Kreuz­fahrt trotz Han­di­cap? Na klar!

Das sta­tis­ti­sche Bun­des­amt geht da­von aus, dass in Deutsch­land über 7,5 Mil­lio­nen Men­schen mit Be­hin­de­run­gen le­ben. Hin­zu kommt ei­ne sehr gro­ße An­zahl von Men­schen, die bei­spiels­wei­se auf­grund ih­res Al­ters in ih­rer Mo­bi­li­tät ein­ge­schränkt sind.

Crucero - Das Kreuzfahrtmagazin - - Reiserecht Kolumne -

Vie­le Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät sind rei­se­freu­dig, scheu­en aber we­gen be­fürch­te­ter Stra­pa­zen und Hin­der­nis­sen ei­ne Kreuz­fahrt­rei­se. Es gibt je­doch eu­ro­pa­recht­li­che Vor­ga­ben, die Rei­se­ver­an­stal­ter, Schiffs­be­trei­ber und auch Hä­fen in der EU da­zu ver­pflich­ten, ge­han­di­cap­ten Ur­lau­bern kos­ten­freie Hil­fe zu ge­ben, um ei­ne Kreuz­fahrt durch­füh­ren zu kön­nen. Die Re­ge­lun­gen gel­ten für al­le Rei­sen­den mit ei­ner kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Be­hin­de­rung oder für Rei­sen­de, die aus an­de­ren kör­per­li­chen Grün­den nicht un­ein­ge­schränkt mo­bil sind.

HIL­FE­LEIS­TUN­GEN

Ge­gen­über dem Ha­fen- und Schiffs­be­trei­ber hat der be­trof­fe­ne Pas­sa­gier auf­grund der Eu-ver­ord­nung Nr. 1177/2010 An­spruch dar­auf, kos­ten­freie Un­ter­stüt­zung bei der Ein- und Aus­schif­fung zu er­hal­ten. Die Ver­ord­nung gilt für al­le Kreuz­fahr­ten, bei der die Ein­schif­fung im Ho­heits­ge­biet ei­nes Eu-mit­glieds­staa­tes liegt. Bei­spie­le für Hil­fe­leis­tun­gen sind et­wa die Hil­fe da­bei, vom Ein­gang des Haf­en­ter­mi­nals zum Ab­fer­ti­gungs­schal­ter und von dort zum Schiff zu ge­lan­gen, Ab­fer­ti­gung al­ler not­wen­di­gen Mo­bi­li­täts­hil­fen (auch elek­tri­sche Roll­stüh­le) und Hil­fe bei der Aus­schif­fung und beim Pas­sie­ren der Ein­rei­se- und Zoll­kon­troll­stel­len. Ei­ne bar­rie­re­freie Ka­bi­ne fällt je­doch nicht un­ter die zu er­brin­gen­den Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen. Will der Pas­sa­gier ei­ne ent­spre­chen­de Ka­bi­ne be­an­spru­chen, ge­hört dies als aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung mit in den In­halt des Rei­se­ver­tra­ges zwi­schen dem Kun­den und dem Rei­se­ver­an­stal­ter. Wer Hil­fe be­nö­tigt, muss sei­nen Wunsch 48 St­un­den vor­her beim Rei­se­ver­an­stal­ter bzw. Ree­de­rei und Ter­mi­nal­be­trei­ber an­mel­den. Der Pas­sa­gier ist ver­pflich­tet, 60 Mi­nu­ten vor der Ein­schif­fungs­zeit am Ter­mi­nal ein­zu­tref­fen. Zu­dem be­steht die wei­te­re Ver­pflich­tung, be­reits bei der Rei­se­bu­chung dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Hil­fe­leis­tun­gen be­nö­tigt wer­den.

AN­REI­SE ZUM SCHIFF

Auf der An­rei­se zum Ha­fen und auch bei der Rück­rei­se kön­nen Pas­sa­gie­re eben­falls kos­ten­freie Un­ter­stüt­zung be­an­spru­chen, wenn sie mit dem Flug­zeug oder der Bahn an­rei­sen.

FLUG­ZEUG

Wer per Flug­zeug reist, er­hält kos­ten­frei Un­ter­stüt­zung auf­grund der Eu-ver­ord­nung Nr. 1107/2006, die für al­le Flü­ge ab ei­nem Flug­ha­fen der Eu­ro­päi­schen Uni­on und für Flü­ge von ei­nem Dritt­staat (z.b. USA) in die EU mit ei­ner EUAir­line gilt. Eben­so wer­den Flug­hä­fen in der EU in die Pflicht ge­nom­men und müs­sen kos­ten­lo­se Hil­fe an­bie­ten. Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen, die der Pas­sa­gier am Flug­ha­fen und von der Flug­ge­sell­schaft be­an­spru­chen kann, sind bei­spiels­wei­se die Hil­fe da­bei, den je­wei­li­gen Ab­fer­ti­gungs­schal­ter zu fin­den und die Ge­päck­auf­ga­be zu er­le­di­gen, zum Ab­flug­gate zu ge­lan­gen, an Bord und zum Sitz im Flug­zeug zu kom­men, As­sis­tenz beim Aus­stei­gen aus dem Flug­zeug und bei der Ge­pä­ckent­ge­gen­nah­me und die kos­ten­freie Mit­nah­me von bis zu zwei Mo­bi­li­täts­hil­fen (Rol­la­tor, Roll­stuhl u.a.). Die Flug­ge­sell­schaft darf die Mit­nah­me des mo­bi­li­täts­ein­ge­schränk­ten Pas­sa­giers nur ver­wei­gern, wenn si­cher­heits­re­le­van­te Grün­de vor­lie­gen. Die Mit­nah­me von Mo­bi­li­täts­hil­fen darf nur ver­wehrt wer­den, wenn sich nicht ge­nü­gend Platz im Flug­zeug fin­det. Wün­sche nach Hil­fe­leis­tun­gen müs­sen 48 St­un­den vor­her an­ge­mel­det. An­sprech­part­ner sind die Flug­ge­sell­schaft und auch der Rei­se­ver­an­stal­ter, so­fern der Flug Teil des Rei­se­ver­tra­ges ist.

BAHN

Für Bahn­rei­sen­de mit Be­hin­de­rung bzw. Mo­bi­li­täts­ein­schrän­kun­gen ent­hält die EUVer­ord­nung Nr. 1371/2007 wich­ti­ge Vor­ga­ben. Es muss dar­über in­for­miert wer­den, wel­che Bahn­hö­fe mit Per­so­nal aus­ge­stat­tet sind, so dass Hil­fe beim Ein- und Aus­stei­gen aus dem Zug bzw. beim Um­stei­gen zur Ver­fü­gung steht. Wer beim Bahn­fah­ren Hil­fe be­nö­tigt, muss dies min­des­tens 48 St­un­den vor­her an­mel­den. An­sprech­part­ner sind das Bahn­un­ter­neh­men, die und Bahn­hofs­be­trei­ber und ggf. der Rei­se­ver­an­stal­ter. ■

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Reiserecht bei Kreuz­fahr­ten kos­ten­frei un­ter:

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