich ne­ben dem schwar­zen Strand Denk­mä­ler für den bri­ti­schen Ka­pi­tän Sa­mu­el Wal­lis, den Fran­zo­sen Lou­is An­toi­ne de Bou­gain­ville und für Ja­mes Cook. Ne­ben den Ge­denk­stei­nen der Ent­de­cker ste­hen ein strah­lend wei­ßer Leucht­turm und ein wil­der Hi­bis­kus, des­sen Blü­ten im Lau­fe des Ta­ges mehr­fach die Far­be wech­seln. Im leich­ten Dunst zeigt sich die Sil­hou­et­te der Nach­bar­in­sel Moo­rea. Am Stra­ßen­rand übe­r­all auf der In­sel sind läng­li­che Käs­ten zu se­hen – doch die­se sind nicht für Post, son­dern für die Lie­fe­rung von Ba­guettes. Ei­ne Fül­le von Sin­nes­ein­drü­cken kommt mit zu­rück aus dem fran­zö­si­schen Über­see­ge­biet nach Eu­ro­pa. 

Bild oben: Un­be­rühr­te, pa­ra­di­si­sche Strän­de lo­cken auf der Rou­te. Bild un­ten: auf die­ser Rei­se lernt man auch die Kul­tur der Mar­que­sas-in­seln ken­nen, wir hier bei ei­ner Auf­füh­rung wäh­rend ei­nes Aus­flugs.

Der See­mann Ma­ha­lo Pa­hua­ti­ni ist ei­gent­lich längst im Ren­ten­al­ter. Doch das Le­ben an Bord lässt ihn nicht los. So ar­bei­tet er wei­ter an Bord mit und er­zählt den Gäs­ten von sei­ner po­ly­ne­si­schen Hei­mat.

Am Fuß des rie­si­gen BanyanBau­mes zei­gen die Tän­zer ih­ren archai­schen Tanz. Lau­te Ru­fe, dröh­nen­de Trom­meln und wil­de Be­we­gun­gen ge­ben Ein­blick in die Kul­tur der In­seln.

Rei­se­lei­te­rin Va­len­ti­na Ca­s­a­no­va Bruz­ze­se küm­mert sich an Bord um die deutsch­spra­chi­gen Gäs­te. Sie be­rich­tet bei den Land­aus­flü­gen über Kul­tur, Na­tur und Ge­schich­te. Bei den abend­li­chen Brie­fings in deut­scher Spra­che prä­sen­tiert sie Wis­sens­wer­tes und er­klärt das Pro­gramm des fol­gen­den Ta­ges.

Da die meis­ten An­le­ge­stel­len nicht für grö­ße­re Schif­fe aus­ge­legt sind, fah­ren die Gäs­te an den meis­ten Ta­gen mit den „Bar­gen“an die Küs­te. Die­se wer­den in klei­nen Hä­fen ver­täut und kön­nen so­gar am Strand an­lan­den. So er­le­ben die Gäs­te die ein­drucks­vol­le Na­tur un­mit­tel­bar.

Auf den In­seln fin­det trifft man auf Freund­lich­keit und Auf­ge­schlos­sen­heit ge­gen­über Tou­ris­ten, nicht je­doch auf Auf­dring­lich­keit.

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