He­cking: Wer­der ist re­ak­ti­viert

Glad­bach-Coach Die­ter He­cking sieht kei­ne grün-wei­ße Kri­se / Auf und Ab bei den Clubs als „Merk­mal der Li­ga“

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Hans-Gün­ter Klemm

BRE­MEN Wer­der Bre­men trifft am elf­ten Spiel­tag der Fuß­ball-Bun­des­li­ga am Sams­tag um 15.30 Uhr auf den Ta­bel­len­zwei­ten Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Glad­bachs Trai­ner Die­ter He­cking lobt im In­ter­view vor der Par­tie: „Ich er­le­be in die­sen Ta­gen wie­der das al­te Wer­der Bre­men. Die sport­li­che Lei­tung um Frank Bau­mann und Mar­co Bo­de, auch der Trai­ner Koh­feldt, die füh­ren­den Köp­fe ha­ben es ge­schafft, Wer­der wie­der zu re­ak­ti­vie­ren. Auch die Art, wie die Mann­schaft den Fuß­ball in­ter­pre­tiert, er­in­nert mich an frü­her.“

Nur Platz zehn in der Rück­run­de der ver­gan­ge­nen Sai­son, jetzt Kurs Cham­pi­ons Le­ague: Bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ist als Ta­bel­len­zwei­ter al­les im Lot, möch­te man mei­nen.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Doch ähn­lich wie ak­tu­ell Wer­der Bre­men hat­ten auch die „Foh­len“schon ih­ren klei­nen Leis­tungs­knick, ver­lo­ren 1:3 beim SC Frei­burg und 0:5 im DFB-Po­kal ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen. Es folg­te das 3:0 im Nie­der­rhein-Der­by ge­gen Fortu­na Düsseldorf. Kurz-Kri­se be­en­det? Im Spiel bei Wer­der Bre­men gibt es heu­te (15.30 Uhr) die Ant­wort. Vor der Par­tie sprach Glad­bach-Trai­ner Die­ter He­cking (54) über das Auf und Ab im Fuß­ball, über sei­nen Shoo­ting­star Jo­nas Hof­mann so­wie über den Bre­mer Kol­le­gen Flo­ri­an Koh­feldt.

Zwei Plei­ten in Fol­ge, dann der kla­re Sieg ge­gen Düsseldorf: Sind Sie er­leich­tert, Die­ter He­cking?

Ich wür­de es dif­fe­ren­ziert be­wer­ten. Je­des Spiel muss ein­zeln be­trach­tet wer­den. In Frei­burg hät­ten wir nicht zu ver­lie­ren brau­chen. Was ge­gen Le­ver­ku­sen bei un­glück­li­chem Spiel­ver­lauf pas­sie­ren kann, hat un­längst auch Wer­der er­fah­ren. Wir ha­ben nicht ent­schlos­sen ge­nug ver­tei­digt und sind in die gu­ten Bay­er-Kon­ter ge­lau­fen. Üb­ri­gens: Es ist ein Stück weit das Merk­mal der Li­ga, dass kei­ner so sta­bil ist.

Bis auf die Dort­mun­der vi­el­leicht...

… auch die Bo­rus­sia stu­fe ich noch nicht als so ro­bust ein. Na­tür­lich spie­len sie gu­ten Fuß­ball un­ter Lu­ci­en Fav­re, doch sie ha­ben auch Match-Glück ge­habt, ha­ben vie­le Par­ti­en erst in letz­ter Mi­nu­te ge­won­nen. Wo­bei ich gar nicht ab­strei­ten möch­te, dass auch spä­te Tref­fer durch­aus ein Qua­li­täts­merk­mal sind.

Wie be­wer­ten Sie den bis­he­ri­gen Sai­son­ver­lauf der Münch­ner Bay­ern?

Sie sind her­vor­ra­gend ge­star­tet. Es sah so aus, als ob sie al­les in Grund und Bo­den schie­ßen. An­fangs stell­te je­der doch nur die Fra­ge: Wann wer­den sie in die­ser Sai­son Meis­ter? Vi­el­leicht ha­ben sie sich zu sehr in Si­cher­heit ge­fühlt. Plötz­lich sind sie an­ge­schla­gen. Den­noch blei­be ich da­bei: Die Bay­ern ha­ben den bes­ten Ka­der.

In Dort­mund steigt am Sams­tag der Schla­ger. Ta­bel­len­füh­rer Bo­rus­sia oder Re­kord­meis­ter Bay­ern – wer ist Ihr Fa­vo­rit?

Un­ab­hän­gig von den Re­sul­ta­ten in der Cham­pi­ons Le­ague fa­vo­ri­sie­re ich leicht die Dort­mun­der. Die ers­te Nie­der­la­ge in ei­nem Pflicht­spiel wird sie nicht zu­rück­wer­fen. Bei At­lé­ti­co Ma­drid kann je­de Mann­schaft ver­lie­ren.

Zu­rück zur Bo­rus­sia: Sie ha­ben im Som­mer kaum Ve­rän­de­run­gen in Ih­rem Ka­der vor­ge­nom­men. Ist die­ser Um­stand das Er­folgs­ge­heim­nis?

In der letz­ten Spiel­zeit hat­ten wir nach sehr gu­ten 28 Punk­ten zur Halb­zeit ei­ne Rück­run­de, in der wich­ti­ge Spie­ler we­gen Ver­let­zun­gen aus­ge­fal­len sind. So ha­ben wir ein we­nig die Kon­stanz ver­lo­ren (Platz zehn in der Rück­run­den­ta­bel­le, d. Red.). Wir wa­ren über­zeugt, dass wir in ers­ter Li­nie die Spie­ler fit­be­kom­men müs­sen, um Qua­li­tät auf den Platz zu brin­gen. Aus die­sem Grund ha­ben wir uns ent­schie­den, nicht so vie­le Ve­rän­de­run­gen vor­zu­neh­men.

Die Ver­pflich­tung des Fran­zo­sen Alas­sa­ne Plea ist ei­ne die­ser we­ni­gen Ve­rän­de­run­gen – ein ech­ter Tor­jä­ger. Der wich­tigs­te Trans­fer?

Ein wich­ti­ger Baustein je­den­falls. Plea ist ein Stür­mer, der den di­rek­ten Weg zum Tor wählt. Es gibt in Eu­ro­pa we­ni­ge Of­fen­siv­spie­ler mit die­ser Fä­hig­keit und die­ser ho­hen Qua­li­tät. Plea hat­te im Som­mer auch an­de­re Mög­lich­kei­ten. Wir wa­ren recht­zei­tig an ihm dran. Zum Glück hat er sich für uns ent­schie­den.

Als po­si­tiv er­wies sich auch die Um­stel­lung von dem 4-4-2-Stan­dard­sys­tem seit Fav­re zu ei­nem 4-3-3. Was wa­ren die Be­weg­grün­de für die­sen Wan­del?

Un­ser Sys­tem mit zwei hän­gen­den Spit­zen hat­te sich ein biss­chen ab­ge­nutzt. Zu­dem steht in un­se­rem Auf­ge­bot ei­ne Viel­zahl von gu­ten Spie­lern, die im Zen­trum agie­ren kön­nen. Mei­ne Über­le­gung war: Wie kann man die­sen Vor­teil nut­zen? Wie kom­men die­se Stär­ken zum Tra­gen?

Zu­letzt kehr­ten die ver­letz­ten Lars St­indl und Raf­fa­el zu­rück, agier­ten wie­der als ei­ne Art „fal­sche Neun“. Was wird aus Plea?

Er kam zu­letzt mehr über die lin­ke Sei­te, er kann dies vor­züg­lich, hat auch in Niz­za au­ßen ge­spielt ne­ben ei­nem Stoß­stür­mer, der dort Ba­lo­tel­li hieß. Plea mag die­se Rol­le.

Nach dem Ab­gang des Ex-Bre­mers Jan­nik Ves­ter­gaard wird Na­tio­nal­spie­ler Mat­thi­as Gin­ter im­mer mehr zum Ab­wehr­chef.

Es hat we­ni­ger da­mit zu tun, dass Jan­nik nach En­g­land ge­gan­gen ist. Mat­thi­as Gin­ter hat persönlich ei­ne fa­mo­se Ent­wick­lung ge­nom­men, so­wohl bei uns als auch in der Na­tio­nal­elf, wo er sei­nen Stel­len­wert enorm er­höht hat.

Jo­nas Hof­mann ist mit schon fünf To­ren und drei As­sists ei­ner der auf­fäl­ligs­ten Ak­teu­re in Ih­rem Team. Wird er der nächs­te Na­tio­nal­spie­ler aus Glad­bach?

Es stimmt, dass Jo­nas ei­ne sehr gu­te Sai­son spielt und gu­te Per­spek­ti­ven be­sitzt. Ich weiß nicht, was Jo­gi Löw plant, schließ­lich geht es in der Na­ti­ons Le­ague ge­gen den Ab­stieg. Wenn es wie frü­her üb­lich Test­spie­le nach ei­nem Tur­nier und vor der Qua­li­fi­ka­ti­on für das nächs­te Tur­nier ge­ge­ben hät­te, so hät­te ich mir vor­stel­len kön­nen, dass Jo­nas Hof­mann schon bei der Na­tio­nal­elf da­bei ge­we­sen wä­re.

Über­rascht Sie der Auf­schwung bei Wer­der Bre­men?

Nein, in kei­ner Wei­se. Es sind ja nicht nur die gu­ten Auf­trit­te zu Sai­son­be­ginn, son­dern ich se­he ei­nen Pro­zess, der schon in der Rück­se­rie des letz­ten Spiel­jah­res be­gon­nen hat. Flo­ri­an Koh­feldt hat Sta­bi­li­tät bei Wer­der rein­ge­bracht.

Ken­nen Sie den Kol­le­gen persönlich?

Ich ken­ne ihn nicht so gut wie an­de­re lang­jäh­ri­ge Weg­ge­fähr­ten, weil er noch jung im Ge­schäft ist. Doch ich be­ob­ach­te, dass er sich wei­ter­ent­wi­ckelt hat, den Weg vom Trai­ner im Ju­gend­be­reich über die Rol­le als As­sis­tent hin zum Chef­trai­ner kon­ti­nu­ier­lich ge­gan­gen ist. Er macht sich vie­le Ge­dan­ken über den Fuß­ball, was sehr er­freu­lich ist.

Was zeich­net 2018 aus? Wer­der

Ich er­le­be in die­sen Ta­gen wie­der das al­te Wer­der Bre­men. Die sport­li­che Lei­tung um Frank Bau­mann und Mar­co Bo­de, auch der Trai­ner Koh­feldt, die füh­ren­den Köp­fe ha­ben es ge­schafft, Wer­der wie­der zu re­ak­ti­vie­ren. Auch die Art, wie die Mann­schaft den Fuß­ball in­ter­pre­tiert, er­in­nert mich an frü­her.

Ist der Bre­mer Auf­wärts­trend nun nach den letz­ten bei­den Dämp­fern ge­stoppt, ge­ra­de recht­zei­tig vor dem Gast­spiel der Glad­ba­cher?

Das se­he ich nicht so. Selbst wer im Vor­der­feld plat­ziert ist, ist nicht ge­feit da­vor, zwei Spie­le in Se­rie zu ver­lie­ren.

Wer­der hat bis zur Win­ter­pau­se noch di­cke Bro­cken wie Leipzig und Hof­fen­heim, wie Dort­mund und Bay­ern, ak­tu­ell Glad­bach vor der Brust. Trau­en Sie Bre­men zu, sich an der Li­ga-Spit­ze zu eta­blie­ren?

Durch­aus, Wer­der hat das Zeug da­zu. Im Üb­ri­gen ist un­ser Spiel­plan fast iden­tisch in den nächs­ten Wo­chen. Es ist für bei­de Teams ei­ne tol­le Her­aus­for­de­rung, die es an­zu­neh­men gilt.

FOTO: WITTERS/THORS­TEN WAGNER

Trai­ner des Ta­bel­len­zwei­ten Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach: Die­ter He­cking.

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