Bü­ros sind jetzt ab nur ei­nen Mo­nat zu (ver-)mie­ten

Zwei Ver­mitt­lungs­platt­for­men kämp­fen in Ber­lin um ra­re Flä­chen und ein­zel­ne Schreib­tisch­plät­ze

Der Tagesspiegel - - IMMOBILIEN - Von Rein­hart Bün­ger

Ber­lin ist die Haupt­stadt des Co­wor­king. Nach Be­rech­nun­gen welt­weit tä­ti­gen Im­mo­bi­li­en-Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­mens Sa­vills gibt es rund 100 An­bie­ter von sol­chen Ar­beits­plät­zen, dar­un­ter auch vie­le klei­ne­re. Da­mit liegt Ber­lin im eu­ro­pa­wei­ten Ver­gleich auf Platz zwei hin­ter Lon­don. Dort ent­fie­len be­reits im Jahr 2015 mehr als zehn Pro­zent des Flä­chen­um­sat­zes im Zen­trum Lon­dons auf Co­wor­king-An­bie­ter und da­mit mehr als in den Jah­ren 2009 bis 2013 zu­sam­men. In Ber­lin mach­ten An­mie­tun­gen von Co­wor­king-An­bie­tern im ver­gan­ge­nen Jahr rund drei Pro­zent des ge­sam­ten Flä­chen­um­sat­zes aus.

Ber­lin war 2016 zu­dem – so der eben­falls in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Ge­wer­be­im­mo­bi­li­en­be­ra­ter Col­liers – der füh­ren­de Bü­ro­im­mo­bi­li­en­markt in Deutsch­land, vor München und Frank­furt am Main. Zum drit­ten Mal in Fol­ge wur­den hier die Ver­mie­tungs­er­geb­nis­se der Vor­jah­re ge­toppt. Und so wird es wohl auch wei­ter­ge­hen, sag­te Ulf Buh­le­mann, He­ad of In­vest­ment Ber­lin bei Col­liers, kürz­lich in Ber­lin an­läss­lich ei­ner Prä­sen­ta­ti­on der Vor­jah­res­zah­len: güns­ti­ge Le­bens­hal­tungs­kos­ten und in­ter­na­tio­nal ver­gleichs­wei­se nied­ri­ge Ge­häl­ter so­wie ein gu­tes Kli­ma für Star­tups sind wei­te­re Stand­ort­vor­tei­le.

Un­ter die­sen Vor­zei­chen wird ver­ständ­lich, dass die Leer­stands­quo­ten in Ber­lin auf ei­nem so nied­ri­gen Ni­veau wie seit vie­len Jah­ren nicht mehr sind. Der Kampf um pas­sen­de Bü­ro­flä­chen wird be­son­ders in ur­ba­nen Räu­men im­mer in­ten­si­ver: Ei­ner Stu­die von BNP Pa­ri­bas zu­fol­ge gibt es in Ber­lin bei­spiels­wei­se nur noch ei­nen Bü­ro­flä­chen­leer­stand von 2,8 Pro­zent. Im Jahr 2014 wa­ren es noch 4,7 Pro­zent. Das ruft neue An­bie­ter und Al­li­an­zen auf den Plan.

Das Bü­ro­ver­mitt­lungs­platt­form shareDnC (sha­re Desk and Cof­fee) und die Ser­vice Part­ner ONE, ein Un­ter­neh­men für di­gi­ta­les Of­fice-Ma­nage­ment, ga­ben in die­ser Wo­che ih­re Zu­sam­men­ar­beit be­kannt.

ShareDnC ist nach ei­ge­nen An­ga­ben die ers­te deutsch­land­wei­te Platt­form zur Un­ter­ver­mie­tung von frei­en Ar­beits­plät­zen so­wie Bü­ro­räu­men und in­te­griert nun die An­ge­bo­te von Ser­vice Part­ner ONE. Die Ver­mitt­lungs­platt­form wur­de im Sep­tem­ber 2015 li­ve ge­schal­tet. ShareDnC hat der­zeit zwölf Mit­ar­bei­ter und ist in 80 deut­schen Städ­ten ver­tre­ten. Zu den Kun­den des Ser­vice Part­ner One zäh­len be­kann­te Un­ter­neh­men wie Sa­les­force, Spo­ti­fy, Twit­ter und das welt­größ­te Co­wor­king-Un­ter­neh­men WeWork.

Wer künf­tig über www.shareDnC.com Platz in sei­nem Bü­ro an­bie­tet, kann sich und sei­ne neu­en Un­ter­mie­ter von Ser­vice Part­ner ONE mit Kaf­fee, Ge­trän­ken, Obst und vie­len wei­te­ren Pro­duk­ten und Ser­vices be­lie­fern las­sen, heißt es in ei­ner Un­ter­neh­mens­mit­tei­lung. Ser­vice Part­ner ONE über­nimmt auf Wunsch auch die Bü­ror­ei­ni­gung und die Aus­stat­tung mit Kaf­fee­voll­au­to­ma­ten so­wie Was­ser­spen­dern. Im Ge­gen­zug kön­nen al­le Kun­den von Ser­vice Part­ner ONE nun auch ih­re un­ge­nutz­ten Räu­me und Schreib­tisch­plät­ze schnell und ein­fach über shareDnC an­bie­ten und so­mit pas­sen­de Un­ter­mie­ter fürs ei­ge­ne Bü­ro fin­den.

Sven Hock, Ge­schäfts­füh­rer und Mit­grün­der von Ser­vice Part­ner ONE setzt auf Sy­ner­gi­en. Die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen den bei­den Un­ter­neh­men soll ins­be­son­de­re Kun­den mit grö­ße­ren Ob­jek­ten zu­gu­te­kom­men, die gan­ze Bü­ro­eta­gen ver­mie­ten. „Ser­vice Part­ner ONE hat viel Er­fah­rung dar­in, Bü­ro­ge­bäu­de ef­fi­zi­ent und smart zu ma­na­gen. Wir ver­sor­gen je­den Tag Tau­sen­de Bü­ro­ar­bei­ter zahl­rei­cher Groß­kun­den, wie das welt­größ­te Co­wor­kin­gUn­ter­neh­men WeWork, mit Kaf­fee, Ge­trän­ken, Obst und küm­mern uns um die Aus­stat­tung mit Of­fice-Equip­ment und die Rei­ni­gung“, sagt Sven Hock.

Die­ser Al­li­anz er­wächst in­des seit we­ni­gen Ta­gen Kon­kur­renz: In die­ser Wo­che ging das Un­ter­neh­men op­ti­ons­pace (www.op­ti­ons­pace.com) an den Markt, ein AirB­nB für Bü­ro­flä­chen. Das Star­t­up aus Ber­lin er­mög­licht Ver­mie­tern ein­zel­ne Räu­me oder gan­ze Bü­ros – mö­bliert und un­mö­bliert – ab ei­nem Mo­nat Lauf­zeit zu ver­mie­ten.

Ne­ben MAKERS, Vi­to One (Seed Ven­ture Arm der Viess­mann Grup­pe), den Hel­pling Grün­dern Be­ne­dikt Franke und Phi­lip Huff­mann, Fac­to­ry Grün­der Udo Schlo­e­mer und wei­te­ren In­ves­to­ren, ha­ben auch die En­kel von Kon­rad Ade­nau­er in das Un­ter­neh­men in­ves­tiert.

Zu­nächst soll der Ser­vice in Ber­lin, München, Hamburg und Frank­furt a. M. ver­füg­bar sein, soll aber in den nächs­ten Wo­chen in wei­te­re deut­sche Groß­städ­te ex­pan­die­ren. Mo­ritz ten Ei­kel­der, Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer sag­te über die Grün­dung von op­ti­ons­pace: „Un­se­re Vi­si­on ist es den Bü­ro­markt zu fle­xi­bi­li­sie­ren, da die­ser bis­lang sehr starr ist und den Be­dürf­nis­sen der Un­ter­neh­men kaum ge­recht wird. Miet­ver­trä­ge für Bü­ro­im­mo­bi­li­en ha­ben in der Re­gel ei­ne fi­xe Lauf­zeit von meh­re­ren Jah­ren, was be­son­ders für dy­na­misch wach­sen­de Fir­men wie Star­tups ein gro­ßes Hin­der­nis ist.“

Der Markt für Bü­ro­im­mo­bi­li­en birgt laut op­ti­ons­pace mit ei­nem jähr­li­chen Miet­vo­lu­men von zir­ka 50 Mil­li­ar­den Eu­ro al­lein in Deutsch­land ein sehr gro­ßes Ge­schäfts­po­ten­zi­al.

Epo­cha­ler Alt­bau mit mo­der­nen Bü­ro­flä­chen: Das Voß­pa­lais in Mit­te

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.