Aus­bil­dung zum In­ter­net-Star

In Ber­lin gibt es die ers­te In­flu­en­cer-Aca­de­my

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT -

War­um jün­ge­re Men­schen im Netz pro­mi­nent wer­den wol­len und wie Kon­zer­ne das für sich nut­zen

Ber­lin - Ein DJ-Pär­chen aus München, das be­rühmt wer­den möch­te; ei­ne ge­lern­te De­si­gne­rin, die nach Jah­ren des Haus­frau- und Mut­ter­da­seins ei­ne neue Auf­ga­be sucht; ei­ne Stu­den­tin, die schon im­mer ne­ben­bei ein biss­chen ge­mo­delt hat. Das sind drei von 15 Men­schen, die vor gut ei­ner Wo­che am al­ler­ers­ten Se­mi­nar der neu ge­grün­de­ten In­flu­en­cer Mar­ke­ting Aca­de­my in Ber­lin teil­ge­nom­men ha­ben.

Um an ei­nem Tag zu ler­nen, wie sie in den so­zia­len Netz­wer­ken oder mit ei­nem ei­ge­nen Blog er­folg­reich wer­den und was sie als Selbst­stän­di­ge recht­lich be­ach­ten müs­sen, ha­ben die Frau­en und Män­ner 399 Eu­ro ge­zahlt. Die Nach­fra­ge, sagt Lei­ter Sa­scha Schulz, sei „über­wäl­ti­gend“ge­we­sen. So über­wäl­ti­gend, dass die Ver­an­stal­tung und der Do­zen­ten­stamm schon jetzt grö­ßer wer­den sol­len.

Die Aka­de­mie ge­hört zu Ecomex, ei­nem bun­des­weit tä­ti­gen und zer­ti­fi­zier­ten An­bie­ter für be­ruf­li­che Aus- und Wei­ter­bil­dung. Ne­ben den Work­shops gibt es sie­ben­wö­chi­ge Fort­bil­dun­gen, die sich zum ei­nen an an­ge­hen­de In­flu­en­cer rich­ten und zum an­de­ren an An­ge­stell­te, die in ih­rem Un­ter­neh­men In­flu­en­cer Mar­ke­ting Ma­na­ger wer­den wol­len. Kos­ten­punkt: 5000 Eu­ro.

Laut Schulz stün­de die Wei­ter­bil­dungs­in­dus­trie in die­sem

Be­reich hier­zu­lan­de ganz am An­fang.

Des­we­gen ver­blüff­te auch die

Nach­richt vor Kur­zem, dass der Ver­sand­händ­ler Ot­to ei­ge­ne In­flu­en­cer im Un­ter­neh­men her­an­zie­hen wol­le. 100 Mit­ar­bei­ter soll­ten dem­nach bei ei­nem in­ter­nen Fort­bil­dungs­pro­gramm mit­ma­chen. Das Ziel sei laut ei­nem Spre­cher al­ler­dings nicht, dass die An­ge­stell­ten künf­tig den gan­zen Tag auf Ins­ta­gram pos­ten, wie toll die Pro­duk­te von Ot­to sind. Viel­mehr will das Un­ter­neh­men in Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels für sich als Ar­beit­ge­ber wer­ben.

Wer wol­le, kön­ne sich ei­nes von sechs Pro­fi­len an­eig­nen: Der Mul­ti­pli­ka­tor teilt und kom­men­tiert bei­spiels­wei­se dem­nächst Bei­trä­ge von Ot­to in so­zia­len Netz­wer­ken oder schreibt, wie sein Ar­beits­all­tag so aus­sieht. Der So­cia­li­zer ver­tritt das Un­ter­neh­men auf ex­ter­nen Re­cruit­in­gVer­an­stal­tun­gen. Der Kon­tak­ter steht als An­sprech­part­ner für Be­wer­ber­fra­gen zur Ver­fü­gung und be­glei­tet die zu­künf­ti­gen Kol­le­gen bis zu ih­rem ers­ten Ar­beits­tag.

„Die bes­ten Bot­schaf­ter für Ot­to sind un­se­re Kol­le­gen“, sagt An­ge­li­na Pei­pers, Ju­ni­or-Re­fe­ren­tin im Per­so­nal­mar­ke­ting. „Nie­mand kann so glaub­wür­dig über die Ar­beits­at­mo­sphä­re, die an­ste­hen­den Auf­ga­ben und das po­ten­zi­el­le neue Team be­rich­ten.“Auch hier geht es al­so letzt­lich um das, was die Wir­kung von In­flu­en­cern aus­ma­chen soll: Nä­he und Au­then­ti­zi­tät.

Dar­über hin­aus küm­mert sich aber auch beim Ver­sand­kon­zern schon jetzt ein Team al­lein um die Zu­sam­men­ar­beit mit jun­gen Men­schen, die auf Ins­ta­gram und Youtube ei­ne rie­si­ge Fan­ge­mein­de ha­ben und mit Ot­to zu­sam­men­ar­bei­ten wol­len. „Das ist ein gro­ßes und wich­ti­ges The­ma“, heißt es.

Ot­to will 100 ei­ge­ne Bot­schaf­ter aus­bil­den und für sich wer­ben

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