Aufs Glatt­eis ge­führt

Im Berg­hain kann man jetzt Schlitt­schuh lau­fen. Bahn und Licht­ef­fek­te sind ge­wöh­nungs­be­dürf­tig

Der Tagesspiegel - - STADTLEBEN - Angie Poh­lers

Sonn­tag­nach­mit­tag im Berg­hain, auf dem Main­floor ge­ben sie jetzt noch­mal al­les, ge­dämpf­tes Wum­mern dringt aus dem Tech­no­tem­pel. Ein Groß­va­ter mit zwei En­keln sucht den Ein­gang. Nein, sie sind na­tür­lich nicht hier, um bis Ki­ta­be­ginn am Mon­tag­mor­gen um acht Uhr durch­zu­ma­chen. Im Berg­hain – oder viel­mehr in der Hal­le am Berg­hain, die sich im nörd­li­chen Teil des grau­brau­nen Be­ton­wür­fels be­fin­det – kann man jetzt Schlitt­schuh­lau­fen, Ein­tritt ab drei Jah­ren. Ein Gag, den sich die Ma­cher des der­zeit an meh­re­ren Or­ten statt­fin­den­den CTM-Fes­ti­vals für „aben­teu­er­li­che Mu­sik und Kunst“aus­ge­dacht ha­ben.

Seit Jah­ren schon ha­be man ein Event auf ei­ner Schlitt­schuh­bahn ma­chen wol­len, er­zählt Jan Rohlf, ei­ner der drei Fes­ti­val­chefs. Doch al­le Bah­nen hät­ten bis­lang ab­ge­lehnt. „Die hat­ten wohl Angst, dass wir ihr Pu­bli­kum ver­grau­len.“Schließ­lich hat­te je­mand im Team die Idee: Wir ma­chen ein­fach un­se­re ei­ge­ne Schlitt­schuh­bahn. Und das Berg­hain sag­te zu.

In den 20 Jah­ren sei­nes Be­ste­hens hat sich das CTM zum fes­ten Ter­min für Tech­no-Nerds und Freun­de ex­pe­ri­men­tel­ler Klän­ge ent­wi­ckelt. Na­tur­ge­mäß trifft man hier vie­le Ex­pats, die wie­der­um sehr klei­ne Müt­zen und sehr gro­ße Dau­nen­ja­cken tra­gen. Auf den Kon­zer­ten, bei den Par­tys, In­stal­la­tio­nen und Per­for­man­ces lan­det nie­mand zu­fäl­lig. Ein Lol­la­pa­loo­za der Club­sze­ne ist es nicht, eher ei­ne Art Pro­se­mi­nar – mit so se­riö­sem, ex­klu­si­vem An­spruch, dass man selbst von re­gel­mä­ßi­gen Club­gän­gern oft nur ein „CTM-was?“zu­rück­be­kommt. Aber von der Eis­hal­le, ja, da­von ha­ben selbst Groß­el­tern und En­kel ge­hört.

„Wir woll­ten et­was, das ein­fach Spaß macht“, er­klärt Jan Rohlf. „Wo­für man kein Vor­wis­sen braucht, wo man die Kin­der mit­brin­gen kann.“Früh übt sich, wer ein Berg­hain-Stamm­gast wer­den will.

Den Haupt­ein­gang, vor­bei an Tür-Gott Sven Mar­quardt, müs­sen sie da­für nicht neh­men. Rein geht es auf der an­de­ren Sei­te, Ecke Rü­ders­dor­fer Stra­ße, vor­bei an der mar­tia­li­schen Sound­in­stal­la­ti­on „Man­tis“von Nik No­wak und die Trep­pe hoch in die ei­gent­li­che Hal­le. Hier macht sich ein we­nig Er­nüch­te­rung breit: Dies ist nicht nur Ber­lins neu­es­te Schlitt­schuh­bahn, son­dern wahr­schein­lich auch die kleins­te. 18 mal sie­ben Me­ter, mehr pas­sen nicht zwi­schen die Pfei­ler. Und das an­ge­kün­dig­te Syn­the­tik­eis ent­puppt sich als wei­ßes Hart­plas­tik. Ech­tes Eis hät­te die Sta­tik des ehe­ma­li­gen Fern­heiz­werks nicht mit­ge­macht. „Auf dem Syn­the­tik­eis kann man aber auch ganz nor­mal Schlitt­schuh­lau­fen“, ver­si­chert Jan Rohlf.

Die Leu­te, die nun auf vor Ort ge­lie­he­nen Schlitt­schu­hen über die Ober­flä­che sta­ken, se­hen das wahr­schein­lich ein biss­chen an­ders. Das Syn­the­tik­eis bie­tet kaum Wi­der­stand ge­gen die Ku­fen, es ist schlicht­weg zu glatt. Im­mer wie­der plumpst je­mand hin, den Kin­dern macht das na­tur­ge­mäß am we­nigs­ten aus.

Al­so vi­el­leicht lie­ber auf das Rah­men­pro­gramm kon­zen­trie­ren. „Last Christ­mas“und He­le­ne Fi­scher muss man hier nicht fürch­ten. Je­den Tag le­gen DJs auf, die Band­brei­te reicht von Trap und Afro­hou­se bis zu Am­bi­ent. Al­ler­dings ge­hen die Sets im­mer erst um 18 Uhr los, vor­her muss man sich mit dem re­pe­ti­ti­ven Sound von „Man­tis“be­gnü­gen, der nach oben in die Hal­le schallt.

Und die In­stal­la­ti­on von Chris­to­pher Bau­der? Zur Er­in­ne­rung: Das ist der Ber­li­ner Licht­künst­ler, der im­mer wie­der mit spek­ta­ku­lä­ren Ak­tio­nen in Er­schei­nung tritt, un­ter an­de­rem mit der Licht­gren­ze zum 25. Jah­res­tag des Mau­er­falls. Nun, auch da hat­te man sich vi­el­leicht et­was­mehr er­hofft. An ei­ner Längs­sei­te der Schlitt­schuh­bahn sind LED-Röh­ren wel­len­för­mig ar­ran­giert, die bun­ten Lich­ter pul­sie­ren im Takt der Mu­sik. Das ist ganz nett an­zu­se­hen, vi­el­leicht für ein Stünd­chen, wäh­rend man am hei­ßen Ka­kao von der Bar nippt. Aber nicht bis mor­gens früh um acht.

— Am Wrie­ze­ner Bahn­hof, bis 10. Fe­bru­ar, tgl. 16-24 Uhr, So 14-22 Uhr, Mo ge­schlos­sen. Ein­tritt fünf Eu­ro, Aus­lei­he zwei Eu­ro. Frei­er Ein­tritt für CTM-Be­su­cher. In­fos un­ter www.ctm-fes­ti­val.de.

Fo­to: Bla­ke/CTM

Pe­tit. Eis­lau­fen auf 18 mal sie­ben Me­tern in der Hal­le am Berg­hain.

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