To­le­rant zu in­to­le­ran­ten Mäch­ten

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG - — Uwe Lan­gen­dorf, Ber­lin-Wil­mers­dorf

„Nicht nur im stil­len Käm­mer­lein“vom 2. De­zem­ber

Der Autor wirft ei­ne schwe­re Fra­ge auf: Ist es to­le­rant, zu in­to­le­ran­ten Mäch­ten to­le­rant zu sein? Nicht nur im Na­men des Is­lam – den es als Ein­heit nicht gibt – wird In­to­le­ranz prak­ti­ziert und re­pres­siv ver­ord­net, aber eben auch in „is­la­mi­schen“Ge­sell­schaf­ten und zwar im­mer dann, wenn ei­ne Re­li­gi­ons­form zur Staats­dok­trin wird und Menschen an­de­rer Be­kennt­nis­se un­ter­drückt wer­den. Und die­se Ideo­lo­gi­en wer­den welt­weit ex­por­tiert.

Ist es sinn­voll, frei­heit­li­che und staat­lich ver­ord­ne­te Re­li­gi­ons­for­men gleich­zu­set­zen? Wol­len Sie den in­to­le­ran­tes­ten Ideo­lo­gi­en mit im­mer glei­cher To­le­ranz be­geg­nen, wenn sie sich nur ein re­li­giö­ses Män­tel­chen über­zie­hen? Sind bei­spiels­wei­se der Wa­ha­bis­mus Sau­di-Ara­bi­ens, die Staats­re­li­gi­on des Iran, die Is­la­mi­sie­rung in der Tür­kei un­ter Er­do­gan nicht re­pres­siv zu nen­nen? Ist das schon „dis­kri­mi­nie­rend“? An­de­rer­seits set­zen Sie Menschen, die sich für ei­ne Re­form des Is­lam ein­set­zen, in An­füh­rungs­zei­chen und dis­kri­mi­nie­ren sie als „so­ge­nann­te Is­lam­kri­ti­ker“wie Cem Öz­de­mir, Sey­ran Ates, Ne­cla Ke­lek, Ha­med Ab­del-Sa­mad.

Wohl­wol­len­de To­le­ranz für staat­lich ver­ord­ne­te In­to­le­ranz , die Sie pro­pa­gie­ren, ist viel­leicht gut ge­meint, je­den­falls pa­ter­na­lis­tisch. Üb­ri­gens: Es wä­re ja schön, wenn nicht mehr be­tont wer­den müss­te, dass Mus­li­me zu Deutsch­land ge­hö­ren. Lei­der gab und gibt es ge­wis­se Grup­pen, für die dies eben nicht selbst­ver­ständ­lich ist. To­le­ranz zu for­dern für die In­to­le­ran­ten ist ge­gen die­je­ni­gen ge­rich­tet, die To­le­ranz auch im Be­reich der is­la­mi­schen Ge­mein­den för­dern wol­len.

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