In­ner­ber­li­ni­sche Po­lit­pos­se

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG -

Beim Ar­ti­kel von Ha­rald Mar­ten­stein geht ei­nem das Herz auf! End­lich je­mand, der die skur­ri­len Ge­dan­ken­gän­ge grü­ner Be­den­ken­trä­ger ad ab­sur­dum führt. Der Ber­li­ner Bür­ger hat an­de­re Sor­gen: Ter­ror, Ver­kehrs­staus, Bau­stel­len, Ver­mül­lung durch Ma­trat­zen, Kip­pen, Kaf­fee­be­cher. Aber un­se­re grü­ne Front frönt ih­rer Lieb­lings­be­schäf­ti­gung: der Um­be­nen­ne­ri­tis. Das kos­tet ja auch nur die Ner­ven und das Geld der An­woh­ner, die ih­re Adres­sen, Brief­pa­pier, Stem­pel usw. än­dern müs­sen und da­zu Hun­der­te von Kon­tak­ten be­nach­rich­ti­gen. Die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung hat ein In­ter­es­se an ge­wohn­ten, ver­ständ­li­chen Na­men und emp­fin­det die stän­di­ge Be­schäf­ti­gung mit an den Haa­ren her­vor­ge­zo­ge­nen Pro­ble­men von ei­ni­gen Min­der­hei­ten als über­flüs­sig.

— Lu­zie Hil­lel, Ber­lin

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Mar­ten­stein und Bre­de­kamp (zum Hum­boldt-Fo­rum) ma­chen auf je ei­ge­ne Wei­se ei­nes klar: Die Kräf­te, die un­se­re Ge­gen­wart ideo­lo­gi­sie­ren, in­dem sie die Wahr­neh­mung un­se­rer Ver­gan­gen­heit zu schö­nen su­chen, neh­men zu. Die ein­di­men­sio­na­le und „ge­ziel­te“(Bre­de­kamp), d. h se­lek­ti­ve Re­kon­struk­ti­on his­to­ri­scher Bau­ten für er­in­ne­rungs­ideo­lo­gi­sche Zwe­cke un­ter­schei­det sich kaum von der ge­ziel­ten Schö­nung von Stra­ßen- na­men, wie sie ak­tu­ell im Wed­ding von zu­stän­di­ger po­li­ti­scher Sei­te er­wo­gen wird und die Mar­ten­stein in sei­ner Glos­se mes­ser­scharf als im Grun­de se­xis­tisch und ras­sis­tisch, d. h. ideo­lo­gisch mo­ti­viert ent­larv­te. Ein wei­te­res Bei­spiel sind die al­ler­or­ten wirk­sa­men Sprach­leit­fä­den zur sanf­ten, al­ler­dings eben­falls ideo­lo­gisch mo­ti­vier­ten Er­zwin­gung von „ge­gen­der­ter“Re­de und Schrei­be. Wie lan­ge ist un­se­re Mei­nungs­frei­heit noch ge­gen die­se von al­len Sei­ten auf sie ein­stür­men­den Ideo­lo­gis­men ge­schützt?

— Dr. Her­mann H. Die­ter, Treb­bin

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An­hal­ten­der Ap­plaus! Zugleich taucht die be­sorg­te Fra­ge auf, wie es um den geis­ti­gen Ho­ri­zont der Ab­ge­ord­ne­ten be­stellt ist, die da glau­ben, al­les Ver­gan­ge­ne mit ih­ren heu­ti­gen Maß­stä­ben mes­sen zu müs­sen, die da­zu noch frag­wür­dig sind. Es emp­fiehlt sich, ne­ben Ha­rald Mar­ten­stein das In­ter­view mit

Horst Bre­de­kamp zum Kreuz auf der Schloss­kup­pel zu le­sen.

— Hel­mut Gr­un­wald, Ber­lin-Char­lot­ten­burg

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Ei­ner wur­de ver­ges­sen in die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen: Herr Dr. Mar­tin Lu­ther, der auch „aus sei­ner Zeit her­aus“durch­aus nicht we­nig freund­li­che An- sich­ten be­stimm­ten Mit­men­schen ge­gen­über ver­trat. Wie war des­sen De­mo­kra­tie­ver­hält­nis al­so, na­tür­lich aus heu­ti­ger Sicht? Es wird Zeit, die Evan­ge­li­sche Kir­che muss neue Über­le­gun­gen an­stel­len, Stra­ßen- und Kran­ken­haus­na­men müs­sen ge­än­dert wer­den. Oder et­wa nicht?

— Karl-Ro­bert Ring, Ber­lin-Ma­ri­en­dorf

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Im Ge­gen­satz zur po­li­tisch über­kor­rek­ten Lo­kal­pres­se vor Ort, ver­öf­fent­licht der Ta­ges­spie­gel er­fri­schend un­ter­halt­sa­me wie auch nach­den­kens­wer­te Ko­lum­nen zu Merk­wür­dig­kei­ten und Skur­ri­li­tä­ten aus dem Ta­ges­ge­sche­hen. So be­nennt er in leich­ter Darstel­lung und mit ge­sun­dem Men­schen­ver­stand ei­ne kaum zu glau­ben­de in­ner­ber­li­ni­sche Po­lit­pos­se, die sich aber so oder so ähn­lich in vie­len deut­schen Städ­ten hät­te ab­spie­len kön­nen.

— Wil­helm Pei­ne­mann, Göt­tin­gen

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Herr Mar­ten­stein hat wie­der ei­nen wun­der­ba­ren Bei­trag ge­bracht, wie (fast) im­mer. Er hat re­cher­chiert, die Na­mens­än­de­rer of­fen­bar nicht. Lü­de­ritz heißt ei­ne Stadt und ei­ne Bay in Na­mi­bia, in Ber­lin soll der Na­me nicht sein. Ei­ne Skla­ven­händ­le­rin darf sein!

So­weit zur po­li­ti­cal cor­rect­ness!

— Klaus Krau­se, Ber­lin-Mit­te

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