So ge­lingt der per­fek­te Obst­baum­schnitt

Fach­be­ra­ter Gün­ter Prösch vom Be­zirks­ver­band der Gar­ten­freun­de er­klärt, wor­auf es an­kommt

Delmenhorster Kreisblatt - - DELMENHORST - Von Chris­to­pher Bre­dow

Da­mit ein Obst­baum rich­tig wächst und saf­ti­ge Früch­te her­vor­bringt, müs­sen Gärt­ner vie­le Din­ge be­ach­ten. Gün­ter Prösch gibt Tipps für den rich­ti­gen Obst­baum­schnitt.

DEL­MEN­HORST In ei­nen rich­ti­gen Gar­ten ge­hört für vie­le Hob­by­gärt­ner ein saf­ti­ger Obst­baum mit Äp­feln, Kir­schen, Bir­nen oder Pflau­men. Für ei­ne er­trag­rei­che Ern­te im Som­mer braucht je­des Ge­wächs aber ei­ne ge­wis­se Pfle­ge – da ge­hört der Obst­baum­schnitt mit da­zu. Jetzt ist die Jah­res­zeit für den Win­ter­schnitt und be­vor al­le Gärt­ner nun plan­los an ih­ren Obst­bäu­men her­um­schnei­den, er­klärt Fach­be­ra­ter Gün­ter Prösch vom Be­zirks­ver­band der Gar­ten­freun­de Del­men­horst und Um­ge­bung, wor­auf es an­kommt. Denn beim Obst­baum­schnitt gibt es ei­ni­ges zu be­ach­ten.

„Im Win­ter schnei­den wir die Kern­obst­bäu­me“, sagt der 67-jäh­ri­ge Ex­per­te. Der Sinn da­hin­ter: „Der Baum soll mög­lichst früh in den Er­trag ge­bracht wer­den.“Denn grund­sätz­lich gilt: Je frü­her Obst­bäu­me ge­schnit- ten wer­den, des­to stär­ker trei­ben die Bäu­me im Früh­jahr wie­der aus. Al­ler­dings soll­te die Sche­re nicht bei Re­gen oder Frost an den Obst­baum an­ge­setzt wer­den, da­mit die durch das Ab­schnei­den der Äs­te ent­stan­de­nen Wun­den auch wie­der rich­tig hei­len kön­nen, er­klärt Prösch.

Lie­ber zu viel als zu we­nig schnei­den

An­sons­ten gilt beim Obst­baum die De­vi­se: We­ni­ger ist mehr. „Als Laie hat man im­mer Angst, zu vie­le Äs­te ab­zu­schei­den“, sagt Prösch. Da­bei sei ei­ne mög­lichst luf­ti­ge Kro­ne aber ge­nau das Ziel des Obst­baum­schnitts: „Als Faust­re­gel gilt: Durch ei­nen ge­schnit­te­nen Ap­fel­baum muss man un­ge­hin­dert ei­nen Hut wer­fen kön­nen.“Zu­ge­wach­se­ne Bäu­me könn­ten schlech­ter trock­nen und durch die Feuch­tig­keit wür­den schä­di­gen­de Pil­ze ent­ste­hen: „Da ha­be ich im Som­mer lie­ber ein paar we­ni­ger und da­für gut ge­reif­te Früch­te, als ganz vie­le schlech­te“, ver­deut­licht Prösch. Ei­nen Hin­weis auf ein zu feuch­tes Kli­ma ge­ben Flech­ten, die Obst­bäu­me oft über­zie­hen. „Flech­ten sind zwar nicht schäd­lich für den Baum, aber man soll­te den­noch dar­auf re­agie­ren, da­mit er aus­ge­lich­tet wird und trock­nen kann“, er­klärt Prösch.

Ab­ge­schnit­ten wer­den beim Obst­baum­schnitt grund­sätz­lich al­le to­ten, kran­ken und be­schä­dig­ten Äs­te. Für die op­ti­ma­le Ent­wick­lung ei­nes Obst­bau­mes soll­ten zu­dem die Wachs­tums­ge­set­ze wie die Spit­zen­för­de­rung be­ach­tet wer­den: „Hö­her­ste­hen­de Äs­te wer­den bes­ser mit Nähr­stof­fen ver­sorgt und trei­ben da­her stär­ker aus.“Sel­bi­ges gel­te für die Triebla­ge: „Je stei­ler der Trieb steht, des­to stär­ker treibt er aus. Je waa­ge­rech­ter er steht, des­to mehr Blü­ten­knos­pen und folg­lich mehr Früch­te ent­wi­ckelt er.“Zu­dem müs­se auf die Ober­sei­ten­för­de­rung ge­ach­tet wer­den, denn bei nach un­ten ge­bo­ge­nen Äs­ten wür­de kaum Zu­wachs statt­fin­den. Auch auf die Blatt­mas­se ist zu ach­ten: „Et­wa 15 Blät­ter er­näh­ren ei­ne Frucht“, sagt Prösch. Auch die An­schnitt­län­ge und die Frucht­be­las­tung spie­le ei­ne Rol­le: „Je mehr Früch­te am Baum sind, des­to klei­ner wer­den sie.“Pro Trieb soll­te man da­her nur ein oder zwei Früch­te wach­sen las­sen, emp­fiehlt der Fach­mann.

Schrä­ger Schnitt ober­halb der Knos­pe

Beim Ab­schnei­den ei­nes Asts ist dar­auf zu ach­ten, dass der Schnitt knapp ober­halb der Knos­pe und schräg an­ge­setzt wird, sagt Prösch: „Sonst wird die Schnitt­stel­le ein­fach über­wal­det und es fruch­tet nicht.“Zu­dem müss­ten zu hoch oder zu tief wach­sen­de Äs­te nicht im­mer ge­schnit­ten wer­den: „Oft reicht es dann auch, die Äs­te ein­fach auf- oder ab­zu­bin­den.“Da­für wür­den sich Sei­le oder klei­ne Ge­wich­te eig­nen.

Beim Win­ter­schnitt un­ter­schei­det der Fach­mann zu­dem noch zwi­schen Pflanz­schnitt, Er­zie­hungs­schnitt und In­stand­hal­tungs­schnitt. Beim Pflanz­schnitt wird schon bei der Pflan­zung des Obst­bau­mes die spä­te­re Kro­nen­form fest­ge­legt. Der Er­zie­hungs­schnitt dau­ert meh­re­re Jah­re und wirkt auf­grund von kon­se­quen­tem Schnei­den und Bin­den auf die Kro­nen­form ein. Et­was we­ni­ger Ar­beit macht der In­stand­hal­tungs­schnitt, der für ei­ne luf­ti­ge Kro­ne und die Er­zeu­gung von Frucht­holz sorgt.

Nach dem Win­ter­schnitt geht die Ar­beit aber noch wei­ter: „Im Au­gust soll­te man noch­mal nach­schau­en, ob et­was weg­ge­schnit­ten wer­den muss. Wenn über­flüs­si­ge Trie­be ent­fernt wer­den, hat der Baum mehr Kraft für die an­de­ren Äs­te und Früch­te zur Ver­fü­gung“, so der Fach­mann.

FO­TOS: CHRIS­TO­PHER BRE­DOW

Für das rich­ti­ge Wachs­tum müs­sen sich Gärt­ner re­gel­mä­ßig um ih­ren Obst­baum küm­mern. Laut Fach­be­ra­ter Gün­ter Prösch vom Be­zirks­ver­band der Gar­ten­freun­de Del­men­horst und Um­ge­bung kommt es vor al­lem auf den rich­ti­gen Schnitt an.

Gün­ter Prösch zeigt auf Flech­ten, die oft Obst­bäu­me über­zie­hen. Die­se sind zwar nicht schäd­lich, den­noch soll­te dar­auf aber mit ei­nem Obst­baum­schnitt re­agiert wer­den.

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