DIE SCHAUBÜHNENCHEFIN

Seit drei Jah­ren ist SACHA ROU­GIER, Ge­schäfts­füh­re­rin der Crui­se Gate Ham­burg Gm­bh, Haus­her­rin der drei Kreuz­fahrt­ter­mi­nals in Ham­burg. Sie spricht ger­ne über die Stadt als „Schau­büh­ne für die Kreuz­fahrt“. Mit dem Neu­bau des Ha­fen­ci­ty Ter­mi­nals lei­tet sie

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In­ter­view mit Sacha Rou­gier

CRU­CE­RO Im Mai hat Ham­burg sei­nen 829. Ha­fen­ge­burts­tag ge­fei­ert. Was war Ihr per­sön­li­ches High­light? SACHA ROU­GIER

Ich bin im­mer wie­der be­geis­tert, wie vie­le Ham­bur­ger und Be­su­cher von übe­r­all her zu die­sem Event kom­men und mit wel­cher Freu­de sie hier die Schif­fe be­grü­ßen. In die­sem Jahr wa­ren rund 1,3 Mil­lio­nen Be­su­cher hier – und im Ha­fen herrsch­te ei­ne tol­le Stim­mung. Das ist wirk­lich ein­ma­lig. Wir hat­ten ins­ge­samt 10 Schif­fe an un­se­ren Ter­mi­nals zu Be­such, da­von zwei Schif­fe, die zum ers­ten Mal bei uns in Ham­burg wa­ren. Das schon tra­di­tio­nel­le Ai­da-feu­er­werk am Sams­tag­abend war eben­falls sehr be­ein­dru­ckend. Und dann wur­de mit ei­ner tol­len Show auch noch das neue Schiff der Tui-flot­te, die Mein Schiff 1, hier bei uns ge­tauft. Es wa­ren tol­le vier Ta­ge.

Für die Sai­son 2018 sind in Ham­burg 220 An­läu­fe ge­plant mit 880.000 er­war­te­ten Gäs­ten. Sind bei die­sen Zah­len denn auch die Ham­bur­ger selbst nach wie vor be­geis­tert von den Kreuz­fahrt­schif­fen in ih­rer Stadt?

Ja, die Ham­bur­ger sind tat­säch­lich kreuz­fahrt­ver­rückt. Wenn die Queen Ma­ry 2 in den Ha­fen ein­läuft, ste­hen hun­der­te am Elbstrand, um ihr zu­zu­win­ken. Die Stadt tut aber auch ei­ni­ges da­für, die­se Be­geis­te­rung nach­hal­tig zu er­hal­ten.

Ham­burg hat schon früh ei­ne Vor­rei­ter­rol­le in Sa­chen Um­welt­schutz im Kreuz­fahrt­busi­ness über­nom­men. An den drei Kreuz­fahrt­ter­mi­nals setzt die Stadt kon­se­quent auf um­welt­freund­li­che Ener­gie­ver­sor­gung. In Al­to­na kön­nen ent­spre­chend aus­ge­rüs­te­te Schif­fe seit 2016 ih­re Mo­to­ren wäh­rend der Lie­ge­zeit im Ha­fen aus­schal­ten und über die Land­strom­an­la­ge um­welt­freund­lich Strom aus der Steck­do­se zie­hen. Und in un­se­rem Ter­mi­nal in St­ein­wer­der gibt es die Mög­lich­keit der land­sei­ti­gen Ver­sor­gung des Schiffs mit dem schad­stoff­ar­men Flüs­si­gerd­gas (LNG) über ei­nen Truck. Zu­dem be­lohnt Ham­burg um­welt­freund­li­che Schif­fe durch ei­nen Ra­batt beim Ha­fen­geld.

Sie ha­ben noch ein drit­tes in­ner­städ­ti­sches Kreuz­fahrt­ter­mi­nal in der Ha­fen­ci­ty, für das ge­ra­de ne­ben­an ein Neu­bau ent­steht. Sind denn auch hier ent­spre­chen­de Um­welt­stan­dards be­rück­sich­tigt?

Das der­zei­ti­ge Crui­se Cen­ter Ha­fen­ci­ty wird ab 2022 durch ein neu­es, hoch­mo­der­nes Ter­mi­nal­ge­bäu­de ab­ge­löst. Kreuz­fahrt­pas­sa­gie­re pro­fi­tie­ren dann von ei­nem smar­ten Ge­bäu­de­en­sem­ble mit un­ter­ir­di­schem Bus­bahn­hof, Pkw-stell­plät­zen und ei­ner Ta­xi­vor­fahrt, so­wie in­te­grier­ten Ho­tel- und Ein­zel­han­dels­flä­chen. An zwei Lie­ge­plät­zen kön­nen bis zu 3.600 Pas­sa­gie­re gleich­zei­tig ab­ge­fer­tigt wer­den. Und auch für die­ses Crui­se Ter­mi­nal ist die künf­ti­ge Mög­lich­keit der Lng-be­tan­kung des Schiffs wäh­rend der Lie­ge­zeit so­wie die Strom­ver­sor­gung durch ei­ne zwei­te Land­strom­an­la­ge be­rück­sich­tigt. Wir als Ter­mi­nal­be­trei­ber sind aber auch von dem ab­hän­gig, was sich auf dem Markt an neu­en tech­ni­schen Lö­sun­gen durch­setzt. Auf dem im April statt­ge­fun­de­nen Jah­res­tref­fen der Nord­eu­ro­päi­schen Kreuz­fahrt­in­dus­trie in St. Pe­ters­burg wur­de ich von den 137 Mit­glie­dern in den Crui­se Eu­ro­pe-vor­stand be­ru­fen. Ich möch­te die­se Rol­le ger­ne als Platt­form nut­zen, um die In­fra­struk­tur in den ein­zel­nen Hä­fen ent­lang der Rou­ten noch stär­ker zu har­mo­ni­sie­ren. So kann sich Ham­burg künf­tig noch ak­ti­ver als bis­her schon da­für ein­set­zen, dass auch auf ge­samt­eu­ro­päi­scher Ebe­ne ein­heit­li­che tech­ni­sche Stan­dards et­wa bei Land­strom­an­la­gen ein­ge­führt wer­den.

Wel­che Plä­ne und Ent­wick­lun­gen gibt es sonst in Ham­burg, um das Kreuz­fahrt­ge­schäft nach­hal­tig zu ent­wi­ckeln?

Ham­burg über­nimmt auch in ei­nem eu­ro­päi­schen Nach­hal­tig­keits­pro­jekt ei­ne Füh­rungs­rol­le. Seit kur­zem ist CGH neu­es Vor­stands­mit­glied im Kreuz­fahrt­aus­schuss der In­ter­na­tio­nal Port and Har­bor As­so­cia­ti­on IAPH. Die In­ter­na­tio­na­le Ha­fen­ver­ei­ni­gung ist bis­her sehr ak­tiv und be­kannt im Car­goBe­reich, im Kreuz­fahrt­sek­tor hin­ge­gen noch nicht, ob­wohl ei­ne gro­ße An­zahl von Iaph-mit­glieds­hä­fen im Kreuz­fahrt­ge­schäft tä­tig ist. Als Vor­stands­mit­glied möch­te ich nun ei­nen Bench­mark zwi­schen die­sen Hä­fen – von Aus­tra­li­en bis USA – er­stel­len und an den Zie­len des Nach­hal­tig­keits­pro­gramms der Welt­hä­fen ar­bei­ten. Die­ses Pro­gramm wur­de erst kürz­lich von der IAPH ins Le­ben ge­ru­fen.

Grund­la­ge sind die 17 von den Ver­ein­ten Na­tio­nen ver­fass­ten Zie­le ei­ner nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung. Mit die­sen Zie­len sol­len die künf­ti­gen Be­mü­hun­gen um Nach­hal­tig­keit in fünf The­men grup­piert wer­den: ei­ne zu­kunfts­si­che­re In­fra­struk­tur, Kli­ma und Ener­gie, ge­sell­schaft­li­che In­te­gra­ti­on von Hä­fen, Si­cher­heit so­wie Re­gie­rung und Ethik. Auch hier fin­den re­gel­mä­ßi­ge Tref­fen statt, in de­nen sich die Hä­fen aus­tau­schen und ge­mein­sam an der Ver­fol­gung der Zie­le ar­bei­ten. Ham­burg bringt sich in die­sen Gre­mi­en und Ver­ei­ni­gun­gen ak­tiv ein – und schafft da­mit auch die Vor­aus­set­zun­gen, um in dem welt­weit sehr schnell wach­sen­den Kreuz­fahrt­markt wei­ter­hin wett­be­werbs­fä­hig und at­trak­tiv für Ree­der und zu blei­ben.

Was macht Ham­burg denn so at­trak­tiv? Wie lo­cken Sie neue Ree­der in die Han­se­stadt?

Wir bie­ten Ree­dern ei­ne viel­fäl­ti­ge Ter­mi­nal­struk­tur mit un­ter­schied­li­chen Lie­ge­plät­zen. Bei uns sind die ganz gro­ßen Me­ga-li­ner eben­so will­kom­men wie klei­ne Lu­xus­schif­fe. Da­zu kommt der erst­klas­si­ge Ser­vice der Ham­bur­ger Ha­fen- und Di­enst­leis­tungs­bran­che, der ei­nen rei­bungs­lo­sen und schnel­len Gäs­te­wech­sel ge­nau­so ga­ran­tiert wie das Hand­ling ei­nes Ta­ges­be­suchs oder Über-nacht-an­laufs. Für die­se Qua­li­tät an un­se­ren Ter­mi­nals sind wir welt­weit be­kannt. Zu­dem ist der deut­sche Markt als dritt­größ­ter Pas­sa­gier­markt welt­weit sehr at­trak­tiv für die Kreuz­fahrt­bran­che. Und seit der Er­öff­nung der Elb­phil­har­mo­nie ist Ham­burg auch in­ter­na­tio­nal in al­ler Mun­de. In den Ge­sprä­chen zeigt sich, dass Ham­burgs neu­es Wahr­zei­chen ins­be­son­de­re im Aus­land Tü­ren öff­net und Ham­burg auf die Kar­te setzt. Die Stadt übt ei­ne gro­ße An­zie­hungs­kraft aus und über­zeugt auch im­mer mehr in­ter­na­tio­na­le Ree­de­rei­en, wie zum Bei­spiel Vi­king Crui­ses, die wir in die­sem Jahr zum ers­ten Mal mit zwei Lu­xus-schif­fen, der Vi­king Sun und Vi­king Sky be­grü­ßen wer­den.

Und was kön­nen Kreuz­fahrt­be­geis­ter­te in die­sem Jahr noch im Ham­bur­ger Ha­fen er­le­ben?

Wir ha­ben noch ei­ni­ge Er­st­an­läu­fe in den kom­men­den Mo­na­ten, dar­un­ter auch die Ai­da­no­va am 19. No­vem­ber, das ers­te Schiff welt­weit, das na­he­zu voll­stän­dig emis­si­ons­frei mit LNG be­trie­ben wer­den kann. Und ob mit oder oh­ne Kreuz­fahrt, Ham­burg lohnt sich im­mer für ei­nen Be­such. ■

SACHA ROU­GIER Ge­schäfts­füh­re­rin der CRUI­SE GATE HAM­BURG GM­BH (CGH)

Seit 2015 sorgt die ge­bür­ti­ge Nie­der­län­de­rin für ei­nen rei­bungs­lo­sen Be­trieb der drei Kreuz­fahrt­ter­mi­nals Ha­fen­ci­ty, Al­to­na und St­ein­wer­der.

CGH fun­giert als An­sprech­part­ner für die Kreuz­fahr­tree­der in Ham­burg und ist die zen­tra­le An­lauf­stel­le für die Ver­ga­be der Lie­ge­plät­ze.

Bis 2015 war Sacha Rou­gier im Ha­fen von Mar­seil­le tä­tig. Sacha Rou­gier ist ver­hei­ra­tet, hat zwei Töch­ter und lebt in Ham­burg.

Oben: Der neue Blick auf Ham­burg von der Elb­phil­har­mo­nie aus. Un­ten: Ha­fen­ge­burts­tag 2018 mit Aus­lau­fen der Aida­per­la und Ai­da-feu­er­werk.

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