Ver­geb­li­cher Schrei nach Lie­be

Band „Ge­ne­ses“hat es im Klei­nen Haus sicht­lich schwer, das Pu­bli­kum zu mo­ti­vie­ren

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Ni­k­las Go­lit­schek

DEL­MEN­HORST

Beim „Hap­py Bir­th­day“für den Ton­tech­ni­ker kam noch die meis­te Stim­mung auf. We­nigs­tens die­ses ei­ne Mal sang fast das ge­sam­te Pu­bli­kum mit und folg­te da­mit am Frei­tag­abend der Ein­la­dung von „Ge­ne­ses“-Front­mann Alex van den Berg.

Nicht falsch ver­ste­hen: Die rund 350 Gäs­te im Klei­nen Haus in Del­men­horst ge­nos­sen das Ge­ne­sis-Tri­bu­te-Kon­zert sicht­lich. Mit Ap­plaus spar­te es nicht – selbst zwi­schen ein­zel­nen Lie­dern zoll­ten sie der 2014 ge­grün­de­ten Grup­pe ih­re An­er­ken­nung. Gi­tar­rist und Bas­sist Vik­tor Sir­ja­now brauch­te zu „Dan­ce on a Vol­ca­no“nur sei­ne zwei­hal­si­ge Gi­tar­re in die Hän­de zu neh­men wie einst Steve Ha­ckett, um das Pu­bli­kum zu be­geis­tern. Da hat­te er mit sei­nem In­stru­ment noch kei­nen Ak­kord von sich ge­ge­ben.

Ver­ein­zelt er­hob sich auch mal ei­ne Zu­schaue­rin von den Sit­zen, um zu ei­nem der Lie­der zu tan­zen. Mal klatsch­te das Pu­bli­kum im Takt mit oder wipp­te in den Sit­zen hin und her. Der Rah­men der Show stimm­te eben­falls: Laut, bass­las­tig, bei trotz­dem kla­rer Stim­me. Hin­zu kam ei­ne farb­ge­wal­ti­ge Licht­show.

Doch die ganz gro­ße Eu­pho­rie schwapp­te nicht auf Rän­ge über. Beim Auf­takt­song „The Lamb lies down on broad­way“hät­te man es noch für An­lauf­schwie­rig­kei­ten hal­ten kön­nen, als kaum je­mand re­agier­te, als van den Berg zum Re­frain sein Mi­kro­fon Rich­tung Pu­bli­kum rich­te­te. Selbst das ein­la­den­de „ohoh“in „No Son of Mi­ne“fand kaum Re­so­nanz – im An­schluss da­für gro­ßen Ap­plaus. Sol­che Auf­for­de­run­gen zum Mit­sin­gen un­ter­ließ der Sän­ger dann auch bis kurz vor Schluss.

In die­sem Spa­gat be­weg­te sich das „Ge­ne­ses“-Kon­zert na­he­zu die ge­sam­te Zeit. Das Pu­bli­kum glück­lich und zu­frie­den. Von der Stim­me her war van den Berg deut­lich nä­her am spä­te­ren Ge­ne­sisSän­ger Phil Col­lins als an Ur­ge­stein Pe­ter Ga­b­ri­el, wuss­te aber auch mit den In­ter­pre­ta­tio­nen der al­ten Hits zu über­zeu­gen. Wer den Auf­tritt von vor zwei Jah­ren be­reits be­sucht hat­te, lob­te die­sen Abend als noch ge­lun­ge­ner. Doch zu mehr als ei­nem ge­le­gent­li­chen Klat­schen – zum Ab­schied im­mer­hin ein­heit­lich ste­hend – schie­nen die Gäs­te ein­fach nicht auf­ge­legt.

Das Kon­zert im Sit­zen mag für viel Be­we­gung hin­der­lich ge­we­sen sein und die gro­ße Ek­ta­se ist von der Al­ters­klas­se 45 plus auch nicht zu er­war­ten. Text­si­cher dürf­te sie mit ih­ren Ju­gend­songs al­ler­dings im­mer noch sein. Vor „Car­pet Craw­lers“, dem vor­letz­ten Song, for­der­te van den Berg noch ein­mal da­zu auf, den Re­frain mit an­zu­stim­men. Ver­ge­be­ne Mü­he, die Stimm­bän­der woll­ten die Gäs­te an die­sem Abend of­fen­sicht­lich nicht stra­pa­zie­ren. Fai­rer­wei­se soll­te je­doch auch er­wähnt wer­den, dass „Ge­ne­ses“trotz stim­mi­ger Show nicht die größ­te En­er­gie ver­sprüh­te.

Mal das Smart­pho­ne für ein Fo­to oder kur­zes Vi­deo zü­cken, um zu zei­gen: Ich war da­bei. Das ist eben nicht mehr ein­zig ein ger­ne kri­ti­sier­tes Phä­no­men un­ter den Mill­en­ni­als. Doch den Mo­ment zu ge­nie­ßen und selbst zu ei­ner gu­ten Stim­mung bei­zu­tra­gen, kommt da­bei dann ger­ne zu kurz. Dem Pu­bli­kum schien das ne­ben dem Ge­burts­lied zwi­schen­durch zu rei­chen.

FO­TO: NI­K­LAS GO­LIT­SCHEK

Un­er­hör­te Auf­for­de­rung: „Ge­ne­ses“-Front­mann Alex van den Berg for­der­te das Pu­bli­kum wie­der­holt zum Mit­ma­chen auf. Sei­ne Bit­te wur­de nicht er­hört

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