Pres­se­frei­heit in Deutsch­land in Ge­fahr?

ANA­LY­SE Ge­plan­tes Ge­schäfts­ge­heim­nis­ge­setz sorgt für Kri­tik / Bun­des­tag be­rät

Delmenhorster Kreisblatt - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born Von Bea­te Ten­fel­de

Wann ist in Deutsch­land Whist­leb­lo­wing er­laubt? Die­se Fra­ge soll künf­tig ein neu­es Ge­setz be­ant­wor­ten. Es klärt, wann die Wei­ter­ga­be ge­hei­mer In­for­ma­tio­nen durch Hin­weis­ge­ber recht­mä­ßig ist. Der Bun­des­tag be­rät in die­ser Wo­che über das The­ma. Schon seit Mo­na­ten ha­gelt es Kri­tik an dem Ent­wurf. Jour­na­lis­ten fürch­ten um in­ves­ti­ga­ti­ve Re­cher­chen, Ge­werk­schaf­ten um Mit­be­stim­mungs­rech­te in Fir­men. Hier ein Über­blick über den Stand der De­bat­te: sys­te­ma­ti­schen Schutz für Hin­weis­ge­ber, das Recht kennt punk­tu­ell Aus­nah­men.

Das „Ge­setz zum Schutz von Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen“setzt ei­ne EURicht­li­nie um. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um, das den Ent­wurf er­ar­bei­te­te, sagt: Ge­schäfts­ge­heim­nis­se wer­den ge­schützt – aber ge­nau­so auch Hin­weis­ge­ber, weil das Ge­setz Aus­nah­men für Whist­leb­lo­wer ent­hält. Das ist strit­tig. schäfts­ge­heim­nis­sen erst ein­mal straf­bar ma­chen und sich hin­ter­her – vor Ge­richt – recht­fer­ti­gen müs­sen. Ih­nen könn­ten bald ei­ne Ge­fäng­nis­stra­fe oder Geld­bu­ßen bis zu 100 000 Eu­ro dro­hen – et­wa für ver­deck­te Re­cher­chen oder heim­li­che Dreh­ar­bei­ten. Al­lein der Ab­schre­ckungs­ef­fekt trä­fe klei­ne Ver­la­ge und freie Re­por­ter.

Ei­ne grund­sätz­li­che Aus­nah­me für die Pres­se – die es üb­ri­gens auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne gibt. Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­bands (DJV ), Frank Über­all, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Die jour­na­lis­ti­sche Ar­beit muss durch die Ge­set­zes­re­form un­be­rührt blei­ben.“Me­di­en dürf­ten zu­dem kei­nes­falls ge­zwun­gen wer­den, ih­re Hin­weis­ge­ber zu nen­nen: „Der In­for­man­ten­schutz ist ein un­ver­zicht­ba­res Ar­beits­prin­zip für Jour­na­lis­ten.“ wo­nach der Be­griff „Ge­schäfts­ge­heim­nis“kon­kre­ter de­fi­niert wird. Das Ge­setz soll­te klar­stel­len, dass der In­ha­ber ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Ge­heim­hal­tung ha­ben müs­se. Au­ßer­dem sei­en Aus­nah­men für Jour­na­lis­ten, Hin­weis­ge­ber und Ar­beit­neh­mer so­wie ih­re In­ter­es­sen­ver­tre­ter nö­tig. Denn sonst könn­te ei­ne Fir­ma be­stim­men, was Ge­schäfts­ge­heim­nis ist – et­wa Plä­ne zum Per­so­nal­ab­bau. Oh­ne Än­de­run­gen wohl nicht. Der Be­richt­er­stat­ter im Bun­des­tag, Ing­mar Jung (CDU), sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „In der jet­zi­gen Fas­sung kann die CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on dem Ge­setz nicht zu­stim­men.“Al­le Par­tei­en sä­hen Nach­bes­se­rungs­be­darf am Re­gie­rungs­ent­wurf. Weil Deutsch­land bei der Um­set­zung der EURicht­li­nie aber zu spät dran ist, herrscht Zeit­druck. Noch im Fe­bru­ar will der Bun­des­tag das (über­ar­bei­te­te) Ge­setz be­schlie­ßen.

Die Prä­si­den­tin des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes (DRK), Ger­da Has­sel­feldt, hat an­läss­lich des heu­ti­gen „Eu­ro­päi­schen Tags des No­t­rufs 112“an al­le Ver­kehrs­teil­neh­mer ap­pel­liert, mehr Rück­sicht auf Hel­fer im Ret­tungs­dienst zu neh­men. „Es ist be­sorg­nis­er­re­gend, dass vor al­lem bei Ver­kehrs­un­fäl­len Ret­tungs­kräf­te oft von Schau­lus­ti­gen be­hin­dert oder be­lei­digt wer­den“, sag­te Has­sel­feldt un­se­rer Re­dak­ti­on.

Die Be­rich­te dar­über häuf­ten sich in er­schre­cken­der Wei­se. „Zum Re­spekt ge­gen­über den Hel­fern ge­hört auch die Ein­hal­tung der Ret­tungs­gas­se nach Ver­kehrs­un­fäl­len“, mahn­te Has­sel­feldt. Auch hier las­se das Ver­hal­ten von vie­len Last­wa­gen- und Au­to­fah­rern zu wün­schen üb­rig. Man­chen Gaf­fern sei­en Han­dy-Auf­nah­men von Ver­letz­ten of­fen­bar wich­ti­ger als der un­ver­sperr­te Zu­gang der Hel­fer zum Un­fall­ort.

Der No­t­ruf 112 sei wich­ti­ges In­stru­ment ein zur

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