„Pi­cas­so der Ka­ri­ka­tur“

Der Zeich­ner und Buch­au­tor To­mi Un­ge­rer ist tot / Ein ei­ge­nes Mu­se­um hat­te er schon zu Leb­zei­ten

Delmenhorster Kreisblatt - - KULTUR -

STRASSBURG Ei­ne Kunst­ken­ne­rin hat für To­mi Un­ge­rer den Ti­tel „Pi­cas­so der Ka­ri­ka­tur“ge­prägt. Mit dem gro­ßen Spa­ni­er ver­band den el­säs­si­schen Zeich­ner, Ka­ri­ka­tu­ris­ten und Buch­au­tor ein Hang zur Ero­tik und ei­ne un­er­müd­li­che Schaf­fens­kraft. Jetzt ist To­mi Un­ge­rer im Haus sei­ner Toch­ter in Ir­land mit 87 Jah­ren ge­stor­ben. Doch sein We­sen lebt wei­ter in un­zäh­li­gen Zeich­nun­gen und Il­lus­tra­tio­nen.

To­mi Un­ge­rer, der als Je­anTho­mas am 28. No­vem­ber 1931 in Straß­burg ge­bo­ren wur­de, hat mehr als 150 Bü­cher ge­schrie­ben und il­lus­triert und et­wa 40 000 Zeich­nun­gen, über 300 Pla­ka­te, Dut­zen­de Öl­bil­der, Li­tho­gra­fi­en und Skulp­tu­ren ge­schaf­fen. Er ge­hör­te zu den we­ni­gen Künst­lern in Frank­reich, die zu Leb­zei­ten ein ei­ge­nes Mu­se­um er­hiel­ten. Seit 2007 gibt es in Straß­burg das To­miUn­ge­rer-Mu­se­um.

Be­kannt ge­wor­den ist der El­säs­ser vor al­lem mit sei­nen Kin­der­bü­chern wie die „Die drei Räu­ber“. In Deutsch­land ist „Das gro­ße Lie­der­buch“– ei­ne il­lus­trier­te Samm­lung von Volks- und Kin­der­lie­dern – seit Jah­ren ein Ver­kaufs­schla­ger. Den­noch sag­te Un­ge­rer: „Die Kin­der­bü­cher wa­ren für mich im­mer so ei­ne Art von Ne­ben­ge­schäft, für mei­nen Spaß.“

Ei­nen gro­ßen Teil sei­nes Wer­kes ma­chen po­li­ti­sche Zeich­nun­gen aus. Wäh­rend sei­ner Zeit in den USA in den 1950er- und 1960er-Jah­ren kri­ti­sier­te Un­ge­rer mit sei­nen Ka­ri­ka­tu­ren den Viet­nam­krieg und die so­ge­nann­te Ras­sen­tren­nung. Zu­rück in Eu­ro­pa – nach Jahr­zehn­ten in New York und Ka­na­da leb­te er seit 1976 mit sei­ner drit­ten Frau in Ir­land –, setz­te er sich für die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft ein und be­kam da­für das Bun­des­ver­dienst­kreuz.

Ein Va­ter­land ha­be er nie ge­habt, sag­te Un­ge­rer ein­mal. „Das Wort ist mir total un­heim­lich. [...] Für ein Va­ter­land muss man schon ein Pa­tri­ot sein. Aber ich kann nicht Pa­tri­ot sein für die Fran­zo­sen und die Deut­schen.“Al­lein für Eu­ro­pa, das schon.

Mit sei­nen Spä­ßen hat Un­ge­rer auch vor dem Tod nicht halt­ge­macht. Bei sei­ner Be­er­di­gung wol­le er da­bei sein, sag­te er in ei­nem In­ter­view kurz vor sei­nem 85. Ge­burts­tag. Stirn­run­zelnd. „Im Sarg!“, rief er schließ­lich mit ei­nem brei­ten Grin­sen auf den Lip­pen.

FO­TO: DPA

To­mi Un­ge­rer

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