Blö­cke im Ver­fall

Zu­kunft zwei­er Wol­le­park-Ge­bäu­de of­fen

Delmenhorster Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Fre­de­rik Gr­ab­be

DEL­MEN­HORST Mas­si­ve Bau­män­gel ha­ben vor ein­ein­halb Jah­ren da­zu ge­führt, dass die Stadt Del­men­horst die zwei Wohn­blö­cke Am Wol­le­park 11 bis 12 ge­schlos­sen hat. Die Kon­tro­ver­se um die Gas- und Was­ser­sper­re wur­de da­mals auch von über­re­gio­na­len Me­di­en groß be­glei­tet. Die Ei­gen­tü­mer kün­dig­ten da­mals an, die Blö­cke wie­der be­wohn­bar ma­chen zu wol­len. Was ist in der Zwi­schen­zeit pas­siert?

We­gen Bau­män­geln er­klär­te die Stadt im No­vem­ber 2017 zwei Hochhäuser im Wol­le­park für un­be­wohn­bar. Die Ei­gen­tü­mer woll­ten die Blö­cke wie­der fit ma­chen. Was ist dar­aus ge­wor­den? DEL­MEN­HORST

Der Ver­wal­ter der Ei­gen­tü­mer­ge­sell­schaft der im No­vem­ber 2017 ver­schlos­se­nen Wohn-Blö­cke Am Wol­le­park 11 und 12, Mat­thi­as Volk­mer, hat mas­si­ve Pro­ble­me, Geld der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ein­zu­trei­ben. Wie die dpa be­rich­tet, tue sich im Mo­ment „gar nichts“. Nur zehn Ei­gen­tü­mer der ins­ge­samt 80 Woh­nun­gen in den Blö­cken zah­len laut Volk­mer über­haupt die Haus­gel­der. „Oh­ne Geld kann ich nichts ma­chen“, so der Ver­wal­ter. Die Häu­ser sei­en ver­kom­men.

Die zwei Hochhäuser sind seit No­vem­ber 2017 ab­ge­rie­gelt. Die Stadt hat­te die Ge­bäu­de da­mals we­gen gro­ßer Män­gel für un­be­wohn­bar er­klärt, nach­dem die Mie­ter mo­na­te­lang oh­ne Hei­zung und flie­ßen­des Was­ser da­rin ge­lebt hat­ten. En­de April 2017 hat­ten die Stadtwerke Del­men­horst das Gas ab­ge­dreht, im Mai 2017 folg­te ei­ne Was­ser­sper­re.

Grund da­für war, dass die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer Was­se­r­und Gas-Rech­nun­gen von rund 130 000 Eu­ro nicht be­zahlt hat­ten. Ur­sprüng­lich wa­ren rund 350 über­wie­gend aus­län­di­sche Frau­en, Män­ner und Kin­der in den bei­den Häu­sern ge­mel­det. Bis heu­te sind die Schul­den nicht kom­plett be­gli­chen. „Es sind noch rund 60 000 Eu­ro of­fen, da­von ent­fal­len rund 22 000 Eu­ro auf ei­nen Ei­gen­tü­mer, der meh­re­re Woh­nun­gen be­sitzt“, so die Stadtwerke ge­gen­über der dpa. Im Ok­to­ber 2018 lag der Fehl­be­trag noch bei 68 000 Eu­ro, wie der Ver­sor­ger da­mals die­ser Zei­tung mit­teil­te. In vier Mo­na­ten sind al­so 8000 Eu­ro Schul­den be­gli­chen wor­den. Die­ses zä­he Fort­schrei­ten kann auch da­mit zu tun ha­ben, dass die Stadtwerke vor Ge­richt Ra­ten­zah­lun­gen mit den Schuld­nern ver­ein­bart ha­ben. „Et­wa zehn bis zwölf Ver­ur­tei­lun­gen“, hieß es im Ok­to­ber, sei­en bis da­hin er­wirkt wor­den. Of­fe­ne Ver­fah­ren ha­be es nicht mehr ge­ge­ben.

Volk­mer hat­te zwi­schen­durch im­mer wie­der mo­niert, er er­hal­te bei den Stadt­wer­ken kei­ne Ein­sicht in die of­fe­nen Rech­nun­gen zu Gas und Was­ser. Er kön­ne al­so nicht nach­voll­zie­hen, wel­cher Ei­gen­tü­mer den Stadt­wer­ken wie viel Geld schul­de. Die Stadtwerke hat­ten in die­sem Be­zug dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Ei­gen­tü­mer über den An­walt des Ver­sor­gers Ein­sicht in Quit­tun­gen ver­lan­gen könn­ten, um ei­nen Über­blick über die Zah­lungs­vor­gän­ge zu er­hal­ten. Bis Ok­to­ber 2018, da wa­ren die Blö­cke be­reits fast ein Jahr lang ge­schlos­sen, ha­be da­von kein Ei­gen­tü­mer Ge­brauch ge­macht, hieß es.

Der ur­sprüng­li­che Plan der Ei­gen­tü­mer­ge­sell­schaft war, die her­un­ter­ge­kom­me­nen Ge­bäu­de zu sa­nie­ren. „Wir wer­den uns die Zeit neh­men, die wir brau­chen, um das Ob­jekt wie­der in Ord­nung zu brin­gen“, sag­te Volk­mer im Ok­to­ber 2017. Seit­dem ist nichts pas­siert, denn Geld für ei­ne Sa­nie­rung ist Volk­mer zu­fol­ge nicht da. Er sei ge­ra­de da­bei, die Be­triebs­kos­ten­ab­rech­nun­gen für die Jah­re 2015, 2016 und 2017 fer­tig­zu­stel­len, be­rich­te­te er. Da der Groß­teil der Ei­gen­tü­mer nicht zah­le, sei­en ihm die Hän­de ge­bun­den. Volk­mer be­sitzt ei­ne Woh­nung in ei­nem der bei­den Häu­ser.

Die Stadt­ver­wal­tung hat­te be­reits bei der Schlie­ßung im No­vem­ber 2017 deut­lich ge­macht, dass sie die Blö­cke kau­fen, ab­rei­ßen und das Ge­biet neu pla­nen möch­te. Die Ei­gen­tü­mer lehn­ten das ab und ver­wie­sen auf die ge­plan­te Sa­nie­rung.

Die Ge­bäu­de lie­gen bei­de im Sa­nie­rungs­ge­biet „Wol­le­park – So­zia­le Stadt“. Im Zu­ge des­sen sind zum Bei­spiel be­reits die ma­ro­den Wohn­blö­cke Am Wol­le­park 1 bis 5 ab­ge­ris­sen wor­den. Glei­ches soll in Kür­ze üb­ri­gens bei der West­fa­len­stra­ße 8 fol­gen. Und die Ge­bäu­de Am Wol­le­park 13 bis 14 sind jüngst von der Stadt ge­kauft wor­den, eben­falls mit dem Zweck ab­ge­ris­sen zu wer­den.

ARCHIVFOTO: FRE­DE­RIK GR­AB­BE

Wohn­blö­cke ver­kom­men zu­se­hends: Die Ge­bäu­de 11 und 12 der Stra­ße Am Wol­le­park. Zu Be­ginn des Gas- und Was­ser­stopps im Früh­jahr 2017 leb­ten bis zu 350 Men­schen hier.

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