Zwie­ge­spräch mit ei­ner Ur­ne

Wie Bauch­red­ner Tim Becker mit skur­ri­len Fi­gu­ren be­geis­tert hat

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Flo­ri­an Fa­boz­zi

DEL­MEN­HORST „Lie­ber Gras rau­chen als Heu­schnup­fen“– dies ist die Le­bens­ein­stel­lung vom läs­si­gen Joe, der ge­dank­lich noch im­mer in Wood­stock weilt und ver­gan­ge­nen Ta­gen hin­ter­her trau­ert. Er ist ei­ner von acht Cha­rak­te­ren, die Bauch­red­ner Tim Becker vor 200 Zu­schau­ern in der aus­ver­kauf­ten Di­va­re­na am Frei­tag­abend prä­sen­tier­te.

Ge­mein­sam mit sei­nen Kunst­fi­gu­ren teilt sich Tim ei­ne Wohn­ge­mein­schaft, in der es zu­wei­len sehr wild zu­geht. Als er ei­nes mit­tags ver­ka­tert und ver­schla­fen das Wohn­zim­mer be­tritt, wird er gleich von zwei sei­ner Mit­be­woh­ner be­grüßt. Ei­nem ein­fäl­ti­gen und na­men­lo­sen Do­nut, der ganz wie US-Prä­si­dent Do­nald Trump „au­ßen fet­tig und in­nen hohl“ist, und von ei­nem pa­ra­no­iden Früh­stücks­ei, das Angst vor dem Ge­fäng­nis hat, al­so der „Ei-Zel­le“.

Da sich Tims Nach­barn über den üb­len Gestank und laut­star­ke Selbst­ge­sprä­chen in sei­ner Woh­nung be­schwe­ren, hat der Ver­mie­ter ei­nen Be­such an­ge­kün­digt. Nun gilt es al­so, für Ord­nung zu sor­gen. Beim Blick in den Müll­ei­mer ent­deckt er die Rat­te Con­stan­tin, ein lei­den­schaft­li­cher Mu­si­cal­fan mit vor­lau­ter Ber­li­ner Schnau­ze, die eif­rig an ei­nem ei­ge­nen Mu­si­cal ar­bei­tet.

Dass Becker auch vor mor­bi­dem Hu­mor nicht zu­rück­schreckt, be­weist er mit der Fi­gur Udo, ei­ner Ur­ne, die bei WG-Par­tys im fei­er­li­chen Über­schwang oft­mals Asche aus­tre­ten lässt. Udo, zu sei­nen Leb­zei­ten Ani­ma­teur, nimmt sein Schicksal als leb­lo­ser Über­rest mit Fas­sung und hat im­mer ei­nen lo­cke­ren Spruch auf La­ger.

Der zwei­stün­di­ge Auf­tritt war ge­prägt von ho­her Dy­na­mik, aus­ge­fal­le­nen Dia­lo­gen und ei­ner Viel­zahl von zwei­deu­ti­gen Wort­wit­zen. Auch die ein oder an­de­re ge­sell­schafts­kri­ti­sche Spit­ze war da­bei. So be­rich­te­te Rat­te Kon­stan­tin über sein selbst ge­schaf­fe­nes Mu­si­cal, in wel­chem die be­sorg­ten Bi­ber den Un­ter­gang des Na­ger­lan­des be­fürch­ten und sich mit Däm­men zu schüt­zen ver­su­chen – ein un­ver­kenn­ba­rer Hin­weis auf den Rechts­ruck in der heu­ti­gen Ge­sell­schaft.

Becker, der sich selbst­iro­nisch als schi­zo­phren be­zeich­net, schien sei­ne Cha­rak­te­re so tief ver­in­ner­licht zu ha­ben, dass ihm auch Feh­ler nicht aus dem Kon­zept brach­ten. Trotz ei­ni­ger klei­ne­rer Ver­spre­cher fiel Becker nie aus sei­nen Rol­len und meis­ter­te die Si­tua­tio­nen mit be­ein­dru­cken­der Im­pro­vi­sa­ti­on. Auch das Pu­bli­kum war ver­zückt und ho­no­rier­te die­se Sze­nen – so wie den ge­sam­ten Abend – mit kräf­ti­gem Ap­plaus.

FO­TO: FLO­RI­AN FA­BOZ­ZI

Er­zähl­te über sein Le­ben mit sei­nen skur­ri­len Bauch­red­ner Tim Becker mit der Ur­ne Udo. „Mit­be­woh­nern“:

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