Back to the 90s

Der Tagesspiegel - - DIE REPORTAGE - Con­stan­ze Nau­haus

Es stimmt ja: Die Mit­te, En­de der 80er Ge­bo­re­nen ha­ben kul­tur­tech­nisch wirk­lich das schlimms­te Jahr­zehnt ab­ge­kriegt. Mu­sik­tech­nisch ein­ge­pfercht zwi­schen Back­s­treet Boys, Tic Tac Toe und Kel­ly Fa­mi­ly (Micha­el Jack­son wurde von der Ge­schmacks­po­li­zei ja erst post­hum be­gna­digt), kul­tu­rell so­zia­li­siert durch Tama­got­chi, Ga­me Boy und Diddl-Maus, ge­fan­gen in Hoch­was­ser­ho­sen, Spa­ghet­ti­tops mit to­ten Fi­schen drauf, Schu­hen auf Bau­klöt­zen – wer hät­te trotz der Al­les-kommt-ir­gend­wann-wie­der-Re­gel je ge­dacht, dass sich die Hips­te­ria 2018 da­mit ein­sty­len wür­de? Dass aus dem ein oder an­de­ren Kind des Plas­tik­jahr­zehnts über­haupt et­was ge­wor­den ist – da hat die Na­tur Gna­de vor Recht er­ge­hen las­sen.

Und doch gilt auch hier: Es war nicht al­les schlecht. Da kommt beim Kra­men in der fa­mi­liä­ren Fo­to­kis­te zum Bei­spiel die­ses Bild zum Vor­schein: Prenz­lau­er Berg, 1991 oder ’92, schi­ckes ABC-Schüt­zen-Käp­pi (Schirm na­tür­lich nach hin­ten!) auf der Rü­be. Und da­hin­ter? Prangt ein Graf­fi­to an der un­sa­nier­ten Fas­sa­de: „Mie­ten­boy­kott so­fort!!!“– ei­ner der Schrift­zü­ge, die man im satt­ge­fres­se­nen Prenz­lau­er Berg heu­te ver­geb­lich sucht; An­nä­hernd Re­vo­lu­tio­nä­res ver­kün­den viel­leicht nur noch Neu­köll­ner Wän­de.

Was wol­len uns die 90er da­mit sa­gen – wer soll hier was boy­kot­tie­ren? Wohl

Fo­to: pri­vat

Klein mit Hut. Un­se­re Au­to­rin noch oh­ne Miet­sor­gen in Prenz­lau­er Berg.

fin­det die Lö­sung fürs Mie­ten­di­lem­ma in der Fo­to­kis­te

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