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Der Tagesspiegel - - COMICS -

Neu­er­schei­nun­gen Mo­der­nes Mär­chen. Ei­ne ju­gend­li­che Gestalt­wand­le­rin na­mens Ni­mo­na schleicht sich erst ins Schloss und dann ins Le­ben des Erz­bö­se­wichts Bal­lis­ter Blackhe­art ein. Mit Witz und Kühn­heit bringt sie nicht nur des­sen Welt durch­ein­an­der. In ih­rer zu­erst on­li­ne ver­öf­fent­lich­ten Co­mic-Er­zäh­lung „Ni­mo­na“(Split­ter, 270 S., 19,95 €) kom­bi­niert die 24-jäh­ri­ge US-Au­to­rin No­el­le Ste­ven­son klas­si­sche Fan­ta­sy-Zu­ta­ten mit Ex­kur­sen zu Fra­gen wie Iden­ti­tät oder Ma­ni­pu­la­ti­on der öf­fent­li­chen Mei­nung. Vor dem Hin­ter­grund ei­nes aben­teu­er­lich-amü­san­ten Kamp­fes um die Macht in ei­nem High-Tech- Mit­tel­al­ter-Reich ent­wi­ckelt sich zwi­schen den Haupt­fi­gu­ren ei­ne un­ge­wöhn­li­che Be­zie­hung. Mit spit­zem Strich hat die Zeich­ne­rin ei­ne star­ke Frau­en­fi­gur ge­schaf­fen, die sich – im Main­stream-Co­mic nach wie vor nicht selbst­ver­ständ­lich – nicht über ih­ren Sex­ap­peal oder ihr Aus­se­hen de­fi­niert, son­dern über ih­ren kom­ple­xen Cha­rak­ter und ih­re Schlag­fer­tig­keit.

*** Zu­rück in die Zu­kunft. Was macht ein ge­nia­ler Wis­sen­schaft­ler, der sein Le­ben der For­schung ge­op­fert hat, wenn er plötz­lich durch die Zeit rei­sen kann? Klar, er lässt die Sau raus. So nach­zu­le­sen in „ Chro­no­nauts“(Pa­ni­ni, 120 S., 16,99 €), der jüngs­ten Co­mic-Gro­tes­ke von Mark Mil­lar. Der Schot­te stopft die in ei­nem Band aus­er­zähl­te Ge­schich­te voll mit ab­sur­den Wen­dun­gen, iro­ni­schen An­spie­lun­gen und Ge­walt. Her­aus­ge­kom­men ist ein ra­san­ter Un­fug mit vie­len schö­nen Frau­en und Schuss­waf­fen, in dem Kampf­jets auf Di­no­sau­ri­er tref­fen und Pan­zer die Schlacht von Ban­nock­burn an­no 1314 ent­schei­den. Se­an Mur­phy adelt den Klei­ne-Jungs-Traum mit sei­nen kan­ti­gen, hart schraf­fier­ten Zeich­nun­gen. Kur­zer, aber gro­ßer Spaß!

*** Wil­des West-Ber­lin. Der feis­te Ot­to, In­for­mant des Ver­fas­sungs­schut­zes, wühlt wie­der im West-Ber­li­ner Un­ter­grund. Im zwei­ten Buch des Du­os Jörg Ul­bert und Jörg Mail­liet er­mit­telt der coo­le Ket­ten­rau­cher in ei­nem To­des­fall, der für Ver­schwö­rungs­theo­ri­en gut war – im Mord an dem Stu­den­ten Ul­rich Schmü­cker, der sich der Ter­ror­trup­pe „Be­we­gung 2. Ju­ni“an­ge­schlos­sen hat­te. Da­mit ver­bun­den war ein Skan­dal um den Ver­fas­sungs­schutz. Doch vor al­lem trans­por­tiert „Wes­tend“(Ber­lin Sto­ry Ver­lag, 127 S., 24,95 €) wie schon „Gleis­drei­eck“das spe­zi­el­le West-Ber­li­ner Le­bens­ge­fühl. Fu­ri­os, knal­lig und kennt­nis­reich in Sze­ne ge­setzt. Egal ob in der Dis­co „Dschun­gel“oder bei den San­nyas­ins vom obe­ren Ku’damm. Die Halb­stadt – ein­zig­ar­tig und bi­zarr.

*** Ro­bo­ter-Yin-und-Yang. Wie schon Osa­mu Te­zu­ka im le­gen­dä­ren „As­tro Boy“lo­tet der ja­pa­ni­sche Künst­ler Hi­roya Oku in sei­ner ak­tu­el­len Se­rie „Last He­ro Inu­ya­shi­ki“

den Be­griff des Mensch­seins aus. In den Mit­tel­punkt der Hand­lung stellt er ei­nen al­tern­den Fa­mi­li­en­va­ter so­wie ei­nen bü­bi­schen Ju­gend­li­chen, die von Ali­ens durch Ro­bo­ter­ko­pi­en er­setzt wer­den und ih­re neue Macht sehr un­ter­schied­lich aus­spie­len. „Gantz“-Zeich­ner Oku setzt das The­ma auch op­tisch um und setzt den hand­ge­zeich­ne­ten Le­be­we­sen di­gi­ta­le Ku­lis­sen und Ma­schi­nen ent­ge­gen. Nach und nach wird die zu­neh­mend span­nen­de­re, wenn auch ein we­nig re­pe­ti­ti­ve Se­rie zu ei­nem mit bar­ba­ri­schen Mor­den und se­xu­el­ler Ge­walt an­ge­füll­ten Hor­ror­trip durch die mo­ra­li­schen Ab­grün­de der mensch­li­chen Ge­sell­schaft.

(Eg­mont Man­ga, bis­lang 6 Bän­de, je 194 S., 9,99 €)

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