„Weil heu­te et­was Neu­es be­ginnt“

Paul Zie­mi­ak wird CDU- Ge­ne­rals­kre­tär

Der Tagesspiegel - - POLITIK - Ro­bert Birn­baum

An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er sieht sich zur De­kon­spi­ra­ti­on ge­nö­tigt. Um ih­ren künf­ti­gen Ge­ne­ral­se­kre­tär gibt es so vie­le bö­se Ge­rüch­te auf dem Ham­bur­ger Par­tei­tag – da­ge­gen hilft nur of­fe­nes Vi­sier. Ja, be­rich­tet Kramp-Kar­ren­bau­er, sie hat Paul Zie­mi­ak schon vor der Wahl zur CDU-Che­fin ge­fragt, ob er im Fall des Fal­les ihr Par­tei­ma­na­ger wer­den wür­de. Zie­mi­ak ha­be ihr aber ge­sagt, dass er schon al­lei­ne als West­fa­le ih­re Kon­kur­ren­ten un­ter­stüt­ze. „Das ist auch rich­tig so, dass man zu sei­nen Loya­li­tä­ten steht“, sagt sie. Aber spät beim De­le­gier­ten­abend „am Rand der Tanz­flä­che“ha­be sie mit ihm noch ein­mal ge­re­det. „Es fühlt sich im­mer noch rich­tig an.“Dies­mal sag­te der JU-Vor­sit­zen­de zu.

Zie­mi­ak kennt die bö­sen Ge­rüch­te na­tür­lich auch. Sie wer­den von Leu­ten in Um­lauf ge­bracht, die auf Fried­rich Merz ge­setzt hat­ten. Zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Wahl­gang zwi­schen den drei Be­wer­bern um den CDU-Vor­sitz wa­ren 67 De­le­gier­te von Jens Spahn zu AKK um­ge­schwenkt. „Die hat sich Paul als Ge­ne­ral­se­kre­tär ge­kauft, und der hat ihr die JU-Stim­men ge­bracht“, be­haup­tet ei­ner der Ent­täusch­ten.

Die Zu­sa­ge des 33-Jäh­ri­gen löst al­ler­dings auch oh­ne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en bei man­chen Stirn­run­zeln aus. Bis­her kann­te man ihn als Teil ei­nes Tri­um­vi­rats der An­ti-Mer­kel-Stich­ler mit Spahn und Mit­tel­stands­chef Cars­ten Lin­ne­mann. Auch Zie­mi­ak selbst geht auf die­se Be­den­ken ein. „Wenn du aus'm Sau­er­land kommst, dann kannst du das doch schwer an­neh­men“, hät­ten ihn die ei­ge­nen Leu­te ge­warnt. Er ha­be sich an­ders ent­schie­den, „weil heu­te et­was Neu­es be­ginnt“.

Tat­säch­lich spricht für ihn aus Kramp-Kar­ren­bau­ers Sicht ja ge­ra­de, dass ihr Nach­fol­ger im Amt bis­her im La­ger ih­rer Kon­kur­ren­ten stand. Dass der Jun­ge sich in der mo­der­nen po­li­ti­schen Kriegs­füh­rung per Twit­ter und Whats­app aus­kennt, ist nur ein Sei­ten­as­pekt. Nein, die Merz-An­hän­ger ein­zu­bin­den ist ih­re ers­te schwe­re Auf­ga­be. Das muss bis zur Eu­ro­pa­wahl im Früh­jahr ge­lin­gen, und es ist dop­pelt wich­tig für die schwie­ri­gen Wah­len in Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg im nächs­ten Herbst.

Zie­mi­ak hat ge­nau mit sol­chen Auf­ga­ben Er­fah­rung. Er hat als JU-Chef die ge­mein­sa­me Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on von CDU und CSU über stür­mi­sche Dis­kus­sio­nen in der Flücht­lings­kri­se hin­weg vor der Spal­tung be­wahrt. Erst vor Kur­zem hat­te ihn die JU da­für beim Deutsch­land­tag in Kiel mit ei­nem his­to­ri­schen Re­kord­er­geb­nis im Amt be­stä­tigt.

In Ham­burg kriegt er jetzt die Wut der Un­ter­le­ge­nen ab: Nur knapp 63 Pro­zent gönnt ihm der Par­tei­tag. Aber stell­ver­tre­tend für die Che­fin Prü­gel ein­zu­ste­cken ge­hört ja tra­di­tio­nell zur Job­be­schrei­bung des Ge­ne­rals.

Er war für die Wahl von Merz – jetzt soll er des­sen An­hän­ger ein­bin­den

Fo­to: Rai­ner Jen­sen/dpa

Auf­tritt.Eben noch JU-Vor­sit­zen­der, jetzt Ge­ne­ral­se­kre­tär:Paul Zie­mi­ack rückt ver­stärkt ins Ram­pen­licht der Öf­fent­lich­keit.

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