Ga­by Kös­ter teilt wie­der kräf­tig aus

„Queen of Come­dy“tritt zehn Jah­re nach Schlag­an­fall in Di­va­re­na auf

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Ma­rie Bus­se

Ga­by Kös­ter war ei­ne In­sti­tu­ti­on der deut­schen Come­dy-Sze­ne. Nach ei­nem Schlag­an­fall vor zehn Jah­ren hat sie sich am Don­ners­tag mit ih­rem Pro­gramm „Sit­com“zu­rück­ge­mel­det.

DELMENHORST Bei Ga­by Kös­ter kriegt je­der sein Fett weg: Po­li­ti­ker, die ih­re Diä­ten er­hö­hen, di­cke Kin­der, die schwe­rer zu kid­nap­pen sind und na­tür­lich Män­ner – Män­ner, die nicht ein­mal at­men und staub­sau­gen gleich­zei­tig kön­nen. In atem­be­rau­ben­der Ge­schwin­dig­keit liest die Köl­ne­rin ih­re Num­mern vom pin­ken IPad vor. Hoch­kon­zen­triert wirkt sie, den Blick auf den Bild­schirm ge­rich­tet, doch zwi­schen den Num­mern blitzt im­mer wie­der die ge­wohn­te Schlag­fer­tig­keit durch.

„Ich be­grü­ße euch zum be­treu­ten Auf­tre­ten“, sagt sie mit ei­nem Au­gen­zwin­kern, als ih­re As­sis­ten­tin sie auf die Büh­ne be­glei­tet. Vor zehn Jah­ren er­litt die „Queen of Come­dy“ei­nen Schlag­an­fall, sie kämpf­te sich ins Le­ben zu­rück, doch ih­re lin­ke Kör­per­hälf­te ist noch ge­lähmt. Beim Ge­hen braucht sie Hil­fe.

Das Pro­gramm „Sit­com“ist ihr Come­back und be­weist: Sie kann es noch. Die rund 150 Zu­schau­er in der Di­va­re­na über­zeugt Kös­ter mit der­bem Hu­mor, der auch un­ter die Gür­tel­li­nie geht. Al­te Men­schen sei­en ja die Ein­zi­gen, die na­ckig auch den Schlab­ber­look tra­gen könn­ten, er­klärt sie. Und auch Pa­ket­bo­ten sind nicht vor ihr si­cher: „Ich glau­be, dass al­le Her­mes­bo­ten als Kin­der Klin­gel­strei­che ge­spielt ha­ben.“Das Pu­bli­kum johlt bei den Po­in­ten und spart nicht am Ap­plaus. Dann ist Kös­ter wie­der ganz die Al­te. Mit ei­nem ent­spann­ten Lä­cheln lehnt sie sich zu­rück, ge­nießt den Au­gen­blick. Zur Hoch­form läuft die Köl­ne­rin auf, wenn sie über ihr Pri­vat­le­ben spricht, auch wenn ih­re Krank­heit nicht zur Spra­che kommt. Ih­ren Sohn zum Auf­räu­men zu brin­gen, das sei ihr Pro­blem. „Es ist erst un­auf­ge­räumt, wenn das W-LAN nicht mehr durch­kommt“, stellt sie sei­ne Vor­stel­lung von Ord­nung dar.

Und doch wirkt ihr Pro­gramm sprung­haft. Es ist kein über­span­nen­des Kon­zept er­kenn­bar – The­men wie Di­gi­ta­li­sie­rung, Ge­schlech­ter­un­ter­schie­de, Ess­ge­wohn­hei­ten und der BH-Kauf flie­gen durch­ein­an­der. Ei­ni­ge Be­zü­ge wir­ken ver­al­tet: „Ein­wan­de­rer“wie Cos­ta Corda­lis und Pe­ter Maf­fay sei­en Bei­spie­le für die Be­rei­che­rung der deut­schen Kul­tur­land­schaft.

Am En­de ist ihr Pro­gramm dann wie­der brand­ak­tu­ell. So soll­te sich Jens Spahn doch schon mal für ei­ne Or­gan­spen­de be­reit ma­chen – und di­cke Men­schen könn­ten zum Woh­le al­ler ei­nen Bur­ki­ni tra­gen. Kös­ter be­weist Hal­tung mit ih­rem Schluss­satz: „Al­le Men­schen sind ir­gend­wo Aus­län­der – und al­le Ras­sis­ten sind Ar­sch­lö­cher.“

FOTO: MA­RIE BUS­SE

Ga­by Kös­ter be­geis­ter­te 150 Zu­schau­er mit ih­rem der­ben Hu­mor.

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