Re­form statt Aus?

An­lie­ger­bei­trä­ge: CDU sucht ge­mein­sa­me Po­si­ti­on mit SPD / „Be­schei­de ken­nen kei­ne Gna­de“

Delmenhorster Kreisblatt - - NORDWEST - Von Flo­ri­an Pfitz­ner und Klaus Wie­sche­mey­er

In der De­bat­te um ei­ne lan­des­wei­te Ab­schaf­fung der um­strit­te­nen Stra­ßen­bau­bei­trä­ge (Strabs) zeich­net sich zwi­schen SPD und CDU ei­ne Lö­sung ab. Nach un­be­stä­tig­ten An­ga­ben aus Ko­ali­ti­ons­krei­sen ist ei­ne kom­plet­te Ab­schaf­fung der Ge­büh­ren vom Tisch.

HAN­NO­VER Die Lan­des­po­li­tik will nun das kom­mu­na­le Ab­ga­ben­ge­setz re­for­mie­ren. Nach An­ga­ben von Kom­mu­nal­ver­bän­den nimmt die Mehr­zahl der nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nen der­zeit Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge von An­lie­gern.

Im Ge­spräch sind nun groß­zü­gi­ge­re St­un­dungs­mög­lich­kei­ten, nied­ri­ge­re Zin­sen, ein Stra­ßen­re­gis­ter zur bes­se­ren Kon­trol­le des Sa­nie­rungs­be­darfs so­wie jähr­lich wie­der­keh­ren­de Bei­trä­ge als Al­ter­na­ti­ve zur ho­hen ein­ma­li­gen Be­las­tung. „Es gibt im Mo­ment noch kei­ne Fest­le­gung“, sag­te CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Kai See­fried ges­tern bei ei­nem Fach­kon­gress in Han­no­ver. Klar sei aber, dass das Ge­setz nicht blei­ben kön­ne wie bis­her. Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Uwe Schü­ne­mann stell­te bal­di­ge Klar­heit in Aus­sicht. „Wir wer­den uns noch in die­sem Jahr mit un­se­rem Ko­ali­ti­ons­part­ner ei­ni­gen, da­mit Sie wis­sen, wor­an Sie sind“, sag­te er bei dem Kon­gress vor et­wa Kom­mu­nal­po­li­ti­kern Strabs-Kri­ti­kern.

Die Geg­ner leh­nen die Ab­ga­ben der An­lie­ger für die Er­neue­rung kom­mu­na­ler Stra­ßen grund­sätz­lich ab. Mehr als 40 Bür­ger­initia­ti­ven ha­ben sich in ei­nem lan­des­wei­ten Bünd­nis ge­gen die Strabs zu­sam­men­ge­tan. Spre­cher Niels Finn warn­te die Po­li­tik vor Igno­ranz: „Wir mei­nen 200 und es ernst. Das The­ma geht nicht mehr weg.“Spä­tes­tens bei den nächs­ten Wah­len wer­de sich dies zei­gen. Dass in­zwi­schen auch Han­no­ver über ei­ne Ab­schaf­fung nach­den­ke, zei­ge, dass der Druck wir­ke. Wo­her bei ei­ner Ab­schaf­fung das Geld für den Stra­ßen­bau kom­men soll, be­ant­wor­tet Finn nicht. Dies sei nicht Auf­ga­be der Initia­ti­ve. Ge­fragt hat­te Jür­gen Pe­ters aus dem Witt­mun­der Rat­haus. In Witt­mund wur­de die Strabs schon vor lan­ger Zeit ab­ge­schafft, nun feh­len der Stadt Mil­lio­nen zur Sa­nie­rung ma­ro­der Stra­ßen.

Der CDU-Bür­ger­meis­ter von Win­sen (Lu­he), An­dré Wie­se, riet der Po­li­tik in Han­no­ver, die Ent­schei­dung bei den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern vor Ort zu las­sen. Was aus Sicht der Kri­ti­ker ein nie­der­säch­si­scher Fli­cken­tep­pich sei, „ist aus un­se­rer Sicht kom­mu­na­le Iden­ti­tät“, sag­te er.

Auch in Nord­rheinWest­fa­len ver­stärkt die SPD-Op­po­si­ti­on den Druck, die um­strit­te­nen Stra­ßen­bau­bei­trä­ge für Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in Nord­rhein-West­fa­len ab­zu­schaf­fen. Da­zu wird die SPD ei­nen Ge­setz­ent­wurf in den Land­tag ein­brin­gen. Vie­le Men­schen ge­rie­ten mit den Kos­ten­be­schei­den in vier-, nicht sel­ten in fünf­stel­li­ger Hö­he in Exis­tenz­nö­te, sag­te SPDFrak­ti­ons­chef Tho­mas Kut­scha­ty.

FOTO: DPA

CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Kai See­fried.

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