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Der Sonntag (Karlsruhe) - - Aktuell -

Milch­kaf­fee, Crois­sants und Ba­guette: Das wa­ren frü­her – ne­ben dem Eif­fel­turm – die drei bes­ten Grün­de, sei­nen Som­mer­ur­laub in Frank­reich zu ver­brin­gen. Flüs­se oder Strän­de, Ber­ge oder Wäl­der – die gab’s auch an­ders­wo. Ein ech­tes Ba­guette aber konn­ten nur die Fran­zo­sen ba­cken. Auch heute, wo ver­mut­lich fast je­de Bä­cke­rei welt­weit die­se lan­gen, dür­ren Weiß­brot­stan­gen ver­kauft, ist das Ba­guette nach wie vor un­wei­ger­lich mit Frank­reich ver­bun­den – und ir­gend­wie schmeckt’s bei un­se­ren Nach­barn auch im­mer noch ein biss­chen bes­ser, fri­scher und knusp­ri­ger als hier­zu­lan­de.

„Un­ser Brot wird in der gan­zen Welt be­nei­det“, sagt Staats­chef Em­ma­nu­el Ma­cron. Man müs­se un­be­dingt „sei­ne Ex­zel­lenz und das Kön­nen be­wah­ren“und des­halb sei es höchs­te Zeit, dass das Ba­guette ins Unesco-Wel­ter­be auf­ge­nom­men wer­de. Im­mer­hin ha­be die nea­po­li­ta­ni­sche Piz­za das auch ge­ra­de ge­schafft. „Das Ba­guette ist der Alltag der Fran­zo­sen, und Brot ist ei­ne be­son­de­re Ge­schich­te“, sag­te Ma­cron. Was der Prä­si­dent da­mals al­ler­dings noch nicht wuss­te, war die Tat­sa­che, dass sei­ne Fran­zo­sen ge­ra­de da­bei sind, ih­rem ge­lieb­ten Ba­guette un­treu zu wer­den.

Löst der Bur­ger das Ba­guette ab?

Ei­ne ak­tu­el­le Sta­tis­tik des Markt­for­schungs­in­sti­tuts Gi­ra Con­seil klärt dar­über auf, dass im ver­gan­ge­nen Jahr in Frank­reich erst­mals mehr Ham­bur­ger als das tra­di­tio­nel­le „Jam­bon be­ur­re“, ein mit Koch­schin­ken be­leg­tes Ba­guette, ver­kauft wur­den. Das Fleisch­bröt­chen aus den USA ging dem­nach 1,5 Mil­li­ar­den Mal über den Tre­sen, das be­leg­te Stan­gen­weiß­brot nur 1,2 Mil­li­ar­den Mal. „Wir stel­len schon seit drei Jah­ren ei­nen Bur­ger-Rausch fest“, sagt der Chef von Gi­ra Con­seil, Ber­nard Bout­boul. Aber nun sei das Wachs­tum „phä­no­me­nal“: Im ver­gan­ge­nen Jahr hät­ten die Ham­bur­ger-Ver­käu­fe in Frank­reich um neun Pro­zent zu­ge­legt. „Wo­mög­lich macht der Bur­ger bald noch un­se­rem be­rühm­ten Steak mit Frit­ten Kon­kur­renz“, ver­mu­tet Bout­boul.

War­um genau der Bur­ger so be­liebt ist? Das könn­te, so Bout­boul, dar­an lie­gen, dass er aus drei Zu­ta­ten be­ste­he, die die Fran­zo­sen al­le­samt sehr lie­ben: Brot, Kä­se und Fleisch. „Die Fran­zo­sen ha­ben den Bur­ger mitt­ler­wei­le ad­op­tiert“, sagt er. „Ich wür­de mich nicht wun­dern, wenn sie ihn ei­nes Ta­ges als ty­pisch fran­zö­si­sches Ge­richt be­zeich­nen wür­den.“Wolf­gang We­ber

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