Po­li­tik er­höht Druck auf Face­book & Co

Auch Kar­tell­amt prüft US-In­ter­net­kon­zern

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin - Nach dem mas­si­ven Dieb­stahl und der Ver­öf­fent­li­chung der pri­va­ten Da­ten von Po­li­ti­kern und Pro­mi­nen­ten su­chen Par­tei­en und Be­hör­den nach ge­eig­ne­ten Maß­nah­men, um ähn­li­che Fäl­le in Zu­kunft zu ver­hin­dern. „Das Ha­cken und Ab­schöp­fen von Da­ten ist ein schwe­rer Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re der Be­trof­fe­nen“, sag­te Uni­ons­frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus (CDU) der „Rhei­ni­schen Post“. Bis­lang kön­ne das Aus­spä­hen von Da­ten mit Frei­heits­stra­fen von ma­xi­mal drei Jah­ren ge­ahn­det wer­den, her­kömm­li­cher Dieb­stahl hin­ge­gen mit fünf. „Wir soll­ten prü­fen, das Straf­maß bei schwe­ren Cy­ber­de­lik­ten an­zu­he­ben“, sag­te er.

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) brach­te ei­ne Mus­ter­kla­ge ge­gen Twit­ter und Face­book ins Ge­spräch. „Soll­ten im Zu­sam­men­hang mit dem Da­ten­leak Haf­tungs­an­sprü­che ge­gen Un­ter­neh­men be­ste­hen, könn­ten be­trof­fe­ne Ver­brau­cher sie ge­mein­sam im Rah­men ei­ner Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge gel­tend ma­chen“, sag­te sie der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“. Die erst im No­vem­ber ein­ge­führ­te Kla­ge­mög­lich­keit soll es Ver­brau­chern er­mög­li­chen, auch ge­gen gro­ße Kon­zer­ne vor­zu­ge­hen. An­ge­wen­det wird das In­stru­ment be­reits im Zu­sam­men­hang mit den Die­sel­ma­ni­pu­la­tio­nen beim Au­to­bau­er Volks­wa­gen.

Das Bun­des­kar­tell­amt stellt der­weil so­gar die Ge­schäfts­grund­la­ge von Face­book in­fra­ge. Die Be­hör­de prüft of­fen­bar, ob man dem Un­ter­neh­men das Sam­meln von Nut­zer­da­ten in Deutschland teil­wei­se ver­bie­ten kann. Ein ent­spre­chen­der Be­schluss sol­le dem US-Kon­zern in den nächs­ten Wo­chen zu­ge­stellt wer­den, wie die „Bild am Sonn­tag“oh­ne nä­he­re Qu­el­len­an­ga­be be­rich­te­te. Kon­kret ge­he es da­bei um den Da­ten­aus­tausch mit Dritt­an­bie­tern. Dar­un­ter wür­den Twit­ter, Spie­le-Apps und Web­sei­ten­be­trei­ber fal­len, aber auch die Face­book-Töch­ter Whatsapp und Instagram. Wenn die­se bei sich Schnitt­stel­len zu Face­book ein­bau­en wol­len – et­wa den „Ge­fällt mir“-But­ton –, dann be­kom­me Face­book laut Kar­tell­wäch­tern dar­über mas­sen­haft Nut­zer­da­ten, um sie dann mit dem je­wei­li­gen Face­book-Kon­to zu­sam­men­zu­füh­ren. Das Amt kri­ti­siert dem­nach, dass Face­book da­durch sei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung miss­brau­che. Ei­ne Face­book-Spre­che­rin kün­dig­te Wi­der­stand an. Man tei­le die An­sich­ten des Kar­tell­am­tes nicht. „Wir wer­den die­se Po­si­ti­on auch wei­ter­hin ver­tei­di­gen.“

Der Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Ul­rich Kel­ber nahm der­weil die Schu­len in die Pflicht. Da­ten­schutz müs­se „sinn­voll in die Lehr­plä­ne ein­ge­bun­den und selbst­ver­ständ­li­cher Be­stand­teil des Schul­un­ter­richts wer­den“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker den Zei­tun­gen der Fun­ke Me­di­en­grup­pe. Da­für müss­ten Leh­rer ent­spre­chend fort­ge­bil­det und die Schu­len mit ge­eig­ne­tem Lehr­ma­te­ri­al aus­ge­stat­tet wer­den. Kel­ber ap­pel­lier­te zu­gleich an al­le El­tern, mit der Di­gi­ta­li­sie­rung Schritt zu halten und ih­re Kin­der zu ei­nem ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang da­mit zu er­zie­hen. AFP/dpa/rtr

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