Ei­ner ging zu Bo­den

Eklat bei Dis­kus­si­on im Bür­ger­amt über die AfD mit Lea Rosh: Po­li­zei nahm Per­so­na­li­en von Stö­rern auf

Der Tagesspiegel - - BERLIN -

AmEn­de, ge­gen 22 Uhr, stan­den acht Po­li­zis­ten im Ein­gang des Bür­ger­am­tes Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf und nah­men Per­so­na­li­en auf. Es war An­zei­ge er­stat­tet wor­den we­gen Haus­frie­dens­bruchs. Und lan­ge beb­ten vie­le Her­zen vor Er­re­gung. Es war ge­brüllt und ge­ran­gelt wor­den an die­sem Mon­tag­abend, der so ernst und sach­lich be­gon­nen hat­te. Die meis­ten der knapp sech­zig Zu­hö­rer dürf­ten ei­ne sol­che Er­fah­rung erst­mals ge­macht ha­ben.

Ein­ge­la­den zu der Ver­an­stal­tung hat­te Lea Rosh. Durch ih­re Initia­ti­ve war einst das Denk­mal für die er­mor­de­ten Ju­den Eu­ro­pas ent­stan­den, bis heu­te strei­tet sie ge­gen deut­sche Ge­schichts­ver­ges­sen­heit und rech­te Um­trie­be. Ti­tel der Ver­an­stal­tung: „Wie ge­hen wir mit der AfD um? Dis­ku­tie­ren? Be­kämp­fen? Wie? Al­so wie?“

Auf dem Po­di­um saß Mar­tin Pat­zelt, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der CDU, der Flücht­lin­ge aus Eri­trea bei sich zu Hau­se auf­nimmt und sei­nen Wahl­kreis in Frank­furt (Oder) ge­gen Alexander Gau­land von der AfD ge­won­nen hat­te. „Wir wer­den sie nicht ja­gen – wir wer­den sie ent­zau­bern“, sag­te Pat­zelt über die AfD. Ne­ben ihm Re­na­te Kü­n­ast von den Grü­nen. „Die AfD, die nun im Bun­des­tag sitzt, wird ver­su­chen, un­se­re par­la­men­ta­ri­sche De­mo­kra­tie zu zer­stö­ren“, sag­te sie. Lea Rosh mo­de­rier­te, der Au­tor die­ser Zei­len war auch auf dem Po­di­um.

Dis­ku­tiert wur­de zu­nächst un­ter­ein­an­der, dann frag­te das Pu­bli­kum. Ein Mann mit Bart, et­wa 35 Jah­re alt, ver­tei­dig­te das AfD-Pro­gramm – zu­neh­mend lau­ter und ag­gres­siv. Dies sei Deutsch­land, sag­te er, die Aus­län­der müss­ten raus. Schließ­lich ging er brül­lend zum Po­di­um und we­del­te mit ei­nem Buch her­um, in dem rechts­na­tio­na­le Em­ble­me ab­ge­hef­tet wa­ren.

Ei­ni­ge Zu­hö­rer stell­ten sich dem Stö­rer in den Weg und for­der­ten ihn auf, die Ver­an­stal­tung zu ver­las­sen. Der wei­ger­te sich. Ein an­de­rer Mann, der of­fen­bar zu dem Pro­vo­ka­teur ge­hör­te, film­te das Ge­sche­hen. Lea Rosh ließ ab­stim­men: „Wer ist da­für, dass die bei­den den Saal ver­las­sen?“Al­le wa­ren es. Der Mann lach­te, die La­ge es­ka­lier­te, ei­ner ging zu Bo­den, ver­letzt wur­de nie­mand.

„Wir dür­fen nicht zu­las­sen, dass un­se­re Ver­an­stal­tun­gen ge­stört und so­gar ge­sprengt wer­den“, bi­lan­zier­te Lea Rosh, das nächs­te Mal müs­se man die Po­li­zei schnel­ler ru­fen. „Denn das ist de­ren Me­tho­de.“Gut mög­lich, dass dem­nächst ir­gend­wo ein Vi­deo auf­taucht, in dem es höh­nisch heißt: Seht her, so ge­hen Flücht­lings­hel­fer mit An­ders­den­ken­den um. Ge­las­sen blei­ben in sol­chen Zei­ten? Die Zu­mu­tun­gen meh­ren sich.

Fo­to: dpa, Brit­ta Pedersen

En­ga­giert. Lea Rosh strei­tet ge­gen Ge­schichts­ver­ges­sen­heit.

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