Bis­her kaum An­trä­ge ge­stellt

Delmenhorster Kreisblatt - - POLITIK -

BER­LIN Nur ein Bruch­teil der ho­mo­se­xu­el­len Jus­ti­zop­fer hat ei­nem Me­dien­be­richt zu­fol­ge bis­her ei­ne Ent­schä­di­gung be­an­tragt. Nach Re­cher­chen des „Spie­gels“gin­gen seit Som­mer 2017 le­dig­lich 129 An­trä­ge ein – deut­lich we­ni­ger als er­war­tet. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) sag­te, sie ver­mu­te, dass vie­le sich „nicht mehr mit die­sem be­son­ders bit­te­ren Ka­pi­tel“ih­res Le­bens be­fas­sen woll­ten.

Der frü­he­re Pa­ra­graf 175 des Straf­ge­setz­buchs stell­te se­xu­el­le Hand­lun­gen zwi­schen zwei oder meh­re­ren Män­nern un­ter Stra­fe. Die Bun­des­re­pu­blik hat­te die­se durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­schärf­te Re­ge­lung über­nom­men. Im Jahr 1969 wur­de der Pa­ra­graf ent­schärft, aber erst 1994 end­gül­tig ab­ge­schafft. Auf sei­ner Ba­sis wur­den Schät­zun­gen zu­fol­ge 64 000 Men­schen ver­ur­teilt. Im No­vem­ber hat­te Bar­ley an­ge­kün­digt, dass künf­tig auch Ho­mo­se­xu­el­le ent­schä­digt wer­den soll­ten, die zwar ver­folgt, aber letzt­lich nicht ver­ur­teilt wur­den: „Dass Men­schen be­straft wur­den, weil sie gleich­ge­schlecht­li­che Partner lieb­ten, war aus heu­ti­ger Sicht gro­bes Un­recht.“Im Ju­li 2017 wa­ren ho­mo­se­xu­el­le Jus­ti­zop­fer of­fi­zi­ell re­ha­bi­li­tiert wor­den, Ur­tei­le wur­den auf­ge­ho­ben – Aus­nah­me: wenn sie se­xu­el­le Hand­lun­gen mit un­ter 16-Jäh­ri­gen ahn­de­ten.

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