Wind­spiel und Feu­er­trom­mel

Klang der Ele­men­te: Al­te Mu­sik, Tän­zer und Blas­mu­si­ker er­öff­nen die Mu­sik­fest­spie­le Pots­dam Sans­sou­ci

Der Tagesspiegel - - KULTUR -

Auf dem Weg zur Er­kennt­nis führt nichts an der Aus­ein­an­der­set­zung mit den vier Ele­men­ten vor­bei. Zu­min­dest nicht in Sans­sou­ci, wo Fried­rich II. an der Gro­ßen Fon­tä­ne und da­mit vor dem Auf­stieg zu sei­nem Phi­lo­so­phen­schlöss­chen Sta­tu­en auf­stel­len ließ, die al­le­go­risch Er­de, Feu­er, Was­ser und Luft ver­kör­pern.

Die Mu­sik­fest­spie­le Pots­dam Sans­sou­ci neh­men das zum An­lass, um die ak­tu­el­le Fes­ti­va­l­aus­ga­be un­ter das Mot­to der vier Ele­men­te zu stel­len und so­mit auch die Ver­bin­dung mit dem kunst- und ge­schichts­träch­ti­gen Aus­tra­gungs­ort zu be­to­nen. Voll­stän­di­ge Be­herr­scher der Na­tur sind die Fest­spie­le al­ler­dings eben­so we­nig wie Fried­rich: Brach­ten des­sen Tech­ni­ker es zeit ih­res Le­bens nicht fer­tig, die Fon­tä­ne zum Spru­deln zu brin­gen, er­zwin­gen bei der Er­öff­nung des Fes­ti­vals hef­ti­ge Wind­bö­en und Re­gen­fäl­le ei­ne Ver­la­ge­rung des ge­plan­ten nächt­li­chen Auf­tak­t­ri­tu­als mit Tanz und Mu­sik vom Park in die Frie­dens­kir­che. Zwi­schen de­ren si­che­ren Mau­ern ha­ben zu­vor Olof Bo­man so­wie der Baltha­sar-Ne­u­mann-Chor mit sei­nem Orches­ter oh­ne Ge­fahr für Ge­sund­heit und Gar­de­ro­be die Na­tur­ge­wal­ten ent­fes­selt.

Das Pro­gramm reicht da­bei von Gi­a­co­moCa­ris­si­mis kom­pak­tem Jo­nas-Ora­to­ri­um mit sei­nen die Win­de sym­bo­li­sie­ren- und Sven-Da­vid Sand­ström. Mehr noch als das Ele­men­te-The­ma wer­den die Be­herr­schung der Viel­falt und der ge­konn­te ste­ti­ge Wech­sel von so­lis­ti­schen und cho­ri­schen Auf­ga­ben zum ro­ten Fa­den.

Dem viel­sei­ti­gen Olof Bo­man, der ein dra­ma­tisch und plas­tisch den­ken­der Al­te-Mu­sik-Spe­zia­list ist und zugleich von der Chor­tra­di­ti­on sei­ner schwe­di­schen Hei­mat mit ih­ren tra­gen­den of­fe­nen Klän­gen ge­prägt ist, ver­mag es da­bei, sein En­sem­ble und die Hö­rer so sou­ve­rän in bei­de Wel­ten zu ent­füh­ren, dass die ka­lei­do­sko­par­ti­ge Pro­gramm­ge­stal­tung im­mer an­re­gend wirkt, statt zu ver­wir­ren.

Stär­ker fo­kus­siert auf das Fes­ti­valthe­ma wirkt in­des die an­schlie­ßen­de ri­tu­el­le Tanz­per­for­mance, in der Mo­mo San­no die phy­si­schen Er­schei­nungs­for­men der Ele­men­te in vier So­li spie­gelt und als Aus­druck mensch­li­cher Kör­per­lich­keit er­fahr­bar macht. Mehr als hüb­sche op­tisch-akus­ti­sche Spie­le­rei denn als be­we­gen­de Klang­dar­bie­tun­gen wir­ken das von To­ny Di Na­po­li aus Kalk­stein ge­fer­tig­te Li­tho­phon so­wie die aus Glas ge­fer­tig­ten Blas­in­stru­men­te, mit de­nen das En­sem­ble So­plar­te da­nach die bei ei­nem Glas Sekt im Kreuz­gang fla­nie­ren­den Gäs­te un­ter­hält. Nur das Duo Ttu­ku­nak kann mit ei­nem sich wild und tran­ce­ar­tig stei­gern­den Du­ett auf dem tra-

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