Som­mer­ur­laub in der Stadt

Die „Frei­zeit­ge­mein­schaft Ars­ten“bie­tet Wo­chen­end­häu­ser im grü­nen Idyll

Delmenhorster Kreisblatt - - REGION - Von Mar­tin Ko­wa­lew­ski

Seit drei Jah­ren hat Andrea Bas­ke ein klei­nes Häu­schen auf dem Ge­län­de des Ver­eins „Frei­zeit­ge­mein­schaft Ars­ten“. Ei­ne net­te Nach­bar­schaft: Zwi­schen den Häu­sern ist viel Grün, und die Wo­chen­end­be­woh­ner ma­chen ih­re klei­nen Gär­ten rich­tig hübsch.

BRE­MEN. „Mor­gens war­ten im­mer Vö­gel und Eich­hörn­chen auf mich, da­mit ich sie füt­te­re. Die fres­sen mir aus der Hand“, sagt Andrea Bas­ke. Die 37-Jäh­ri­ge tauscht von April bis Ok­to­ber ih­re Woh­nung in der Neustadt ge­gen das Le­ben im „Frei­zeit­ver­ein Ars­ten“. „Ich bin hier auf­ge­wach­sen. Mei­ne El­tern ha­ben 1988 ein Häu­schen hier ge­kauft“, er­zählt Bas­ke.

Heu­te ist sie Ju­gend­be­auf­trag­te. Für die et­wa 40 Kin­der ist ei­ni­ges los: ein Schwimm­fest, ei­ne Nacht­wan­de­rung oder auch Mal­kur­se. Die Kin­der be­tei­li­gen sich an der Or­ga­ni­sa­ti­on. Jörg Mod­de aus Achim ist seit ein­ein­halb Jah­ren Vor­sit­zen­der des Ver­eins. Er räumt mit ei­nem Vor­ur­teil auf. „Es han­delt sich nicht um Par­zel­len. Ge­dacht sind die Häu­schen fürs Wo­che­n­en­de. In den Gär­ten ist auch kein Ge­mü­se­an­bau er­laubt.“

Ei­ni­ge Be­woh­ner kom­men aber für den gan­zen Som­mer oder noch län­ger. Sechs Wo­chen ver­bringt Mod­de im Som­mer hier. „Na­tür­lich ha­be ich nicht so viel Ur­laub. Ich fah­re von hier aus zur Ar­beit“, sagt er. „Es ist wie ein klei­nes Pa­ra­dies.“Er kam zu dem Wo­chen­end­haus, weil die Fa­mi­lie sei­ner Frau schon in fünf­ter Ge­ne­ra­ti­on hier ist.

Die klei­nen Häu­schen sind 18 bis 26 Qua­drat­me­ter groß. Kom­pakt und ge­müt­lich ist es auch bei den Mod­des. Ei­ne Stu­be mit Kü­che und gro­ßem Eck­sofa. Hin­ter ei­ner Tür be­fin­det sich ein Bad, und ei­ne Trep­pe hin­auf geht es in den Schlaf­raum. Die 13-jäh­ri­ge Toch­ter Wieb­ke ist noch da­bei. Frü­her kam auch der äl­te­re Sohn mit, doch die­ser hat mitt­ler­wei­le an­de­re In­ter­es­sen.

In­ter­es­sen­ten müs­sen die klei­nen Häu­schen kau­fen. Je nach Zu­stand ist manch­mal schon et­was für 1500 Eu­ro zu fin­den. Der Preis kön­ne aber auch bis auf 35 000 Eu­ro hoch­ge­hen. „So viel kos­tet es auch, wenn man hier baut. Ei­ni­ge Häu­schen sind schon sehr alt.“Der Ver­eins­bei­trag liegt bei 460 Eu­ro im Jahr. Auch Mit­ar­beit auf der An­la­ge wird ver­langt. Die Frei­zeit­ge­mein­schaft ver­fügt ne­ben dem Ver­eins­heim über ein Frei­bad, ei­nen Bolz­platz, ein Vol­ley­bal­lFeld, ei­nen Spiel­platz und ein Ju­gend­haus.

Das Gros der Nut­zer kommt aus Bre­men, ei­ni­ge auch aus dem Um­land. Dort sei die An­la­ge noch nicht so be­kannt. Zur­zeit sei­en Häu­ser frei. „Wir ha­ben ge­ra­de ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel. Vie­le der Be­woh­ner sind von En­de 70 bis Mit­te 80 und kön­nen die Ar­beits­diens­te nicht mehr leis­ten“, er­gänzt Mod­de.

70 000 Qua­drat­me­ter hat die „Frei­zeit­ge­mein­schaft Ars­ten“von der Stadt ge­pach­tet. 115 Wo­chen­end­häus­chen ste­hen dar­auf, ver­teilt auf 15 Camps. 1914 wur­de der Ver­ein of­fi­zi­ell durch Ein­trag ins Ver­eins­re­gis­ter ge­grün­det mit ei­nem Ge­län­de auf der Lan­ken­au. Der Na­me: „Ver­ein Bad Lan­ken­au“. Un­ter den Na­zis ging die Ver­ein­s­au­to­no­mie ver­lo­ren. Die Neu­grün­dung er­folg­te 1946. Doch 1959 kam die Kün­di­gung, da der Bau des Neu­städ­ter Ha­fens und die zu­ge­hö­ri­ge We­ser­be­gra­di­gung kei­nen Platz mehr für das Er­ho­lungs­ge­biet lie­ßen. Der Ver­ein zog 1969 nach Ars­ten. Ei­ni­ge Häu­ser wur­den mit Schwer­las­tern trans­por­tiert. 1972 wur­de die „Frei­zeit­ge­mein­schaft Ars­ten – ehem. Ver­ein Bad Lan­ken­au“ge­grün­det.

FO­TO: MAR­TIN KO­WA­LEW­SKI

Mit Blick auf Blu­men: Jörg Mod­de steht in sei­nem Gar­ten vor sei­nem hüb­schen Wo­chen­end­häus­chen auf dem Ge­län­de der „Frei­zeit­ge­mein­schaft Ars­ten“.

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