Was wird aus Weid­mann?

En­de April läuft die Amts­zeit des Bun­des­bank-Prä­si­den­ten aus. Ob er wei­ter­macht, ist of­fen

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT - Von rolf Obert­reis Frank­furt am Main

- Dass Bun­des­bank­Prä­si­dent Jens Weid­mann der­zeit ner­vös sei, sagt nie­mand, der den obers­ten deut­schen No­ten­ban­ker in Frank­furt am Main kennt. Wer den 50-Jäh­ri­gen in die­sen Ta­gen trifft, hat auch nicht den Ein­druck, dass er sich um seine be­ruf­li­che Zu­kunft sorgt. Weid­mann strahlt wie im­mer gro­ße Ge­las­sen­heit aus. Seine acht­jäh­ri­ge Amts­zeit geht am 30. April kom­men­den Jahres zu En­de. Wie es an der Spit­ze der Bun­des­bank wei­ter­geht, ist bis­lang nicht klar – of­fi­zi­ell je­den­falls. Dass das Weid­mann um­treibt, se­hen Be­ob­ach­ter am Main nicht. „Ich wä­re aber über­rascht, wenn er nicht an der Spit­ze der No­ten­bank blei­ben wür­de“, sagt ein Öko­nom, der die Sze­ne der No­ten­ban­ken sehr gut kennt. Nicht nur für ihn ist Weid­mann auch der Ein­zi­ge, der die­ses Amt wei­ter­füh­ren könn­te. Und soll­te. Ge­gen­kan­di­da­ten? „Ich wüss­te nicht, wer“, sagt der Öko­nom.

Im sechs­köp­fi­gen Vor­stand der No­ten­bank – zwei Da­men und vier Her­ren – kä­me al­len­falls Clau­dia Buch in­fra­ge, seit Mai 2014 Vi­ze­prä­si­den­tin und da­mit nach Weid­mann Dienst­äl­tes­te im Vor­stand. Jo­han­nes Beer­mann ist seit An­fang 2016 da­bei, Joachim Wu­er­me­ling seit No­vem­ber 2016, Sa­bi­ne Mau­de­rer und Burk­hard Balz erst seit Sep­tem­ber die­sen Jahres. Ei­ne Kan­di­da­tin oder ein Kan­di­dat von au­ßen, den die Bun­des­re­gie­rung vor­schla­gen könn­te und die oder den dann der Bun­des­prä­si­dent be­ruft? So ist das Ver­fah­ren laut Bun­des­bank-Ge­setz. Doch da macht in Frank­furt kein ein­zi­ger Na­me­die Run­de. In­fra­ge kä­me al­len­falls ein füh­ren­der Öko­nom. Der ein­zi­ge mit No­ten­bank-Er­fah­rung ist der­zeit Mar­cel Fratz­scher, Prä­si­dent des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) in Ber­lin. Er war von 2001 bis 2012 bis zu sei­nem Wech­sel zu­mDIWbei­der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) in Frank­furt tä­tig.

Aber die Bun­des­bank oh­ne Prä­si­dent Weid­mann – das ist in Frank­furt der­zeit nicht im An­satz ein The­ma. Er ist in Fi­nanz­krei­sen ge­schätzt und hoch an­ge­se­hen wie auch bei den Be­schäf­tig­ten der Bun­des­bank – so wie kaum ein Prä­si­dent vor ihm. Auch in Ber­lin, da ist man sich am Main si­cher, hat der 50-Jäh­ri­ge ein sehr gu­tes Stan­ding, zu­mal er fünf Jah­re lang bis zum Wech­sel an die Spit­ze der Bun­des­bank im Bun­des­kanz­ler­amt als Be­ra­ter von An­ge­la Mer­kel tä­tig war. In­ter­na­tio­nal et­wa durch seine Auf­ga­ben bei der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) oder beim In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) ist Weid­mann eben­falls an­ge­se­hen, wird seine Ex­per­ti­se ge­schätzt.

Dass die Bun­des­re­gie­rung bis­lang – of­fi­zi­ell wohl­ge­merkt – noch kein Si­gnal für ei­ne Ver­län­ge­rung sei­nes Ver­tra­ges ge­ge­ben hat, sieht man ge­las­sen. Es sei­en noch fast fünf Mo­na­te Zeit. „Und die Bun­des­re­gie­rung ist im­mer noch sehr viel mit sich selbst be­schäf­tigt“, sagt ein Öko­nom. An­de­re wie­der­um ver­wei­sen auf den Par­tei­tag der CDU. Den hät­ten die Ver­ant­wort­li­chen und auch die Bun­des­kanz­le­rin mög­li­cher­wei­se erst noch ab­war­ten wol­len.

Zwar hat sich die Re­gie­rung nicht für Weid­mann als Nach­fol­ger von Ma­rio Draghi als Prä­si­dent der EZB (der Ita­lie­ner hört En­de Ok­to­ber 2019 auf) stark­ge­macht, weil sie of­fen­bar aus po­li­ti­schen Grün­den mehr Wert auf ei­nen Deut­schen an der Spit­ze der EU-Kom­mis­si­on legt. Aber in Frank­furt ist man sich si­cher, dass An­ge­la Mer­kel – und auch Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) wie auch der drit­te Ko­ali­ti­ons­part­ner CSU – den ge­bür­ti­gen West­fa­len ger­ne für wei­te­re acht Jah­re an der Spit­ze der Bun­des­bank se­hen wür­den.

Nach­dem die Tür für den Spit­zen­job bei der EZB für Weid­mann wohl zu ist – als Bun­des­bank-Prä­si­dent wä­re er als Mit­glied im EZB-Rat na­tür­lich wei­ter da­bei – sind an­de­re hoch­ran­gi­ge Auf­ga­ben für ihn eher rar ge­sät. Wer Weid­mann kennt, wird kaum er­war­ten, dass er – wie sein Vor­gän­ger Axel We­ber, der seit vie­len Jah­ren den Ver­wal­tungs­rat der schwei­ze­ri­schen Groß­bank UBS lei­tet – zu ei­ner pri­va­ten Bank wech­selt. Pas­sen wür­de Weid­mann si­cher auch an die Spit­ze des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) in Wa­shing­ton. Al­ler­dings stün­de der Job als ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor frü­hes­tens Mit­te 2021 zur Dis­po­si­ti­on. Dann en­det die Amts­zeit der heu­te 62-jäh­ri­gen Fran­zö­sin Chris­ti­ne La­g­ar­de. Ab April noch zwei wei­te­re Jah­re an der Spit­ze der Bun­des­bank, dann der Wech­sel nach Wa­shing­ton – das könn­te für den dann 53-jäh­ri­gen Weid­mann ei­ne Op­ti­on sein. Mit dem Ex-Bun­des­prä­si­den­ten Horst Köh­ler war ja schon ein­mal ein Deut­scher Chef des IWF.

DIW-Chef Mar­cel Fratz­scher wird als Nach­fol­ger ge­han­delt

Fo­to: Ga­by Gers­ter

An der Spit­ze. Noch bis En­de April steht Jens Weid­mann an der Spit­ze der Bun­des­bank. Ge­gen­kan­di­da­ten für den Pos­ten gibt es bis­lang kei­ne.

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