Bit­te mel­de dich – beim Amt an

Ver­mie­ter muss künf­tig neue Adres­se be­stä­ti­gen

Der Tagesspiegel - - BERLIN -

Auf das Mel­de­re­gis­ter ist kein Ver­lass mehr. Das wur­de spä­tes­tens 2013 deut­lich, als sich bei ei­ner Zäh­lung rund 180 000 amt­lich re­gis­trier­te Ber­li­ner in Luft auf­lös­ten. Auch die Po­li­zei be­klagt seit Lan­gem, dass ih­re kri­mi­nel­len Kun­den häu­fig nicht dort woh­nen, wo sie ge­mel­det sind. Ab No­vem­ber soll es nun deut­lich schwie­ri­ger wer­den, sich ei­ne Schein­adres­se zu­zu­le­gen. Nach ei­ner zwei­jäh­ri­gen Über­gangs­frist tritt das neue bun­des­weit gül­ti­ge Mel­de­ge­setz in Kraft. Die wich­tigs­te Neue­rung: Wer sich an­mel­det, muss künf­tig ei­ne Ein­zugs­be­stä­ti­gung sei­nes Ver­mie­ters vor­le­gen und ge­naue An­ga­ben ma­chen, wie vie­le Per­so­nen in die Woh­nung ein­zie­hen.

Die Se­nats­ver­wal­tung für In­ne­res be­grüß­te die neue Re­ge­lung. „Dies wird kri­mi­nel­le Schein­an­mel­dun­gen er­schwe­ren“, sag­te ein Spre­cher. Mie­ter­ver­ein und Ver­mie­ter­ver­bän­de be­fürch­ten zwar ei­nen Mehr­auf­wand, se­hen aber auch die Vor­tei­le des neu­en Ge­set­zes. Bis­her ist es re­la­tiv ein­fach sich an­zu­mel­den. Per­sön­li­ches Er­schei­nen und ein Pass oder Per­so­nal­aus­weis rei­chen aus. Ein Miet­ver­trag muss nicht vor­ge­legt wer­den. Die­se la­xe Re­ge­lung gilt seit 2002. Da­mals soll­te das Mel­de­ver­fah­ren ent­bü­ro­kra­ti­siert wer­den. Doch gleich­zei­tig wur­de der Miss­brauch er­leich­tert: Kre­dit­kar­ten­be­trü­ger häng­ten ei­nen zu­sätz­li­chen Brief­kas­ten ins Haus und konn­ten un­ter fal­scher Adres­se ein­kau­fen. El­tern zo­gen zum Schein ins Ein­zugs­ge­biet ih­rer Wunsch­schu­le um.

Die meis­ten Kar­tei­lei­chen im Mel­de­re­gis­ter sind je­doch ent­stan­den, weil sich vie­le Ber­li­ner beim Ver­las­sen der Stadt nicht ab­mel­den. Dar­an wird auch das neue Mel­de­ge­setz nichts än­dern. Nur wer ins Aus­land zieht, muss sich über­haupt ab­mel­den. Da zur for­mel­len Ab­mel­dung – ge­nau wie bei der An­mel­dung – künf­tig ei­ne Be­stä­ti­gung des Ver­mie­ters vor­zu­le­gen ist, wer­den in der Pra­xis eher noch we­ni­ger Aus­rei­sen­de ih­rer Pflicht nach­kom­men.

Un­an­ge­nehm könn­te es künf­tig für Mie­ter wer­den, die ih­re Woh­nung oh­ne Wis­sen des Ver­mie­ters un­ter­ver­mie­ten – et­wa als Fe­ri­en­woh­nung für Tou­ris­ten. Der Ver­mie­ter hat An­spruch auf ei­ne Re­gis­ter­aus­kunft, so­weit es sei­ne Woh­nung be­trifft. Dies kön­ne un­ge­neh­mig­ten Un­ter­ver­mie­tun­gen ei­nen „wirk­sa­men Rie­gel“vor­schie­ben, sagt Ma­ren Kern, Vor­stand des Ver­ban­des Berlin-Bran­den­bur­gi­scher Woh­nungs­un­ter­neh­men.

Für die oh­ne­hin schon über­las­te­ten Bür­ger­äm­ter dürf­te ei­ni­ges an Mehr­ar­beit zu­kom­men, die Äm­ter sei­en aber vor­be­rei­tet, ver­si­cher­te die In­nen­ver­wal­tung. Wei­ter­hin gel­te die Pflicht, sich in­ner­halb von 14 Ta­gen an­zu­mel­den. Weil freie Ter­mi­ne in den Bür­ger­äm­tern oft erst nach Mo­na­ten zu ha­ben sind, wer­de das Da­tum der Ter­min­ver­ga­be als Nach­weis ak­zep­tiert.

Das neue Mel­de­ge­setz um­fasst ins­ge­samt 20 Sei­ten. Vie­le Pa­ra­gra­fen be­fas­sen sich mit dem Schutz per­sön­li­cher Da­ten auf der ei­nen und ih­rer Wei­ter­ga­be an Be­hör­den oder die Pres­se auf der an­de­ren Sei­te. Au­to­ma­ti­sche Aus­kunfts­sper­ren gibt es für Ge­fäng­nis­in­sas­sen so­wie Be­woh­ner von Pfle­ge­hei­men, Be­hin­der­ten­ein­rich­tun­gen und von Flücht­lings­hei­men.

Das neue Mel­de­recht er­schwert, ei­ne fal­sche Adres­se zu nen­nen

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