Por­trät:

Der Fachhandler - - Inhalt - Jo­han­nes Strom

pho­ne

Evo­lu­ti­on der Kopf­hö­rer – zu Be­such bei Nu­ra-

Es gibt Din­ge, die ver­gisst man sein Le­ben nicht mehr. Den ers­ten Kuss, den ers­ten Job, den schöns­ten Ur­laub. Bei nu­ra­pho­ne-Kopf­hö­rern ist das ähn­lich. Ei­ne Be­geg­nung mit der Zu­kunft des Kopf­hör­er­baus.

Es ist der größ­te Kick­star­ter-Er­folg der aus­tra­li­schen Ge­schich­te. Das noch jun­ge Start-Up-Un­ter­neh­men aus Down-Un­der hat­te für die Um­set­zung ei­nes re­vo­lu­tio­nä­ren Kopf­hö­rers im Jah­re 2016 um 100 000 Dol­lar per Crowd­fun­ding ge­be­ten. Er­hal­ten ha­ben Sie 1,8 Mil­lio­nen. Wei­te­re 5 Mil­lio­nen durch mu­ti­ge In­ves­to­ren. Ge­nug al­so, um die Vi­sio­nen des Mit­grün­ders und CEO Kyle Sla­ter Rea­li­tät wer­den zu las­sen. Die Re­de ist von ei­nem Kopf­hö­rer, der so ganz an­ders ist, als al­les an­de­re, was wir bis­her auf dem Markt ge­se­hen und ge­hört ha­ben. Ein Kopf­hö­rer, der sich voll­au­to­ma­tisch auf den Hö­rer und sein Hör­ver­mö­gen ein­stellt, ein Kopf­hö­rer, der lernt. Kei­ne ner­vi­gen Hör­tests wie beim Oh­ren­arzt oder ei­ne ma­nu­el­le Ka­li­brie­rung, wie bei ver­gleich­ba­ren An­sät­zen der In­di­vi­dua­li­sie­rung. Man setzt sich den Kopf­hö­rer auf, die da­zu­ge­hö­ri­ge App misst das Hör­ver­mö­gen des Users und gleicht den Klang ent­spre­chend an. Und das oh­ne je­des wei­te­re Zu­tun. Wie ist das mög­lich? Da­hin­ter steckt ein bahn­bre­chen­des Pa­tent. Der In­ha­ber die­ses Pa­tents, Kyle Sla­ter, Ph.D., kommt aus der For­schung. Vie­le Jah­re hat er mit sei­nen Kom­pa­gnons die so ge­nann­ten oto­akus­ti­schen Emissionen er­forscht. Das sind Tö­ne, die das Ohr ab­gibt. Ja, sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, un­ser Ohr kann nicht nur

hö­ren, son­dern auch klin­gen. Je­des Mal, wenn wir ei­nen Ton oder Mu­sik in un­ser Ge­hör schi­cken, gibt es ei­ne ent­spre­chen­de Im­puls­ant­wort zu­rück. Als wür­de man in ei­ne Höh­le oder ein Tal ru­fen und ein Echo er­zeu­gen. Nur eben ein sehr klei­nes. Und die­ses ist bei je­dem Men­schen an­ders. Die­se Ent­de­ckung ma­chen sich die Aus­tra­li­er zu­nut­ze und bau­en gleich mal sechs Mi­kro­fo­ne in ih­ren Kopf­hö­rer. Die­se mes­sen die oto­akus­ti­sche Emis­si­on des Kopf­hö­rernut­zers. Die­se In­for­ma­ti­on nutzt dann ein Mi­kro­chip im Kopf­hö­rer, um den Fre­quenz­gang per­so­na­li­siert zu ent­zer­ren. Ein biss­chen Ma­gie ist wahr­schein­lich auch da­bei. Nein, Scherz bei­sei­te. Es han­delt sich hier um rei­ne Wis­sen­schaft.

Im Ge­spräch

Als wir im Ok­to­ber da­von hör­ten, konn­ten wir es selbst kaum glau­ben. Des­halb ha­ben wir uns auf den Weg nach Ber­lin ge­macht, um Kyle Sla­ter zu tref­fen. Ber­lin? Ja, Ber­lin. Denn zu­fäl­lig hat­te das Un­ter­neh­men nu­ra­pho­ne sich ge­ra­de an­läss­lich der Able­ton Lo­op-Mes­se über Airb­nb ei­ne Kreuz­ber­ger Woh­nung an­ge­mie­tet, in der wir den Chef per­sön­lich tref­fen durf­ten. „Wir hö­ren al­le un­ter­schied­lich und die­se Un­ter­schie­de sind weit grö­ßer, als man an­neh­men mag. Wenn Sie ein und den sel­ben Ton zwei ver­schie­de­nen Men­schen vor­spie­len, ist ih­re Emp­find­lich­keit da­für um bis zu 20 De­zi­bel von­ein­an­der ab­wei­chend. Das ent­spricht in et­wa sie­ben Laut­stär­ke­bal­ken auf ei­nem Smart­pho­ne. Und das, ob­wohl bei­de nach me­di­zi­ni­schen Stan­dards ge­se­hen ein voll­kom­men ge­sun­des Hör­ver­mö­gen ha­ben“so

Sla­ter im Ge­spräch. Was für den ei­nen zu schrill, ist für den an­de­ren ge­nau rich­tig. Eben­so im Bass. Man­che mö­gen, dass es drückt, an­de­re wie­der­um möch­ten es eher ent­spannt und of­fen. Bis­her ging es bei Kopf­hö­rern eher dar­um, mit mög­lichst gro­ßem Ma­te­ri­al­auf­wand und ei­nem ho­hen An­spruch an Ver­ar­bei­tung den op­ti­ma­len Kom­pro­miss zu fin­den. Denn klang­lich kann man es schließ­lich kei­nem recht ma­chen, al­so fo­kus­sier­te man sich lie­ber auf die Wie­der­ga­be­qua­li­tät. Die Zeit der Kom­pro­mis­se ist al­ler­dings nun vor­bei. Denn der Kopf­hö­rer weiß nun, wer ihn trägt und vor al­lem, was und wie der­je­ni­ge hört. Das gan­ze geht so­gar so weit, dass ver­schie­de­ne Hör­pro­fi­le im Kopf­hö­rer ge­spei­chert wer­den kön­nen, zum Bei­spiel die vom Part­ner oder den Kin­dern und der Kopf­hö­rer rea­li­siert selb­stän­dig und re­agiert dar­auf, wer ihn ge­ra­de nutzt.

Over-In-Ear

Ein wei­te­rer, wirk­lich auf­fäl­li­ger An­satz, der die nu­ra­pho­ne von an­de­ren Kopf­hö­rern un­ter­schei­det, ist, dass es sich we­der um ei­nen In-Ear, noch um ei­nen Over-Ear-Kopf­hö­rer han­delt. Es ist bei­des. Man könn­te auch sa­gen, dass es ein 2-We­ge-Sys­tem ist. Die eher ho­hen Fre­quen­zen wer­den über den mar­kan­ten In-Ear-ähn­li­chen Ein­satz di­rekt ins Ohr ge­schickt, der Bass hin­ge­gen kommt haupt­säch­lich über das Over-Ear. Die da­durch er­zeug­te Tren­nung lässt nicht nur ei­ne se­pa­ra­te Re­ge­lung zu, son­dern dient gleich­zei­tig als pas­si­ves Noi­se-Can­ce­ling. Die se­pa­ra­te Re­ge­lungs­mög­lich­keit der zwei We­ge er­gibt ei­nen Ef­fekt, als stün­de man mal nä­her dran oder eben wei­ter Weg von der Büh­ne, auf der ge­ra­de per­formt wird. Je nach Bass­ver­hält­nis. Weil der Bass eben nicht nur di­rekt ins Ohr geht, son­dern ei­gent­lich dar­über und drum­her­um Kör­per­schall imi­tiert. Die­se Kopf­hö­rer ha­ben es wirk­lich faust­dick hin­ter den Oh­ren. Und das mei­nen wir an die­ser Stel­le aus­nahms­wei­se wört­lich. Wir, und da­mit mei­nen wir tat­säch­lich die ge­sam­te Re­dak­ti­on, sind ge­spannt auf un­ser Test­mus­ter in der nächs­te Aus­ga­be. Ei­nen ers­ten Hör­test durf­ten wir na­tür­lich vor Ort schon ma­chen und so viel sei ver­ra­ten: Es war über­wäl­ti­gend. Doch wer jetzt glaubt noch das idea­le Weih­nachts­ge­schenk ge­fun­den zu ha­ben, den müs­sen wir ent­täu­schen. Für 2017 ist nu­ra­pho­ne be­reits rest­los aus­ver­kauft. Wer aber jetzt re­ser­viert, kann An­fang 2018 die akus­ti­sche Evo­lu­ti­on sein Ei­gen nen­nen. Mehr un­ter www.nu­ra­pho­ne.com

In Ber­lin-Kreuz­berg tra­fen wir den CEO und Mit­be­grün­der Kyle Sla­ter (links), der uns per­sön­lich die nu­ra­pho­ne-Kopf­hö­rer vor­führ­te

Die Ohr­mu­schen be­steht aus zwei Tei­len, qua­si ein 2-We­ge-Sys­tem

Kein Plas­tik, son­dern mas­si­ves Me­tall macht den Kopf­hö­rer lang­le­big

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