Die Ab­schloss­rech­nung

Die Bau­kos­ten für den neu­en Pots­da­mer Land­tag ste­hen fest. Das Er­geb­nis ist au­ßer­ge­wöhn­lich

Der Tagesspiegel - - BRANDENBURG - Von Thors­ten Metz­ner

Pots­dam - Ob BER, Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie, Stutt­gart 21 oder Staats­oper und Hum­boldtfo­rum in Berlin: Die Lis­te öf­fent­li­cher Bau­pro­jek­te, de­ren Zeit­plan und Kos­ten aus dem Ru­der lau­fen, wird im­mer län­ger. Aber nun ist es amt­lich: Das als Land­tags­ge­bäu­de Bran­den­burgs auf­ge­bau­te Stadt­schloss auf dem Al­ten Markt in Pots­dam, für das pünkt­lich zum fünf­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um jetzt die noch aus­ste­hen­de Schluss­ab­rech­nung er­stellt wer­den konn­te, ist ei­ne Aus­nah­me. In der Haupt­stadt­re­gi­on, vi­el­leicht so­gar in Deutsch­land.

Nach Ta­ges­spie­gel-In­for­ma­tio­nen be­tra­gen die Ge­samt­bau­kos­ten für das in nur drei Jah­ren Bau­zeit er­rich­te­te und 2013 über­ge­be­ne Land­tags­ge­bäu­de 138,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Da­von steu­er­te der Mä­zen und SAP-Grün­der Has­so Platt­ner 21,9 Mil­lio­nen Eu­ro für die his­to­ri­sche Schloss­fas­sa­de und das Kup­fer­dach bei.

Nach der ziem­lich punkt­ge­nau­en Bau­zeit sei das Land­tags­ge­bäu­de „auch kos­ten­sei­tig na­he­zu ei­ne Punkt­lan­dung ge­wor­den“, zeig­te sich Fi­nanz­mi­nis­ter Christian Gör­ke (Lin­ke) zu­frie­den. Zu­vor war, wie das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um be­stä­tig­te, das seit Jah­ren lau­fen­de Schieds­ge­richts­ver­fah- ren ab­ge­schlos­sen wor­den, bei dem sich das Land und der Bau­kon­zern BAM um Mehr­kos­ten strit­ten. Vor­her war kei­ne Schluss­ab­rech­nung mög­lich.

Strit­tig war ins­be­son­de­re, wer die Kos­ten der um acht, neun Mo­na­te ver­län­ger­ten Bau­zeit – zum Ver­gleich: beim BER sind es acht Jah­re – über­nimmt, die vor al­lem auf den plötz­li­chen Grund­was­ser­an­stieg in der Bau­gru­be zu­rück­zu­füh­ren wa­ren. „Mit letzt­in­stanz­li­cher Ent­schei­dung des Schieds­ge­rich­tes wur­de dem Kon­zern am En­de ein Be­trag von 7,9 Mil­lio­nen Eu­ro zu­ge­spro­chen“, er­klär­te das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge.

Ge­for­dert hat­te der Kon­zern 22 Mil­lio­nen Eu­ro. In de­mVer­hand­lungs­po­ker wur­den Gut­ach­ten und Ge­gen­gut­ach­ten er­stellt. Ins­ge­samt hat­te die BAM Deutsch­land AG, wie aus ei­ner Re­gie­rungs­ant­wort auf ei­ne par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge von 2015 her­vor­geht, 197 Nach­trä­ge ein­ge­reicht, wo­von 77 zu­rück­ge­wie­sen wur­den. Schwie­rig­kei­ten gab es zwi­schen­zeit­lich auch. So war ei­ne Sand­stein­fir­ma plei­te ge­gan­gen, die die Fas­sa­de her­stell­te.

Nun sind es al­so, nach­dem in frü­he­ren Jah­ren vor dem Auf­trag an die BAM be­reits elf Mil­lio­nen Eu­ro für Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten und die EU-wei­te Aus­schrei- bung an­ge­fal­len wa­ren, ins­ge­samt Bau­kos­ten von 138,5 Mil­lio­nen Eu­ro ge­wor­den. Im Pro­jekt­ver­trag, den das Land im Jahr 2009 mit der BAM ab­ge­schlos­sen hat­te, wa­ren in­klu­si­ve der Platt­ner-Spen­de da­mals Ge­samt­bau­kos­ten von 119,5 Mil­lio­nen Eu­ro als Fest­preis ver­ein­bart wor­den. Hin­zu ka­men im Zu­ge der Bau­pha­se von 2010 bis 2013 nach­träg­li­che An­for­de­run­gen des Land­ta­ges von 11,1 Mil­lio­nen Eu­ro, et­wa mo­der­ne Me­dien­tech­nik.

„Der Ab­schluss des Schieds­ge­richts­ver­fah­rens zeigt, dass das Land mit gu­tem Ge­schick er­folg­reich ver­han­delt hat“, sag­te Gör­ke, der ins­be­son­de­re der Land­tags­neu­bau-St­ab­stel­le sei­nes Mi­nis­te­ri­ums dank­te. „Bis heu­te gilt der Land­tag Bran­den­burg da­mit als ei­nes der mo­derns­ten Land­tags­ge­bäu­de der Re­pu­blik und ich wür­de sa­gen: auch als ei­nes der schöns­ten.“Gör­ke hob her­vor, dass die Mehr­kos­ten un­ter fünf Pro­zent lä­gen. „Bei ver­gleich­ba­ren Bau­maß­nah­men lie­gen die üb­li­cher­wei­se kal­ku­lier­ten Ri­si­ko­zu­schlä­ge bei bis zu zehn Pro­zent.“Und selbst die wer­den meist ge­ris­sen, wie et­wa auch – ein paar Hun­dert Me­ter wei­ter – am Pots­da­mer blu.

Das neue Land­tags­ge­bäu­de, in dem das Bran­den­bur­ger Par­la­ment mit sei­nen 88 Volks­ver­tre­tern seit 2014 tagt und auch der Lan­des­rech­nungs­hof bis­her sein Do­mi­zil hat, ist in öf­fent­lich-pri­va­ter Ko­ope­ra­ti­on (ÖPP) er­rich­tet wor­den. Es ist ei­ne Art Miet­kauf­mo­dell, bei dem das Land 25 Jah­re pro Jahr rund 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro an die BAM zahlt – für Mie­te, Un­ter­hal­tungs­ar­bei­ten und Ge­bäu­de­ma­nage­ment – und am En­de Ei­gen­tü­mer des Land­tags­schlos­ses sein wird. Die­se Mo­del­le sind durch­aus um­strit­ten, wer­den et­wa im rot-rot-grü­nen Ber­li­ner Ko­ali­ti­ons­ver­trag strikt ab­ge­lehnt.

Doch auch die BAM Deutsch­land AG zeigt sich zu­frie­den. „Wir sind froh, mit dem Neu­bau Land­tag Bran­den­burg zei­gen zu kön­nen, dass BAM Deutsch­land an­spruchs­vol­le Bau­vor­ha­ben als Part­ner­schafts­mo­dell ÖPP kom­pe­tent und er­folg­reich um­setzt“, er­klär­te Thomas We­ber, Tech­nik­chef der BAM, der sei­ner­zeit Pro­jekt­lei­ter beim Land­tags­neu­bau war. „Mit dem Ab­schluss der Sch­lich­tungs- und Schieds­ge­richts­ver­hand­lun­gen zum kom­ple­xen Pla­nungs- und Bau­ver­trag für den Land­tag Bran­den­burg hat BAM Deutsch­land die Bau­pha­se part­ner­schaft­lich ab­ge­schlos­sen“, sag­te We­ber. Die BAM wer­de über ih­re Im­mo­bi­li­en­ma­nage­ment-Toch­ter das Ge­bäu­de über ei­nen Zei­t­raum von 25 Jah­ren ef­fi­zi­ent be­trei­ben.

Fo­to: Ralf Hirsch­ber­ger/dpa

Al­te Schu­le. Nicht nur op­tisch ist das neu ge­bau­te Pots­da­mer Stadt­schloss – hier mit der Kup­pel der Ni­ko­lai­kir­che im Hin­ter­grund – kon­ser­va­tiv ge­hal­ten. Auch in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht un­ter­schei­det sich der 2014 er­öff­ne­te Bau, der als Sitz des Land­tags Bran­den­burg dient, von vie­len an­de­ren zeit­ge­nös­si­schen Groß­bau­pro­jek­ten.

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