Nach der Hoch­zeit emi­griert

Le­bens­bil­der (419): El­frie­de Fit­ger (1845-1902) – ein Leben fern der Hei­mat im In­dia­ner­land

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Her­bert From­mey­er

Ei­ne jün­ge­re Schwes­ter des Ma­ler­poe­ten Ar­thur Fit­ger wan­der­te 1869 nach Ame­ri­ka aus. Ihr wei­te­res Leben ver­brach­te sie im In­dia­ner­land un­weit des La­ke Mi­chi­gan.

DELMENHORST El­frie­de, die jün­ge­re Schwes­ter des aus Delmenhorst stam­men­den Ma­ler­poe­ten Ar­thur Fit­ger, folg­te nach der Hei­rat ih­rem Ehe­mann Fer­di­nand Krie­ger in die Fer­ne. Der war schon als 15Jäh­ri­ger nach Ame­ri­ka aus­ge­wan­dert.

El­frie­de Fit­ger wurde am 26. Au­gust 1845 in Delmenhorst im al­ten Fit­ger­haus am Markt­platz ge­bo­ren, wo heu­te das Neue Fit­ger­haus steht. Sie ver­brach­te hier ih­re Kind­heit und Ju­gend. Sie war ei­ne Schwes­ter des be­kann­ten Künst­lers Ar­thur Fit­ger und des aus­ge­wan­der­ten Bier­brau­ers Au­gust Fit­ger (s. Le­bens­bild Au­gust Fit­gers in HuH, 3. März 2018).

Die jun­ge Frau lern­te Fer­di­nand Krie­ger ken­nen, der seit 1867 aus Ame­ri­ka auf Hei­mat­be­such war, ver­mut­lich auf Braut­schau, da da­mals in der neu­en Hei­mat Frau­en­man­gel herrsch­te. Das Paar hei­ra­te­te am 23. Mai 1869 in der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che zu Delmenhorst und El­frie­de folg­te ih­rem Ehe­mann noch im sel­ben Jahr nach Kiel (Wis­con­sin) ins In­dia­ner­land. In die­sem Ge­biet am She­boy­gan Ri­ver west­lich des Mi­chi­gan­sees wa­ren da­mals die In­dia­ner­stäm­me der Po­ta­wa­to­mi und der Me­no­minee an­säs­sig, die aber von im­mer neu­en Ein­wan­de­rern nach und nach zu­rück­ge­drängt wur­den.

Die In­dia­ner sie­del­ten vor­ran­gig an Was­ser­stra­ßen und gin­gen in den Win­ter­mo­na­ten län­ger­fris­tig auf Jagd, mit den neu­en Sied­lern be­trie­ben sie Tausch­han­del. Städ­te­na­men wie Mil­wau­kee, She­boy­gan, Wau­ke­sha oder Ma­ni­to­woc zeu­gen noch heu­te von der in­dia­ni­schen Ver­gan­gen­heit.

Die neu­en Sied­ler leb­ten an­fangs in ein­fa­chen Block­häu­sern. Wald­ro­dung und Ur­bar­ma­chung wa­ren schwe­re kör­per­li­che Ar­bei­ten, wo­bei Pfer­de ei­ne wich­ti­ge Rolle spiel­ten. Das Hal­ten die­ser Tie­re war ei­ne Ge­mein­sam­keit mit der Ur­be­völ­ke­rung.

Ein Jahr nach der An­kunft des Ehe­paa­res fand im Jah­re 1870 in Wis­con­sin ei­ne Volks­zäh­lung statt. Vier Per­so­nen ge­hör­ten da­mals zum Haus­halt der Fa­mi­lie Krie­ger. Als Be­ruf des Man­nes ist Ein­zel­händ­ler an­ge­ge­ben, er be­trieb jetzt ein Ge­schäft, das er von der Fa­mi­lie Rei­chert ge­kauft hat­te. Ne­ben den El­tern ist ein ge­ra­de ge­bo­re­nes Kind noch oh­ne Na­men auf­ge­führt (Ed­mund), au­ßer­dem leb­te noch ein Hau­s­an­ge­stell­ter aus dem Ol­den­bur­gi­schen in der Fa­mi­lie.

In den fol­gen­den Jah­ren ka­men wei­te­re Kin­der zur Welt, die Volks­zäh­lung von 1880 nennt fol­gen­de Per­so­nen im Haus­halt: Le­bens­mit­tel­händ­ler Fer­di­nand, Haus­frau El­frie­de, zwei Di­enst­mäd­chen und fol­gen­de Kin­der: Ed­mund (ge­bo­ren 1870), Fri­da (1871), Fer­di­nand (1873), Jes­sie (1875), Walt­her (1877) und Ar­thur (1880). Toch­ter He­len (ge­bo­ren 1878) wurde nicht im Zen­sus auf­ge­führt, da sie ein­jäh­rig starb. In den fol­gen­den Jah­ren wuchs die Fa­mi­lie um wei­te­re vier Kin­der: Cla­ra (1881), Her­tha Pau­li­ne (1882), Cor­ne­lia (1887) und Ger­hard (1892).

Nicht nur El­frie­de hat­te ei­ne gro­ße Fa­mi­lie zu ver­sor­gen, auch ihr Sch­wa­ger Au­gust Krie­ger war Va­ter von zehn Kin­dern. Schu­le und Aus­bil­dung ei­ner so gro­ßen Kin­der­zahl er­for­der­ten ei­nen gro­ßen Ein­satz.

Vie­le Deut­sche lie­ben das Ver­eins­le­ben, so grün­de­te da­mals El­frie­des Mann den Kie­ler Turn­ver­ein. Spä­ter war Toch­ter Her­tha, die auch nach ih­rer Hei­rat im Ort blieb, im Turn­ver­ein, im Frau­en­ver­ein und in der Kir­che ak­tiv.

Die Le­bens­be­din­gun­gen im Ort ver­bes­ser­ten sich lau­fend, so wurde ei­ne neue Über­land­stra­ße zwi­schen den Städ­ten Gre­en Bay und Mil­wau­kee und ei­ne Brü­cke über den She­boy­gan Ri­ver ge­baut. Ähn­lich wie in Delmenhorst brach­te auch hier die Er­öff­nung der Ei­sen­bahn­li­nie im Jah­re 1872 ei­nen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung.

El­frie­de starb am 22. Ju­li 1902 im Al­ter von 56 Jah­ren, sieben Jah­re spä­ter folg­te ihr Ehe­mann, der in sei­nen letz­ten Le­bens­jah­ren von sei­nen Töch­tern Fri­da und Her­tha be­treut wurde. Bei­de Ehe­part­ner sind auf dem Kiel Ce­me­te­ry be­gra­ben. Heu­te leben zahl­rei­che Nach­kom­men die­ser gro­ßen Fa­mi­lie über das gan­ze Land ver­streut.

Ein be­son­de­rer Dank gilt Ro­se Mohn­sam aus Kiel (Wis­con­sin), durch de­ren In­for­ma­tio­nen und Fo­tos die­ser Be­richt er­mög­licht wurde.

FO­TOS: RO­SE MOHN­SAM

Ei­ne gro­ße Fa­mi­lie, ge­grün­det fern der al­ten Hei­mat: Das zeit­ty­pi­sche Por­trät aus den spä­ten 1880er Jah­ren zeigt Fer­di­nand und El­frie­de Krie­ger im Krei­se ih­rer Kin­der­schar.

Sie starb mit nur 56 Jah­ren: El­frie­de (Fit­ger) Krie­ger.

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