Wer bei ei­nem Schlüs­sel­ver­lust haf­ten muss

Ob Mie­ter oder Ver­mie­ter zahlt, ist im Ein­zel­fall zu prü­fen

Delmenhorster Kreisblatt - - GUT ZU WISSEN - Von Wolf­gang Bü­ser und Maik Heit­mann

BREMEN Mo­der­ne Schließ­an­la­gen ha­ben Ein­zug in vie­le Wohn­häu­ser ge­fun­den. Mit den Woh­nungs­schlüs­seln ei­ner sol­chen An­la­ge kön­nen auch gleich­zei­tig sämt­li­che an­de­re Tü­ren in der An­la­ge auf- und zu­ge­schlos­sen wer­den. Doch ver­liert ein Mie­ter oder Ei­gen­tü­mer ei­nen sol­chen Schlüs­sel, so bangt das gan­ze Haus um sein Hab und Gut. Wer muss den Ver­lust er­set­zen?

Grund­sätz­lich haf­tet der­je­ni­ge für ei­nen sol­chen Ver­lust, der ihn zu ver­ant­wor­ten hat. Das hat der Bun­des­ge- richts­hof (BGH) in ei­nem Fall deut­lich ge­macht, in dem ein Mie­ter beim Aus­zug nur ei­nen statt der er­hal­te­nen zwei Haus­tür­schlüs­sel zu­rück­ge­ge­ben hat­te.

Der Mie­ter wur­de nicht nur zum Er­satz für den nicht mehr auf­find­ba­ren Zweit­schlüs­sel zur Kas­se ge­be­ten, son­dern auch für den Aus­tausch der ge­sam­ten Schließ­an­la­ge. Kos­ten: knapp 1500 Eu­ro. Der BGH brach­te aber auch zum Aus­druck, dass Scha­den­er­satz nur ge­leis­tet wer­den müs­se, wenn das Tür­schloss tat­säch­lich ausgewechselt wur­de. Erst dann lie­ge ein Ver­mö­gens­scha­den vor. (Az. VIII ZR 205/13)

Ei­ne Klau­sel in ei­nem Miet­ver­trag, in der ge­re­gelt ist, dass Mie­ter un­ab­hän­gig vom Ver­schul­den für ei­nen Schlüs­sel­ver­lust haf­ten müs­sen, kann un­wirk­sam sein. Der Ein­zel­fall ist stets zu prü­fen. So ge­sche­hen vor dem Amts­ge­richt Ber­linSpan­dau:Bei­ei­ne­mÜber­fall ist ei­nem Mie­ter auch der Woh­nungs­schlüs­sel ab­ge­nom­men wor­den. Der Ver­mie­ter ver­lang­te die Kos­ten neu­er Tür­schlös­ser in Hö­he von rund 1000 Eu­ro vom Mie­ter er­setzt – ver­geb­lich. Trotz ei­ner Er­satz­pflich­tKlau­sel im Miet­ver­trag, die be­grün­det, dass „mit ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Schlüs­seln ge­ge­be­nen­falls Miss­brauch“ be­trie­ben wer­den kön­ne, muss­te der Mie­ter nicht be­zah­len.

Auch wenn kei­ne „Gefahr“durch den Ver­lust droht, weil si­cher­ge­stellt ist, dass der Fin­der mit dem Schlüs­sel nichts an­fan­gen kann(et­wa weil kei­ne Zu­ord­nung zum Haus oder zur Woh­nung mög­lich ist), muss der „Pech­vo­gel“nicht zwin­gend be­zah­len. Das be­deu­tet im Um­kehr­schluss, dass ein Mie­ter zur Kas­se ge­be­ten wer­den darf, wenn er den Dieb­stahl er­leich­tert hat­te und qua­si „frei Haus“lie­fert.

Aber: Auch wenn es nicht sehr wahr­schein­lich ist, dass ein ver­lo­re­ner Schlüs­sel zu ei­nem Fol­ge­scha­den füh­ren wird, kann es sein, dass der Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie den Scha­den­er­satz durch­set­zen kann. So ein Fall aus Ham­burg: Ei­ne Mie­te­rin sag­te ge­gen­über dem Ver­mie­ter aus, dass ihr Sohn den Haus­tür­schlüs­sel für das Miets­haus in Ham­burg ver­mut­lich „am Strand von Ros­tock“ver­lo­ren hat­te. Das Amts­ge­richt Ham­burg hat ent­schie­den, dass der Ei­gen­tü­mer die Schließ­an­la­ge aus­wech­seln und die Kos­ten da­für der Mie­te­rin in Rech­nung stel­len dür­fe. Sie ha­be den Schlüs­sel schuld­haft ver­lo­ren.

Die pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt un­ter Um­stän­den für ei­nen Schlüs­sel­ver­lust auf. Ein Blick in den Ver­trag kann al­so loh­nen. Um­ge­hend zu mel­den ist ein Ver­lust auf je­den Fall.

FO­TO: DPA

Ver­lo­re­ne Schlüs­sel: Grund­sätz­lich haf­tet, wer den Ver­lust ver­ant­wor­tet.

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