Al­les wird bes­ser, nichts wird gut

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG - — Dietrich Bar­tel, Ber­lin-Ma­ri­en­dorf — Micha­el Gr­un­wald, Ber­lin-Wil­mers­dorf

„Vom Kaff der gu­ten Hoff­nung“vom 5. De­zem­ber

Bo­ris Pal­mer hat nicht recht. Es ist noch sehr viel schlim­mer! Ma­ro­de Schu­len, feh­len­de Leh­rer, ka­put­te Stra­ßen, Brü­cken müs­sen ge­sperrt und ab­ge­ris­sen wer­den, un­be­wohn­te Ab­riss­häu­ser, über­bor­den­der Tou­ris­mus an der War­schau­er Brü­cke und Ad­mi­rals­brü­cke, Tau­sen­de Woh­nun­gen feh­len, aber gleich­zei­tig wer­den Tau­sen­de Woh­nun­gen als Fe­ri­en­woh­nun­gen trotz Ver­bot ver­mie­tet, Was­ser­rohr­brü­che mit mo­na­te­lan­gen Um­lei­tun­gen, un­ge­pfleg­te Park­an­la­gen, Müll auf den Stra­ßen, Man­gel an Per­so­nal und Aus­rüs­tung bei Po­li­zei, Feu­er­wehr und Ver­wal­tung, im ÖPNV feh­len S-Bahn­zü­ge eben­so wie bei der U-Bahn, teils über­al­ter­tes rol­len­des Ma­te­ri­al, Aus­fall von Stell­wer­ken, Wei­chen­stö­run­gen, nicht en­den­de Bau­maß­nah­men. SEV kann in Ber­lin je­der buch­sta­bie­ren, das heißt näm­lich Schie­nen­er­satz­ver­kehr.

Und der BER ist Syn­onym für fast al­les in Ber­lin. Viel­leicht soll­te in Ber­lin wie an­ders­wo auch die Kehr­wo­che ein­ge­führt wer­den, dann lä­ge si­cher­lich we­ni­ger Un­rat her­um. „Sie ver­las­sen den funk­tio­nie­ren­den Teil Deutsch­lands“ist der Knal­ler des Jahres. Sel­ten so ge­lacht. Herr Pal­mer weiß noch gar nicht, wie recht er hat, so­weit al­les das be­trof­fen ist, was im Wohl und We­he der hie­si­gen Po­li­ti­ker liegt. Und wie be­trof­fen die Be­trof­fe­nen dar­ob sind, da neh­me ich kei­ne Par­tei aus.

„Un­se­re“Po­li­ti­ker, die das zu ver­ant­wor­ten ha­ben (und das sehr wohl wis­sen), ha­ben nicht mal ei­ne pfif­fi­ge Re­plik. Es kommt nur das üb­li­che Ge­wäsch. Mes­da­mes, auch Me­tro­po­le, Viel­falt, Tem­po und Le­bens­lust müs­sen „funk­tio­nie­ren“kön­nen, sonst be­wir­ken sie nichts. Das so hoch­ge­lob­te Ge­nann­te ge­lingt dann ja auch nicht, weil es im­mer nur be­quatscht wird, statt es zu gestal­ten. Was hier an­ders wer­den muss, wis­sen wir (wir Ber­li­ner Po­li­ti­ker) sel­ber? Mag sein, aber war­um wird es nicht an­ders?

Nicht mal auf dem Kern­kom­pe­tenz­feld grü­ner (sic) Rad­we­ge tut sich in Ber­lin was bei­spiel­haft Er­freu­li­ches. Ich hät­te sehr viel Lust, Pal­mers Spruch an je­des Ber­li­ner Orts­schild zu hän­gen. Auf der Bran­den­bur­ger Sei­te! Dan­te lässt grü­ßen: Tu, der du ein­trittst, al­le Hoff­nung ab.

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