Von Mer­kel zu Merz

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG - — Dr. med. Tho­mas Scholz, Ber­lin-Te­gel — Pe­ter Lach­mann, Ber­lin-Dah­lem — Prof. Dr. Wolf-Rü­di­ger Heil­mann, Ber­lin-Schö­ne­berg — Pe­ter Holl­mann, Ber­lin-Kö­pe­nick — Hu­bert Pomp­lun, Beetz­see­hei­de

„Was wä­re wenn ...? Die Kanz­le­rin gibt den Par­tei­vor­sitz ab. Das wirkt sich auf al­le Re­gie­rungs­par­tei­en aus. Kann die Gro­ko über­le­ben?“vom 5. No­vem­ber Der Gro­ßen Ko­ali­ti­on hat das nicht nach­voll­zieh­bar sanf­te Um­ge­hen mit der Au­to­in­dus­trie das Ge­nick ge­bro­chen und da­mit die ge­täusch­ten Die­sel­fahr­zeug­käu­fer im Re­gen ste­hen las­sen. Hin­zu ka­men die Ex­trem­wet­ter­la­gen und der Dür­re-Som­mer in die­sem Jahr, die auf­schreck­ten und die Dring­lich­keit auf­zeig­ten, end­lich ent­schie­den al­les für den Kli­ma­schutz zu tun statt Ziel­auf­wei­chun­gen. Die Flücht­lings­po­li­tik ist beim Wäh­ler­wan­dern nach­ran­gig ge­we­sen, erst 2018 ge­riet auch die CDU und die Kanz­le­rin in den Sink­flug, da­vor nur ge­ring.

Der Wäh­lers­hift zu den Grü­nen ist viel stär­ker als der zur AfD. Wenn die CDU in die­ser Si­tua­ti­on nun mit

Merz ei­nen Ver­tre­ter des Groß­ka­pi­tals mit en­ger Ver­ban­de­lung zu Heu­schre­cken­fir­men zu ih­rem Vor­sit­zen­den ma­chen wür­de, wä­re die­se Par­tei auch für den Mit­tel­stand nicht mehr wähl­bar. Per­du So­zi­al­ethik beim wirt­schaft­li­chen Han­deln, per­du Kli­ma­und Um­welt­schutz zum Be­wah­ren ei­nes le­bens­zu­träg­li­chen Pla­ne­tens für En­kel und Uren­kel, statt­des­sen wei­ter das Aus­ein­an­der­sche­ren zwi­schen Arm und Reich, dass vie­le Durch­schnitts­bür­ger am ei­ge­nen

Leib er­fah­ren ha­ben. Si­cher, Pro­fi­teu­re wer­den Merz wäh­len, aber nicht die Mas­se des Vol­kes. Es wä­re scha­de um die CDU.

Ei­ne Bit­te, Schluss mit dem Her­bei­re­den des En­des von Frau Mer­kels Kanz­ler­schaft. Wür­di­gun­gen kön­nen ge­schrie­ben wer­den, wenn sie auch die­ses Amt ab­gibt. Ich per­sön­lich hof­fe, sie be­hält es bis zum En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode, da­mit die Par­tei­en Zeit ha­ben, sich zu sor­tie­ren.

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An­ge­la Mer­kel bleibt Kanz­le­rin, auch ein Rück­tritt als Par­tei­vor­sit­zen­de der CDU ist nicht er­folgt. Sie tritt nur, nach 18 (!) Jah­ren in die­sem Amt, nicht zur Wie­der­wahl an. Der Um­fang, die An­zahl und der In­halt der Be­rich­te, Kom­men­ta­re, Vor­her­sa­gen, Spe­ku­la­tio­nen da­zu steht in kei­nem Ver­hält­nis zu ei­nem sol­chen Vor­gang! Ver­glei­chen Sie Ih­re Be­rich­te zu neu­en Chefs bei der SPD, ei­ner Par­tei, die ih­re Vor­sit­zen­den wech­selt wie der HSV sei­ne Trai­ner.

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Die Kom­men­ta­re und Ar­ti­kel aus An­lass der Rück­tritts­an­kün­di­gung von An­ge­la Mer­kel, lo­ben uni­so­no ih­re Ner­ven­stär­ke, die sie als Kanz­le­rin ins­be­son­de­re in der Fi­nanz­kri­se von 2008 ge­zeigt ha­be. Das er­weckt den Ein­druck, als wenn zu­min­dest ei­ni­ge ih­rer sie­ben Vor­gän­ger im Amt des Re­gie­rungs­chefs wah­re Ner­ven­bün­del ge­we­sen sei­en. Mir ist das nicht er­in­ner­lich.

Da­ge­gen liest man we­nig über Leis­tun­gen, für die man ei­ne ge­stal­ten­de Kanz­le­rin der letz­ten drei­zehn Jah­re hät­te lo­ben kön­nen: Dass sie un­ser Land mit Blick auf die Jahr­hun­dert-Her­aus­for­de­run­gen Glo­ba­li­sie­rung und Mi­gra­ti­on wet­ter­fest ge­macht hät­te, dass sie die Pro­ble­me der Di­gi­ta­li­sie­rung, der Al­ters­vor­sor­ge, der E-Mo­bi­li­tät, des Woh­nungs­baus, der Pfle­ge, der Steu­er etc. früh­zei­tig und be­herzt an­ge­packt und ge­löst hät­te und so wei­ter. Oder gibt es da nichts zu schrei­ben und zu rüh­men?

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Wenn die CDU wirk­lich den Mut hat, wie­der Ver­trau­en bei den ab­ge­wan­der­ten Wäh­lern zu­rück­zu­ge­win­nen, dann wählt sie Fried­rich Merz.

Bei den zur FDP ab­ge­wan­der­ten Wäh­lern, die ent­täuscht sind über de­ren Ver­hal­ten bei den letz­ten Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­chen. Bei den loya­len Bür­gern, die mit Be­den­ken die AFD ge­wählt ha­ben, nur um der Mer­kelCDU ei­nen Denk­zet­tel zu ver­pas­sen, aber mit der kla­ren Er­war­tung, dass der AFD kei­ne Füh­rungs­ver­ant­wor­tung in den Re­gie­run­gen von Bund und Län­dern zu­kom­men darf. Bei den Wech­sel­wäh­lern zu den Grü­nen mit de­ren ju­gend­li­chem ak­ti­ven Auf­bruch zu gu­ten Zie­len, oh­ne an die wirt­schaft­li­chen Be­las­tun­gen für In­dus­trie, Wirt­schaft, Staat und uns Ver­brau­cher zu den­ken. Und nicht zu­letzt bei den ent­täusch­ten NochCDU-Wäh­lern.

Fried­rich Merz ist ei­ner der ein­zi­gen, der mit ei­nem kla­ren Bild der CDU wie­der Ver­trau­en bei dem ak­tiv ar­bei­ten­den Mit­tel­stand An­er­ken­nung zu­rück­ge­win­nen kann, so­wie den Frau­en und Män­nern als Fach­ar­bei­ter in In­dus­trie und Hand­werk, der Land­wirt­schaft, in Ver­wal­tung, Di­enst­leis­tung,dem Ge­sund­heits­we­sen und der Wis­sen­schaft als Selbst­stän­di­ge, An­ge­stell­te oder Ma­na­ger. Un­ter Frau Kramp-Kar­ren­bau­er und Herrn La­schet wür­de die bis­he­ri­ge Mer­kel-Li­nie fort­ge­führt wer­den, und Herr Spahn soll­te sich erst ein­mal in dem har­ten Job ei­nes Bun­des­mi­nis­ters be­wäh­ren.

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Was für ein schö­nes Bei­spiel für den Spruch: „Kei­ne ist so schlecht wie ihr Ruf, kei­ne ist so gut wie ihr Nach­ruf“– hier mit star­ker Be­to­nung auf der zwei­ten Satz­hälf­te.

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