Der dis­kre­te Reich­tum der Aja­tol­lahs

Irans Eli­te und ih­re Mil­li­ar­den- Ge­schäf­te

Der Tagesspiegel - - POLITIK - Tho­mas Sei­bert

Istanbul - Mit­glie­der der ira­ni­schen Eli­te neh­men es mit dem is­la­mi­schen Ge­bot der Be­schei­den­heit of­fen­bar nicht im­mer sehr ge­nau. So soll Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer Ali Cha­men­ei ei­nen Staats­fonds von fast 100 Mil­li­ar­den Dol­lar kon­trol­lie­ren, ein Kom­man­deur der Re­vo­lu­ti­ons­gar­den hat den Spitz­na­men „Ge­ne­ral Mil­li­ar­där“, ein Te­he­ra­ner Spit­zen­po­li­ti­ker ver­fügt über Dut­zen­de Bank­kon­ten. Nun wird die im Iran auf der Füh­rungs­ebe­ne weit ver­brei­te­te Kor­rup­ti­on ein in­ter­na­tio­na­les The­ma. Kurz vor der Wie­der­ein­füh­rung von US-Sank­tio­nen am kom­men­den Mon­tag pran­gert Washington il­le­ga­le Reich­tü­mer der Füh­rungs­spit­ze in Te­he­ran an, um den Un­mut in der ira­ni­schen Be­völ­ke­rung an­zu­hei­zen.

Dass vie­le Amts­trä­ger kor­rupt sind, ist für die Ira­ner nichts Neu­es, be­tont Ex­per­te Ali Va­ez. „Neu ist, dass die ame­ri­ka­ni­sche Re­gie­rung das The­ma be­nutzt, um In­sta­bi­li­tät im Iran zu schaf­fen“, sagt Va­ez, Direktor des Iran-Pro­jekts bei der In­ter­na­tio­nal Cri­sis Group. US-Au­ßen­mi­nis­ter Micha­el Pom­peo sprach ver­gan­ge­ne Wo­che über die „heuch­le­ri­schen hei­li­gen Män­ner“in Te­he­ran, de­ren Re­gie­rung ei­ner Ma­fia-Ban­de glei­che.

Schon vor fünf Jah­ren deck­te die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters die Ma­chen­schaf­ten des von Cha­men­ei kon­trol­lier­ten Fonds Se­tad auf, der ein Ver­mö­gen von 95 Mil­li­ar­den Dol­lar be­sitzt und un­ter an­de­rem mit der Zwangs­ent­eig­nung von Im­mo­bi­li­en viel Geld ver­dient. Hin­wei­se auf ei­ne per­sön­li­che Be­rei­che­rung durch Cha­men­ei fan­den sich nicht, doch an­de­re Mit­glie­der der Eli­te sind of­fen­bar we­ni­ger zu­rück­hal­tend. Sa­dek La­ri­dscha­ni, der Chef der ira­ni­schen Jus­tiz, sieht sich mit de­mVor­wurf kon­fron­tiert, mehr als 60 Bank­kon­ten mit ei­nem Mil­lio­nen­ver­mö­gen zu be­sit­zen. An­geb­lich zah­len An­ge­klag­te in Ge­richts­ver­fah­ren auf die­se Kon­ten ein. La­ri­dscha­ni be­tont, das Geld ge­hö­re nicht ihm selbst, son­dern der Jus­tiz. Sa­dek Mahs­u­li, frü­her Kom­man­deur der Re­vo­lu­ti­ons­gar­de, trieb es so bunt, dass er als „Ge­ne­ral Mil­li­ar­där“be­kannt wur­de. Von Par­la­men­ta­ri­ern be­fragt, er­klär­te Mahs­u­li: Aya­tol­lah Ru­hol­lah Cho­men­ei, Grün­der der Is­la­mi­schen Re­pu­blik, ha­be sich nur ge­gen die Ar­ro­ganz der Pa­last­be­woh­ner aus­ge­spro­chen. „Aber nicht ge­gen das Le­ben im Pa­last an sich.“

Es be­ste­he kein Zwei­fel dar­an, dass Mit­glie­der der ira­ni­schen Füh­rung „gro­ßen Reich­tum“an­ge­häuft hät­ten, sagt Ali Fa­thol­lah-Ne­jad vom Broo­kings Do­ha-Zen­trum in Ka­tar. „Wir ha­ben es mit ei­ner Olig­ar­chie zu tun, in der po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Macht nicht von­ein­an­der zu tren­nen sind.“Der Iran-Ken­ner schätzt, dass ein Teil des il­le­gal zu­sam­men­ge­raff­ten Gel­des für Te­he­rans au­ßen­po­li­ti­sche Aben­teu­er in Sy­ri­en oder Li­ba­non ver­wen­det wird.

Ali Cha­men­ei

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