Mit Glück und Gru­jic

Be­siegt Ein­tracht Frank­furt 1:0 – muss am En­de aber mäch­tig um den Sieg zit­tern

Der Tagesspiegel - - SPORT - Von Micha­el Ro­sen­tritt

Ber­lin - Pal Dar­dai durch­ti­ger­te die recht­ecki­ge Zo­ne am Spiel­feld­rand, die für Trai­ner vor­ge­se­hen ist. Hert­has Coach kämpf­te und zit­ter­te förm­lich mit, auf dass seine Mann­schaft die knap­pe Füh­rung über die Run­den brin­gen wür­de. Gut zehn Mi­nu­ten ging das am Sams­tag­abend so, im Prin­zip die kom­plet­te Schluss­pha­se des Heim­spiels zwi­schen Her­tha BSC und Ein­tracht Frank­furt. Kurz vor der Halb­zeit wa­ren die Ber­li­ner in Füh­rung ge­gan­gen. Mar­ko Gru­jic hat­te das Tor vor 42 578 Zu­schau­ern er­zielt. Und das soll­te rei­chen zu ei­nem am En­de auch glück­li­chen 1:0 (1:0)-Er­folg.

Egal, für Her­tha war es der sechs­te Sai­son­sieg, der vier­te im Olym­pia­sta­di­on. Da­mit klet­tern die Ber­li­ner auf Rang sechs der Ta­bel­le und schlie­ßen zu den punkt­glei­chen Frank­fur­tern auf, die al­ler­dings ein bes­se­res Tor­ver­hält­nis vor­zu­wei­sen ha­ben. „Ge­ra­de die ers­te Halb­zeit hat mir ge­fal­len“, sag­te Pal Dar­dai hin­ter­her, der ei­gent­lich nur mo­nier­te, dass seine Mann­schaft „nicht das zwei­te Tor“ge­macht ha­be, ob­gleich es in der zwei­ten Halb­zeit Chan­cen da­zu gab.

Hert­has Trai­ner ver­trau­te da­bei je­ner Elf, die vor ei­ner Wo­che in Han­no­ver beim 2:0-Er­folg ge­star­tet war. Es blieb al­so bei der Dop­pel­spit­ze aus Ka­pi­tän Ve­dad Ibi­se­vic und Da­vie Sel­ke. Doch die hat­te dies­mal so ei­ni­ge Start­pro­ble­me.

We­der Sel­ke noch Ibi­se­vic ka­men im ers­ten Ab­schnitt zu ei­ner ech­ten Tor­chan­ce. Viel bes­ser wurde es in der zwei­ten Hälf­te bis auf ei­ne Ge­le­gen­heit für Sel­ke nicht. Haupt­säch­lich lag es dar­an, dass Hert­has Flü­gel­spie­ler kaum ver­wert­ba­ren Flan­ken oder Päs­se spiel­ten. An­de­rer­seits stimm­te zwi­schen den bei­den ge­lern­ten Mit­tel­stür­mern die Raum­auf­tei­lung und Staf­fe­lung auch viel zu sel­ten.

Aber wie gut, dass die Ber­li­ner ei­nen wie Mar­ko Gru­jic in ih­ren Rei­hen ha­ben. Der erst 22 Jah­re al­te Serbe ver­lieh dem Spiel der Gast­ge­ber in der ers­ten St­un­de nicht nur Struk­tur und Sta­bi­li­tät, die drei Of­fen­siv­ak­tio­nen im ers­ten Ab­schnitt hat­te al­le­samt Gru­jic. Be­son­ders wert­voll war je­ne, als der groß ge­wach­se­ne Mit­tel­feld­spie­ler nach ei­ner Ecke von Mar­vin Plat­ten­hardt fünf Mi­nu­ten vor dem Halb­zeit­pfiff am höchs­ten sprang und den Ball zur Füh­rung ins Frank­fur­ter Tor köpf­te. Es war Gru­jic' ers­tes Bun­des­li­ga­tor.

Das Spiel hat­te zu­nächst recht schwung­voll be­gon­nen. Bei­de Mann­schaf­ten ent­wi­ckel­ten or­dent­lich Zug zum Tor, al­ler­dings ge­rie­ten auf bei­den Sei­ten je­weils die fi­na­len Päs­se zu un­ge­nau, oder aber der Tor-Ab­schluss. Se­bas­ti­en Hal­ler und Fi­lip Kostic ver­ga­ben Chan­cen für die Gäs­te. Auf Sei­ten der Ber­li­ner lan­de­ten zwei Dis­tanz­schüs­se von Gru­jic in den Hän­den des Frank­fur­ter Na­tio­nal­tor­warts Ke­vin Trapp.

Über wei­te Stre­cken des Spiels über­zeug­te in der Ber­li­ner Er­satz-In­nen­ver­tei­di­gung vor al­lem Fa­bi­an Lus­ten­ber­ger mit ei­nem klu­gen Stel­lungs­spiel. Der Schwei­zer ent­schärf­te so ei­ni­ge Ge­gen­stö­ße der zwei­s­tärks­ten Of­fen­si­ve der Li­ga aus Hal­ler, An­te Re­bic und Lu­ka Jo­vic.

Letz­te­rer hät­te gleich zu Beginn der zwei­ten Halb­zeit den Aus­gleich er­zie­len kön­nen, als er frei von Ru­ne Jarstein zum Schuss kam. Doch Hert­has Tor­wart pa­rier­te den Ball re­flex­ar­tig. Im Ge­gen­zug bot sich dann Sel­ke bei ei­nem der we­ni­gen Kon­ter für die Ber­li­ner die Chan­ce zum 2:0, doch Ke­vin Trapp, der fast schon um­kurvt war, be­kam noch ein Bein da­zwi­schen.

Das Spiel war in die­ser Pha­se recht un­ru­hig, bei­de Mann­schaf­ten such­ten den Tor­er­folg. Vor al­lem die Frank­fur­ter, als dritt­stärks­tes Aus­wärts­team der Li­ga an­ge­reist, wur­den nun bis­si­ger und ri­si­ko­be­rei­ter.

Nach gut ei­ner St­un­de er­setz­te Ma­xi­mi­li­an Mit­tel­städt den wie­der­holt aus­ge­laugt wir­ken­den Sa­lo­mon Ka­lou, spä­ter kam noch Ond­rej Du­da für Ibi­se­vic. Doch Frank­furt blieb in die­ser Pha­se das agi­le­re Team.

Her­tha war in der ei­ge­nen De­fen­si­ve gut be­schäf­tigt, zu sel­ten ka­men die Ber­li­ner zu ge­ziel­ten Ge­gen­stö­ßen, die für Ent­las­tung hät­ten sor­gen kön­nen. Und so muss­ten sie mäch­tig kämp­fen und ban­gen. Drei Mi­nu­ten vor En­de der re­gu­lä­ren Spiel­zeit hat­te Her­tha ein we­nig Glück, als ein mög­li­cher Elf­me­ter­pfiff für Frank­furt aus­blieb. Tor­schüt­ze Gru­jic hat­te sei­nen Lands­mann Jo­vic ir­gend­wie zu Fall ge­bracht.

Für Pal Dar­dai längst kein ak­zep­ta­bler Grund für ei­nen Straf­stoß. „Bei­de Spie­ler ha­ben zu­vor viel mit den Hän­den ge­ar­bei­tet“, sag­te Hert­has Trai­ner. In et­wa so wild, wie Pal Dar­dai an die­sem Abend am Spiel­feld­rand.

Fo­to: Ro­bert Micha­el/AFP

Kopf hoch.Mar­ko Gru­jic (2. v. r.) trifft nach Eck­ball zum Ber­li­ner 1:0 – es war das ers­te Bun­des­li­ga-Tor des Ser­ben für Her­tha BSC.

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