Tüft­ler in der grü­nen Ga­ra­ge

Um Ener­gie und Mo­bi­li­tät dreht sich fast al­les: Start-ups tüf­teln an Ide­en und tra­di­tio­nel­le Kon­zer­ne hof­fen auf In­spi­ra­ti­on für die Ent­wick­lung neu­er, de­zen­tra­ler Pro­duk­te und Di­enst­leis­tun­gen

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT -

Nicht nur im Si­li­con Val­ley spie­len Ga­ra­gen ei­ne gro­ße Rol­le. Auf sie­ben ehe­ma­li­gen Au­to­stell­plät­zen fei­len auf dem Eu­ref-Ge­län­de Un­ter­neh­mens­grün­der an ih­ren Idee. Zum Bei­spiel Mat­thi­as Hem­mer­le und sei­ne fünf Mit­strei­ter, die den Ener­gie­ver­brauch von Häu­sern um ein Drit­tel re­du­zie­ren wol­len. Mit­hil­fe von Sen­so­ren wird die Raum­tem­pe­ra­tur in je­dem Raum ge­re­gelt und der Ener­gie­ein­satz im ge­sam­ten Haus durch Al­go­rith­men so pass­ge­nau wie mög­lich be­rech­net und re­gu­liert. Im Ja­nu­ar erst ist die Fir­ma mit dem Na­men „Faun­der“ge­grün­det wor­den, und of­fen­bar sind wich­ti­ge Leu­te im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft von dem Ge­schäfts­mo­dell über­zeugt. „Wir ha­ben ge­ra­de ei­nen Zu­wen­dungs­be­scheid über 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro be­kom­men“, er­zählt Hem­mer­le. Da­mit lässt sich ei­ne gan­ze Wei­le le­ben und die Fir­ma ent­wi­ckeln. Die Adres­se passt auch: Gre­en Ga­ra­ge, Tor­gau­er Stra­ße 12.

Um Ener­gie und Di­gi­ta­li­sie­rung dre­hen sich fast al­le un­ter­neh­me­ri­schen und wis­sen­schaft­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten auf dem Cam­pus. Das Ge­län­de und die Ge­bäu­de wer­den weit­ge­hend kli­ma­neu­tral be­wirt­schaf­tet, wo­zu vor al­lem ein mit Bio­gas be­trie­be­nes Block­heiz­kraft­werk der Ga­sag bei­trägt. Und was sich die Prot­ago­nis­ten der Ener­gie­wen­de hier­zu­lan­de wün­schen – ein in­tel­li­gen­tes Strom­netz, mit des­sen Hil­fe die Er­zeu­gung von er­neu­er­ba­rer Ener­gie und der Ver­brauch ab­ge­stimmt wer­den –, das gibt es hier schon. Ein „Mi­cro Smart Grid“er­mög­licht ein Last­ma­nage­ment, in­dem es re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gie­er­zeu­gung, lo­ka­le Ener­gie­ver­brau­cher so­wie Ener­gie­spei­cher ver­bin­det. Die „größ­te Elek­tro­tank­stel­le Deutsch­lands“(Eu­ref-Ei­gen­wer­bung) wird ver­sorgt mit So­lar­strom. Und an Sta­tio­nen für in­duk­ti­ves La­den kön­nen sich dem­nächst au­to­no­me Fahr­zeu­ge selbst­stän­dig auf­la­den.

Zehn grün-wei­ße Au­tos von Cle­ver Shut­tle do­mi­nie­ren das Bild der Strom­tank­stel­le. Der nach dem Sha­ring-Prin­zip funk­tio­nie­ren­de Fahr­dienst ist mit in­zwi­schen 25 Mit­ar­bei­tern in Haus 7 des Eu­ref-Cam­pus an­säs­sig. Mit-Grün­der Bru­no Gin­nuth hat schon ein paar Fi­nan­zie­rungs­run­den – un­ter an­de­rem mit der Bahn und pri­va­ten In­ves­to­ren – gut über­stan­den und plant nun von Schö­ne­berg aus die Ex­pan­si­on: In Mün­chen (15 Au­tos) und Leipzig (13) ist Cle­ver Shut­tle schon un­ter­wegs, im Herbst kommt Ham­burg mit zehn Fahr­zeu­gen da­zu. En­de nächs­ten Jah­res will Gin­nuth knapp 400 Au­tos in den 14 größ­ten deut­schen Städ­ten im Ein­satz ha­ben. „Un­ser Cre­do ist die Elek­tro­mo­bi­li­tät“, sagt der Ma­na­ging Di­rec­tor. Und des­halb sei Eu­ref ge­nau rich­tig. „Es gibt kei­nen an­de­ren Ort in Deutsch­land, wo so vie­le Un­ter­neh­men mit Elek­tro­mo­bi­li­tät zu tun ha­ben.“

Das idea­le Fahr­zeug für den Fahr­dienst wä­re ein elek­tri­scher Klein­bus, doch die Au­to­her­stel­ler ha­ben (noch) nicht die pas­sen­den Pro­duk­te im Pro­gramm. Das wird aber kom­men – ver­mut­lich von dem Un­ter­neh­men, mit dem Gin­nuth der­zeit über ei­ne Part­ner­schaft ver­han­delt. Mit der Bahn und wo­mög­lich VW an Bord könn­te Cle­ver Shut­tle dann von Schö­ne­berg aus dem Ta­xi­ge­wer­be bun­des­weit Kon­kur­renz ma­chen. Da­zu müss­te in­des das Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz ge­än­dert wer­den, da­mit die Au­tos nicht nach je­dem Auf­trag zum Aus­gangs­punkt zu­rück­fah­ren müs­sen.

„Die vir­tu­el­le Ver­net­zung hat Gren­zen, gu­te Ide­en ent­ste­hen durch Face-toFace-Kon­tak­te“, sagt Han­no Bal­zer, Ge­schäfts­füh­rer von Vat­ten­fall Ener­gy So­lu­ti­ons, der vor ein paar Wo­chen auf „den Stand­ort mit In­no­va­ti­ons­cha­rak­ter“ge­zo­gen ist. Bei Vat­ten­fall, der schwe­di­sche Kon­zern be­treibt in Ber­lin ne­ben dem Strom- auch das Fern­wär­me­netz, geht es pri­mär um neue Lö­sun­gen für das de­zen­tra­le Wär­me­ge­schäft. Das neue Un­ter­neh­men will sich kon­zen­trie­ren auf Vo­r­Ort-Lö­sun­gen für Kun­den aus der Woh­nungs­wirt­schaft, öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen, Ge­wer­be und Di­enst­leis­tun­gen. Für neue An­sät­ze sei der Eu­ref ide­al, er­gänzt Carl Til­le, Ge­schäfts­lei­ter von Schnei­der Electric, die ih­ren Ver­trieb vom Eu­ref aus steu­ern. Im Kern geht es um die Ener­gie­ef­fi­zi­enz in Ge­bäu­den. Wenn die Hül­le des Hau­ses dicht, al­so hin­rei­chend ge­dämmt ist, und die Heiz­quel­le auf dem neu­es­ten Stand und über­dies be­feu­ert mit er­neu­er­ba­rer Ener­gie, dann bleibt noch Spar­po­ten­zi­al in der Ge­bäu­de­leit­tech­nik. Und beim Ener­gie­ma­nage­ment. Viel­leicht kom­men an die­sem Punkt die Kon­zer­ne Vat­ten­fall und Schnei­der mit den Jungspun­den von Faun­der zu­sam­men. Die Ga­ra­ge mit Mat­thi­as Hem­mer­le steht um die Ecke.

At­trak­ti­on: Der au­to­nom fah­ren­de Klein­bus mit dem Na­men „Ol­li“könn­te ir­gend­wann als Shut­tle zwi­schen Cam­pus und S-Bahn­hof Schö­ne­berg ver­keh­ren.

Für mo­der­ne Mo­bi­li­tät steht Cle­ver Shut­tle, die Fir­ma hat ih­ren Sitz auf dem Eu­ref.

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