„Wir sind am Li­mit“

Spand­aus Bau­stadt­rat über den Sie­mens- Cam­pus, Goog­le, die Alt­stadt und end­li­chen Stra­ßen­raum

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG -

Rat­haus Span­dau, Trep­pe hoch, 2. Stock: Am En­de des Flurs be­fin­det sich das Bü­ro von Stadt­rat Frank Be­wig, CDU. 2019 wird für Span­dau ein ge­wal­ti­ges Bau­stel­len­jahr. Kann der Ver­kehr mit­hal­ten? Das Bus­netz ist am Li­mit, die Re­gio­nal­bah­nen sind ver­stopft. Ein In­ter­view mit dem Span­dau-News­let­ter von An­dré Gör­ke.

Herr Be­wig, be­gin­nen wir mal soft: Neu­es Jahr, neue Träu­me …

… ich bin nicht so der Träu­mer …

… spin­nen Sie ru­hig mal rum. Wie sieht der neue Sie­mens-Cam­pus aus, den Sie­mens für 600 Mil­lio­nen Eu­ro bau­en will?

Der Cam­pus wird Span­dau ei­nen Schub ge­ben. Span­dau wird nicht hip, aber mu­tig und selbst­be­wuss­ter. 2000 Woh­nun­gen sind grob ge­plant. Das wird kein Lu­xus­vier­tel für Sie­mens-Ma­na­ger, die mal eben rein­flie­gen, son­dern ein Vier­tel für jun­ge Leu­te, mit Ki­ta und Grün­flä­chen. Die müs­sen nicht mal bei Sie­mens ar­bei­ten. Der Cam­pus – hier Start-ups, dort Fa­mi­li­en – soll of­fen sein und kein ab­ge­rie­gel­tes In­dus­trie­ge­biet wie jetzt. Sie­mens wird die Woh­nun­gen nicht bau­en, das ma­chen al­ler Vor­aus­sicht nach die lan­des­ei­ge­nen Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten.

Der Sie­mens- Cam­pus …

… ver­ges­sen Sie nicht die In­sel Gar­ten­feld! Die liegt ne­ben­an, da geht es um 3700 Woh­nun­gen – und über ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Das soll den Sie­mens-Cam­pus nicht klein­re­den, aber es muss un­be­dingt zu­sam­men­ge­dacht wer­den. Das ha­ben bis­lang viel zu we­ni­ge Leu­te auf dem Ra­dar. Wir müs­sen den Sie­mens-Cam­pus, die In­sel Gar­ten­feld und die Was­ser­stadt zu­sam­men­den­ken. Die Sie­mens­bahn ...

... die seit 1980 brach­liegt, aber als S-Bahn­Stre­cke wie­der auf­ge­baut wer­den soll ...

... ist das ver­bin­den­de Ele­ment. Dort wer­den 15 000 Woh­nun­gen, 10 000 da­von durch öf­fent­li­che Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten oder mit ei­ner Miet­preis­bin­dung, ge­baut. Heißt: Da le­ben bald zu­sätz­lich 30 000 Men­schen, und die müs­sen ir­gend­wie in die Stadt kom­men … und ver­ges­sen Sie nicht die, die dort schon woh­nen! Die kön­nen wir nicht al­le zur nächs­ten BVG-Bus­hal­te­stel­le schi­cken.

Dann ma­chen Sie was. Auf Ih­rer Bü­ro­tür steht: Stadt­rat für Bau­en und Ver­kehr. Aber nicht für S-Bahn-Stre­cken. Ich ha­be we­der die Zu­stän­dig­keit noch das Geld da­für. Ich kann nur drän­geln – es ist ein Groß­pro­jekt des Se­nats. Und dort hö­re ich im­mer wie­der: Wir ha­ben Geld oh­ne En­de. Na dann los, bit­te, es geht um ei­nen kom­plett neu­en Orts­teil für Ber­lin.

Ver­kehrs­se­na­to­rin Re­gi­ne Gün­ther …

… hat die­ses Pro­blem nur ge­erbt, da wä­re mir schar­fe Kri­tik zu ein­fach. Hät­te der Se­na­tor für Ver­kehr und Stadt­ent­wick­lung vor fünf Jah­ren an Span­dau ge­dacht …

… Sie mei­nen den Re­gie­ren­den …

… dann wür­den wir nicht dar­über re­den, wäh­rend die ers­ten Men­schen da bald ein­zie­hen. Ka­trin Lomp­scher hat die Dring­lich­keit bei den Ver­kehrs­fra­gen er­kannt. Sie hat ei­ne Len­kungs­grup­pe zum Ver­kehrs­aus­bau ge­grün­det, auch mit Be­zirks­leu­ten wie mir. Wir sind mit dem Woh­nungs­bau im Span­dau­er Nor­den am Li­mit: Im Ca­ros­sa-Quar­tier pla­nen wir 2019 noch mal 1200 Woh­nun­gen, dann war’s das so lang­sam auch. 2035 könn­te die Stra­ßen­bahn nach Span­dau rol­len.

Glau­ben Sie das?

Steht so im Nah­ver­kehrs­plan des Se­nats. In 15 Jah­ren kann ich auch den Bau ei­ner U-Bahn-Li­nie vor­an­trei­ben. Die ist teu­rer, aber leis­tungs­stär­ker.

Wel­che Rol­le spielt der Fahr­rad­ver­kehr? Ist wich­tig, nimmt wei­ter zu, wir sa­nie­ren und er­neu­ern We­ge und pla­nen Schnell­stre­cken für Pend­ler. Aber das Fahrrad wird nicht den leis­tungs­star­ken Nah­ver­kehr er­set­zen, da­für sind die We­ge aus Span­dau in die In­nen­stadt zu weit.

Wie steht es um das Stra­ßen­netz?

Der In­ves­ti­ti­ons­stau al­lein in Span­dau liegt bei 180 Mil­lio­nen Eu­ro. Und wir rich­ten Bau­stel­len nicht ein, weil uns lang­wei­lig ist: Nein, es ist un­se­re Pflicht. Sonst müs­sen wir Stra­ßen sper­ren. Der öf­fent­li­che Raum ist ex­trem in­ter­es­sen­ge­steu­ert, kei­ner will nach­ge­ben. Wir brau­chen Platz für Rad­we­ge, Platz für Fuß­gän­ger, Platz für Au­tos, Platz für ei­ne BVG-Bus­spur, Platz für Ver­si­cke­rungs­mul­den fürs Re­gen­was­ser, aber für all das darf kein Baum fal­len …

Wel­ches Pro­jekt muss 2019 un­be­dingt be­ach­tet wer­den?

Es geht end­lich vor­an an der Ge­schütz­gie­ße­rei, ein al­ter Bau an der Mün­dung von der Spree in die Ha­vel, mit Blick auf die

44, ist Bau­stadt­rat in Span­dau mit 240 000 Ein­woh­nern. Der Staa­ke­ner war frü­her Bas­ket­ball­trai­ner, BVV-Vor­ste­her und ist seit 1995

Mit­glied der CDU.

Alt­stadt. Wir pla­nen ei­nen Stadt­platz mit Schiffs­re­stau­rant, auch die Idee des St­re­sow-Uf­er­wegs gibt es. In die Ge­schütz­gie­ße­rei soll auch Gas­tro­no­mie zie­hen.

Sie dach­ten an den Goog­le- Cam­pus. Den­ke ich im­mer noch. Ist aber schwie­rig, als Stadt­rat aus Span­dau zum Goog­le-Chef in Deutschland durch­ge­stellt zu wer­den. Als be­son­de­rer Bü­ro­stand­ort wür­de die Gie­ße­rei funk­tio­nie­ren. Wir mer­ken: Im­mer mehr Leu­te aus der teu­ren Ci­ty su­chen Bü­ro­flä­chen in Span­dau, das war frü­her nicht so.

Und die Alt­stadt?

Da geht’s kon­kret los im Som­mer, am Re­for­ma­ti­ons­platz. Wenn al­les klappt, ist der Mark­platz 2020/21 dran. Wir wol­len das gan­ze Pflas­ter in der Alt­stadt er­neu­ern. Das ist an vie­len Stel­len krumm und schief. Das ist 30 Jah­re alt. Der Um­bau wird hart, auch für die Händ­ler. Aber der Markt könn­te ein rich­tig schö­ner Stadt­platz wer­den, den wir so in Span­dau nicht ha­ben. Ein Ort für Kul­tur, für Kon­zer­te. Und 2021 neh­men wir uns dann den gro­ßen Platz vor dem Rat­haus vor.

Von Staa­ken bis Kla­dow: Ei­ne aus­führ­li­che­re Ver­si­on le­sen Sie im Span­dau-News­let­ter von An­dré Gör­ke

www.ta­ges­spie­gel.de/span­dau

Frank Be­wig,

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