Pro­jekt Wie­der­ver­ei­ni­gung

Die neue CDU-Vor­sit­zen­de An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er macht Paul Zie­mi­ak zum Ge­ne­ral­se­kre­tär – ein Si­gnal an die Kon­ser­va­ti­ven

Der Tagesspiegel - - VORDERSEITE -

Ham­burg/Ber­lin - Ei­nen Tag nach ih­rer Wahl zur CDU-Vor­sit­zen­den hat An­ne­gret Kramp- Kar­ren­bau­er ih­re ers­te wich­ti­ge Per­so­nal­ent­schei­dung ge­trof­fen: Paul Zie­mi­ak, Chef der Nach­wuchs­or­ga­ni­sa­ti­on Jun­ge Uni­on, wird Ge­ne­ral­se­kre­tär an der Sei­te der neu­en Che­fin. Doch für den 33-Jäh­ri­gen gab es am Sams­tag beim CDU-Bun­des­par­tei­tag in Ham­burg gleich ei­nen Dämp­fer: Nur knapp 63 Pro­zent der De­le­gier­ten ga­ben dem Sau­er­län­der ih­re Stim­me. Das ver­hält­nis­mä­ßig schlech­te Er­geb­nis könn­te als Zei­chen ge­wer­tet wer­den, dass die Par­tei nach dem in­ten­si­ven Wett­be­werb um den Par­tei­vor­sitz noch Zeit braucht, um Grä­ben zu schlie­ßen. „Ich dan­ke euch für die­ses ehr­li­che Er­geb­nis“, sag­te Zie­mi­ak.

Zie­mi­ak kön­ne der CDU auf die­sem Pos­ten hel­fen, wie­der mehr jun­ge Menschen zum Ein­tritt in die Par­tei zu be­we­gen, sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er über den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, der sein neu­es Amt di­rekt von ihr über­nimmt. Sie wi­der­sprach der Darstel­lung in Kom­men­ta­ren, nach der Kampf­kan­di­da­tur um den Par­tei­vor­sitz ge­be es tie­fe Ris­se in der CDU: „Nein, die Par­tei ist nicht ge­spal­ten.“

Die Ent­schei­dung für Zie­mi­ak wird den­noch als Si­gnal Kramp-Kar­ren­bau­ers ge­wer­tet, ei­ne tie­fe­re Spal­tung der Par­tei ver­hin­dern zu wol­len. Der neu ge­wähl­te Ge­ne­ral­se­kre­tär gilt als Freund von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn – der sich eben­falls um­den Par­tei­vor­sitz be­wor­ben hat­te, am Frei­tag aber be­reits im ers­ten Wahl- gang aus­ge­schie­den war. Mit der Per­so­na­lie kann Kramp-Kar­ren­bau­er nun die kon­ser­va­ti­ven Kri­ti­ker der Po­li­tik der bis­he­ri­gen Vor­sit­zen­den An­ge­la Mer­kel und die Jun­gen in der Par­tei ein­bin­den.

Zie­mi­ak be­warb sich mit ei­nem Be­kennt­nis zu pa­trio­ti­schen und klas­sisch kon­ser­va­ti­ven Wer­ten. Vor den De­le­gier- ten for­der­te er die Er­neue­rung der Par­tei „mit ei­nem kla­ren Kurs und ei­ner kla­ren Spra­che. Wir müs­sen die Par­tei des Rechts­staats sein“. Er sprach sich für ei­ne kon­se­quen­te Ab­schie­bung ter­ro­ris­ti­scher Ge­fähr­der aus, ver­wech­sel­te in sei­nen Aus­füh­run­gen al­ler­dings den Fall des nach Tu­ne­si­en ab­ge­scho­be­nen mut­maß­li­chen Ex-Leib­wäch­ters von Osa­ma bin La­den, Sa­mi A., mit dem dem des At­ten­tä­ters vom Ber­li­ner Breit­scheidtplatz, Anis Am­ri.

Zum strit­ti­gen The­ma UN-Mi­gra­ti­ons­pakt leg­te der Par­tei­vor­stand den De­le­gier­ten ei­nen ei­ge­nen An­trag vor, der auch ver­ab­schie­det wurde. Die Par­tei­füh­rung kam da­mit Kri­ti­kern zu­vor, die mög­li­cher­wei­se ei­nen ei­ge­nen An­trag ein­brin- gen woll­ten und auf ein ne­ga­ti­ves Vo­tum setz­ten. Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Ralf Brink­haus ver­tei­dig­te den Pakt als „Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung“zur bes­se­ren in­ter­na­tio­na­len Steue­rung von Mi­gra­ti­on, die im deut­schen In­ter­es­se lie­ge. Mer­kel reist an die­sem Sonn­tag zu ei­nem UN-Gip­fel nach Ma­rok­ko, wo der Pakt am Mon­tag an­ge­nom­men wer­den soll. Der Par­tei­tag be­schloss zu­dem, den So­li­da­ri­täts­zu­schlag bis En­de 2021 voll­stän­dig ab­zu­schaf­fen. Das geht über den Ko­ali­ti­ons­ver­trag mit der SPD hin­aus. Doch heißt es in dem An­trag auch: „Da­bei hal­ten wir am Ziel ei­nes aus­ge­gli­che­nen Haus­halts oh­ne neue Schul­den fest.“dpa/Tsp

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