Tanz ge­gen Zen­sur

Chi­nas Bot­schaft woll­te ein Bal­lett ver­hin­dern. Denn das „Shen Yun“-Thea­ter pflegt al­te Kul­tu­ren

Der Tagesspiegel - - STADTLEBEN -

Zen­sur gibt es in Ber­lin nicht mehr seit dem Un­ter­gang der DDR. Die­se Er­fah­rung muss­te auch die chi­ne­si­sche Bot­schaft ma­chen. Vom 23. bis 26. März gas­tiert im Sta­ge-Thea­ter am Pots­da­mer Platz das chi­ne­si­sche Tanz-Thea­ter Shen Yun. Vier Vor­stel­lun­gen sind ge­plant. Rund 100 Tän­zer brin­gen die gött­lich in­spi­rier­te al­te Kul­tur in Form von Tanz auf die Büh­ne. Ei­gent­lich ganz harm­los, soll­te man den­ken, al­ler­dings of­fen­sicht­lich ein Är­ger­nis aus Sicht des of­fi­zi­el­len Chi­nas. Des­halb in­ter­ve­nier­ten Ab­ge­sand­te der Bot­schaft bei Ma­na­gern des Sta­ge-Thea­ters und ver­lang­ten, dass der Miet­ver­trag mit dem En­sem­ble ge­kün­digt wird. Sta­ge En­ter­tain­ment sah frei­lich über­haupt kei­nen Grund, ei­nen ein­mal ge­schlos­se­nen Ver­trag wie­der auf­zu­lö­sen.

„Ei­ne Frech­heit war das“, kom­men­tier­te die Ber­li­ner Ma­na­ge­rin von Shen Yun, Zhi­hong Zheng den Ver­such der Ein­fluss­nah­me. Die Künst­ler­grup­pe wol­le die al­te chi­ne­si­sche Kul­tur wie­der­be­le­ben und för­dern. Drei der Grün­der prak­ti­zie­ren die seit 1999 in Chi­na ver­bo­te­ne Fa­lun-Gong-Kul­tur. Die­se Be­we­gung, die von den Prin­zi­pi­en Wahr­haf­tig­keit, Barm­her­zig­keit und Nach­sicht an­ge­lei­tet wird, fand in den 90er Jah­ren in Chi­na im­mer mehr An­hän­ger und führ­te zu ei­ner Re­nais­sance der Leh­ren von Kon­fu­zi­us und Bud­dha.

„Die­se Wer­te ste­hen im Ge­gen­satz zum Kom­mu­nis­mus, des­halb wur­de Fa­lung Gong ver­bo­ten und des­halb ver­sucht die Bot­schaft, die Auf­füh­run­gen zu ver­hin­dern. Die Kon­trol­len wer­den im­mer stren­ger“, so die Ma­na­ge­rin. Das pas­sie­re im­mer wie­der, auch in vie­len an­de­ren Län­dern. Den Zu­schau­ern geht es vor al­lem um die Show. Oh­ne die In­ter­ven­tio­nen der of­fi­zi­el­len Ver­tre­ter Chi­nas, wür­den die po­li­ti­schen Di­men­sio­nen des Tanz­thea­ters wohl weit­ge­hend un­be­merkt blei­ben. Zu den be­ken­nen­den Fans des in New York ge­grün­de­ten Thea­ters ge­hö­ren Schau­spie­le­rin Ca­te Blan­chett und De­si­gne­rin Don­na Ka­ran. Vor fünf Jah­ren in Mün­chen sei­en nach ei­nem Zei­tungs­be­richt über Zen­sur­ver­su­che al­ler­dings be­son­ders vie­le Leu­te in die Auf­füh­run­gen ge­gan­gen, be­rich­te­te die Deutsch­land-Ma­na­ge­rin.

Im Frank­fur­ter Kon­su­lat hat man dar­aus of­fen­bar be­reits ge­lernt. Ei­nem „FAZ“-Be­richt zu­fol­ge un­ter­lie­ßen die of­fi­zi­el­len Chi­ne­sen dort dies­mal den Ver­such der Ein­fluss­nah­me. Viel­leicht ha­ben sie er­kannt, dass Zen­sur­ver­su­che hier­zu­lan­de rasch zur un­frei­wil­li­gen PR- Kam­pa­gne wer­den kön­nen, die dem Thea­ter, des­sen Bot­schaft ei­gent­lich un­ter­drückt wer­den soll, im­mer nur zu­sätz­li­che Zu­schau­er bringt. — 23.–26.3., je­weils 19 Uhr im Sta­ge-Thea­ter am Pots­da­mer Platz, Ti­ckets von 50 bis 150 Eu­ro un­ter Tel. 60 98 41 80

Fo­to: dpa

An­mu­tig mu­tig. Mit Tän­zen aus dem al­ten Chi­na kommt das Tanz­thea­ter Shen Yun nach Ber­lin. Die Grün­der ste­hen der ver­folg­ten Fa­lun-Gong-Be­we­gung na­he.

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