Das ist nicht mein Typ!

Miet­wa­gen­är­ger am Ur­laubs­ort

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Reise & Urlaub - Pe­ter Lö­schin­ger/mag

Gleich ist es ge­schafft. Die Kof­fer nach der Lan­dung vom Ge­päck­band ge­fischt und ab zum Miet­wa­gen­stand. Selbst die lan­ge Schlan­ge da­vor trübt die Ur­laubs­stim­mung nicht. Schließ­lich hat man das er­sehn­te Ca­brio schon da­heim übers Preis­ver­gleich­spor­tal ge­bucht. Doch die Da­me am Schal­ter er­klärt: „Kein Ca­brio da“- und sorgt für au­gen­blick­li­che Er­nüch­te­rung. Und dann ist der an­ge­bo­te­ne Er­satz­wa­gen auch noch viel zu klein fürs Ge­päck. Was ist nun zu tun?

„In ei­nem sol­chen Fall wür­de ich das Er­satz­au­to zu­rück­wei­sen, wo­an­ders ein Au­to mie­ten und die Mehr­kos­ten als Scha­den­er­satz gel­tend ma­chen“, sagt Ver­kehrs­rechts­an­walt Chris­ti­an Jan­ec­zek. „Denn wenn Sie ein Ca­brio bu­chen und der Ver­mie­ter kei­nes an­bie­ten kann, müs­sen Sie das Er­satz­fahr­zeug nicht neh­men oder be­zah­len.“Maß­geb­lich ist die Bu­chungs­be­stä­ti­gung. Meist fin­det sich dort ei­ne vier­stel­li­ge Buch­sta­ben­fol­ge, der so­ge­nann­te ACRISS-Co­de. Auf den ha­ben sich vie­le gro­ße Au­to­ver­mie­ter ge­ei­nigt. Er ord­net je­des Fahr­zeug an­hand von Merk­ma­len wie et­wa Ka­te­go­rie, Typ, Ge­trie­be oder Treib­stoff und Kli­ma­an­la­ge ei­ner be­stimm­ten Fahr­zeug­grup­pe zu, er­klärt die ADAC-Au­to­ver­mie­tung. „CLMR“zum Bei­spiel steht für ei­ne Li­mou­si­ne der Kom­pakt­klas­se mit ma­nu­el­lem Ge­trie­be und Kli­ma­an­la­ge. Co­des und Au­to­Bei­spie­le fin­den sich auf den Ver­mie­ter-Sei­ten oder auch on­li­ne bei den Au­to­clubs. Wer ei­nen Miet­wa­gen bucht, be­stellt da­her in der Re­gel kein be­stimm­tes Mo­dell ei­nes Her­stel­lers, son­dern nur ei­ne Fahr­zeug­grup­pe, in der die Au­tos aber un­ter­ein­an­der ver­gleich­bar sind. Ge­nann­te Mo­del­le ste­hen im­mer nur bei­spiel­haft. In der Be­stä­ti­gung kann dann et­wa „Opel As­tra Ca­brio oder ähn­lich“so­wie der Co­de ste­hen. „Oder ähn­lich“be­zieht sich auf Fahr­zeu­ge der glei­chen Grup­pe. „Da­her könn­te es sein, dass der Kun­de statt ei­nes Opel As­tra den VW Beet­le be­kommt – bei­des je­doch als Ca­brio“, sagt Ju­lia Leo­pold vom Ver­gleich­spor­tal Check24.

Nach­träg­li­che ein­sei­ti­ge Än­de­run­gen – et­wa hand­schrift­li­che Ver­mer­ke auf der Bu­chungs­be­tä­ti­gung durch Ver­mie­ter­per­so­nal vor Ort – sind nicht bin­dend, er­klärt An­walt Jan­ec­zek. Ist die ge­buch­te Ka­te­go­rie nicht vor­han­den, wer­den teils Au­tos der nächst­hö­he­ren Ka­te­go­rie an­ge­bo­ten. Ist das mit Mehr­kos­ten ver­bun­den, leh­ne man bes­ser ab.

Bei der Bu­chung über Ver­gleich­spor­ta­le kom­men bis zu drei Par­tei­en ins Spiel, er­läu­tert An­ja Sme­ta­nin vom Au­to Club Eu­ro­pa (ACE). Ne­ben den Such­por­ta­len als Ver­mitt­ler von An­ge­bo­ten und der ei­gent­li­chen Au­to­ver­mie­tung kann auch ein so­ge­nann­ter Bro­ker be­tei­ligt sein, der bes­se­re Kon­di­tio­nen bei den Ver­mie­tern aus­han­delt. Des­halb kommt es in al­ler Re­gel am En­de im­mer auf den ei­gent­li­chen Flot­ten­be­trei­ber an: „Der Ver­trag wird im­mer di­rekt mit dem Ver­mie­ter vor Ort ge­schlos­sen, das ist der Ver­trags­part­ner“, sagt Ma­ri­on-Ma­xi Har­tung von der ADAC-Au­to­ver­mie­tung. „Re­kla­ma­tio­nen müs­sen des­we­gen in der Re­gel auch di­rekt beim Ver­mie­ter plat­ziert wer­den.“

Er­satz­fahr­zeug muss man nicht neh­men

Wer zur Kon­kur­renz ge­hen möch­te, um doch noch ein Mo­dell der ge­buch­ten Fahr­zeug­grup­pe zu be­kom­men, und beim ur­sprüng­li­chen Ver­mie­ter spä­ter die Preis­dif­fe­renz gel­tend ma­chen möch­te, dem rät An­walt Jan­ec­zek, sich al­les schrift­lich ge­ben zu las­sen. „Ei­ne kur­ze Er­klä­rung et­wa, in der steht, dass ein ver­gleich­ba­rer Wa­gen nicht ver­füg­bar war und wel­che Al­ter­na­tiv­fahr­zeu­ge im An­ge­bot wa­ren.“

Wei­gert sich der Ver­mie­ter, soll­te man ver­su­chen, um­ste­hen­de Rei­sen­de als Zeu­gen zu ge­win­nen – und sich de­ren Kon­takt­da­ten no­tie­ren. Von den vor­ge­fer­tig­ten Un­ter­la­gen des Ver­mie­ters ma­chen sich die Ur­lau­ber Ko­pi­en oder Han­dy­fo­tos. Ist kei­ne al­ter­na­ti­ve An­mie­tung vor Ort mög­lich und man kommt et­wa vom Flug­ha­fen oder spät­abends schlecht von der Ver­miet­sta­ti­on weg, rät Jan­ec­zek zu ei­nem Ta­xi zum Ho­tel. Die Kos­ten soll­te man sich vom Ver­mie­ter er­stat­ten las­sen.

Al­ter­na­ti­ven da­zu: „Man fährt mit dem Er­satz­au­to zum Ho­tel, er­klärt da­bei aber aus­drück­lich, dass da­mit kein Ein­ver­ständ­nis mit dem an­ge­bo­te­nen Miet­wa­gen be­steht“, so der An­walt. Viel­leicht gibt es dann am nächs­ten Tag ein pas­sen­des oder pas­sen­de­res Mo­dell. Wich­tig: „Wenn mir die Op­ti­on er­öff­net wird, den Miet­wa­gen nur für ei­nen Tag zu nut­zen, muss dies aus­drück­lich im Ver­trag ver­merkt wer­den.“Oder man ak­zep­tiert den Al­ter­na­tiv­wa­gen un­ter Vor­be­halt für den ge­sam­ten Zei­t­raum. Es müs­se dann aber im Ver­trag ver­merkt wer­den, dass der Al­ter­na­tiv­wa­gen nicht als ver­trags­ge­mäß ak­zep­tiert wird, sagt Jan­ec­zek. Dann kann man sich spä­ter ei­ne et­wai­ge Preis­dif­fe­renz zur ur­sprüng­lich ge­buch­ten Miet­wa­gen­grup­pe er­stat­ten las­sen.

Um nach En­de der Rei­se die je­wei­li­gen An­sprü­che gel­tend zu ma­chen, schreibt man den Ver­mie­ter an und schil­dert den Fall. Nicht ver­ges­sen: Ei­ne Frist von zwei Wo­chen zur Zah­lung set­zen.

Kommt es an der Sta­ti­on zu Un­klar­hei­ten, rät Ju­lia Leo­pold von Check24 ge­ne­rell, vor Ver­trags­un­ter­zeich­nung den Kun­den­ser­vice des Ver­mie­ters an­zu­ru­fen, der dann oft auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Lan­des­spra­che über­neh­men kön­ne.

Wenn Vor­freu­de in Er­nüch­te­rung um­schlägt: Es kann vor­kom­men, dass am Flug­ha­fen nicht das ge­buch­te Miet­fahr­zeug ver­füg­bar ist. Be­her­zigt man ein paar Rat­schlä­ge von Ex­per­ten, lässt sich das Pro­blem meist ei­ni­ger­ma­ßen ele­gant lö­sen. Fo­to: mag

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