Das Be­rufs­ge­heim­nis

„Chef­sein ist zum Kot­zen“, sagt Wal­de­mar Zei­ler. Des­we­gen hat er das be­en­det. Sei­ne Leu­te ar­bei­ten, wann sie Lust ha­ben, be­stim­men ihr Ge­halt mit, ent­schei­den al­les selbst. Das führ­te an­fangs zu Cha­os. Heu­te benei­den ihn so­gar gro­ße Kon­zer­ne

Der Tagesspiegel - - DIE DRITTE SEITE - Von Ma­rie Rö­vekamp

Wenn gro­ße Un­ter­neh­men wis­sen wol­len, wie die Ar­beit der Zu­kunft ge­stal­tet wer­den kann, schi­cken sie ih­re Leu­te oft zu dem Mann, der sich ge­ra­de ei­nen Tam­pon in den Mund steckt. Wal­de­mar Zei­ler steht im Bü­ro-Loft ei­nes Kreuz­ber­ger Hin­ter­hofs na­he dem Gör­lit­zer Bahn­hof. Es ist die Ku­lis­se für ein Youtu­be-Vi­deo, in dem Zei­ler das nächs­te gro­ße Ding be­wer­ben will.

Der Re­gis­seur hat Zei­ler zu­vor ge­sagt, er sol­le sich vor­stel­len, er ha­be Dro­gen ge­nom­men. Ein biss­chen MDMA viel­leicht. Der 36-Jäh­ri­ge, Voll­bart, Horn­bril­le, streicht sich die brau­nen, schul­ter­lan­gen Haa­re zu­recht und spielt die Sze­ne noch mal. Vor den Spie­gel tre­ten, Was­ser gur­geln, Tam­pon zwi­schen die Lip­pen. Nur noch das hell­blaue Bänd­chen ist zu se­hen. Er lä­chelt wie im Rausch.

Zei­ler setzt Mil­lio­nen um und be­rät Top-Ma­na­ger. Sei­ne neu­es­te Idee: Pro­duk­te für die Mens­trua­ti­on auf den Markt brin­gen, die so kom­for­ta­bel sind, dass Män­ner ei­ne Art Pe­ri­odenneid ent­wi­ckeln könn­ten. Zei­ler denkt gern et­was an­ders als an­de­re.

Vor vier Jah­ren hat Zei­ler mit Phi­lip Sie­fer das Start-up „Ein­horn“ge­grün­det. Seit­dem ver­kau­fen sie ve­ga­ne Kon­do­me in bunt de­sign­ten Chipt­s­tü­ten, die in den Re­ga­len von dm lie­gen.

Dass Zei­ler re­gel­mä­ßig auf Büh­nen steht, Vor­trä­ge hält, liegt aber nicht an den Pro­dukt­ide­en. Die sind noch das Nor­mals­te an sei­nem Un­ter­neh­men.

Zei­ler hat das Chef­sein be­en­det. Die stän­di­gen Ge­sprä­che über Di­enst­plä­ne, Ur­lau­be, Ge­häl­ter. Hast du mal eben fünf Mi­nu­ten, Wal­de­mar? Kann ich dich eben was fra­gen? „Chef­sein ist zum Kot­zen“, sagt er. Auf dem Pa­pier sind die bei­den Grün­der zwar noch Ge­schäfts­füh­rer der GmbH, aber nie­mand der 16 Mit­ar­bei­ter muss tun, was sie sa­gen. So ha­ben sie es vor zwei Jah­ren ge­wollt und per Un­ter­schrif­ten be­sie­gelt.

Je­der im Team sucht sich aus, ob er ins Bü­ro kommt, wann und wie viel Ur­laub er macht. Je­der Ein­zel­ne trägt aber auch für den Er­folg die Ver­ant­wor­tung, re­det und ent­schei­det bei sämt­li­chen Fra­gen mit. An­fangs brach das Cha­os aus.

Sie dis­ku­tier­ten schon dar­über, wer jetzt dis­ku­tie­ren darf. Trotz­dem hat Ein­horn im ver­gan­ge­nen Jahr 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro um­ge­setzt. Klas­si­sche Kon­zer­ne kön­nen das kaum glau­ben: Al­le zwei Wo­chen führt Zei­ler Be­su­cher­grup­pen von Fir­men für 3000 Eu­ro um­her. Die Deut­sche Te­le­kom, SAP, Daim­ler und McKin­sey wa­ren schon hier. Die Neu­gier­de lockt sie. Und Ver­zweif­lung.

Jun­ge Er­wach­se­ne möch­ten heu­te ei­nen Job, der Spaß macht, sinn­voll er­scheint und ge­nü­gend Zeit für an­de­res lässt. Ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen den Stun­den im Bü­ro und zu Hau­se steht für vie­le Be­rufs­an­fän­ger vor Sta­tus­sym­bo­len und Kar­rie­re. Sie wol­len we­ni­ger Hier­ar­chi­en, mehr Selbst­be­stim­mung. Un­ter­neh­men, Ge­werk­schaf­ten und Bun­des­po­li­ti­ker dis­ku­tie­ren über die Zu­kunft der Ar­beit. Bei Ein­horn wird sie aus­pro­biert.

Skep­tisch ge­hen die Be­su­cher durch den Raum, vor­bei an ei­nem Ba­s­tel­tisch und ei­nem Pe­nis-Tür­griff aus Holz. Auf ei­nem Whi­te­board kle­ben bun­te Zet­tel, auf de­nen Fra­gen zum The­ma Pe­ri­ode no­tiert sind. Auf ein an­de­res Board ist der Zeit­plan für die neu­en Frau­en­pro­duk­te ge­krit­zelt. Es gibt Auf­ga­ben, Ab­ga­be­ter­mi­ne. Nur kei­nen Chef. Zei­ler wird im­mer wie­der ge­fragt: Nutzt nie­mand die Frei­heit aus?

Zei­lers Bü­ro be­fin­det sich ei­ne Eta­ge hö­her. Im Ein­gang steht ein oran­ge­far­be- Al­les im Griff? ner Grei­f­au­to­mat, in dem Kon­dom­tü­ten lie­gen. Um zehn Uhr sind zwei Frau­en und ein Mann da, zwi­schen An­fang 20 und En­de 30, wie al­le hier. Die üb­ri­gen ar­bei­ten von zu Hau­se aus oder ha­ben an die­sem Tag kei­ne Lust. Weiß nie­mand ge­nau, kon­trol­liert nie­mand.

Zei­ler setzt sich auf die Kan­te ei­nes der wei­ßen Grup­pen­ti­sche, ne­ben ei­ne Pi­ña­ta in Re­gen­bo­gen­far­ben. Sei­ne Phi­lo­so­phie sieht so aus: Wenn Mit­ar­bei­ter ih­re Ar­beit lie­ben, muss er sie nicht wie Kin­der be­auf­sich­ti­gen. „Sie er­fül­len kei­ne Vor­ga­ben, son­dern wol­len aus ei­ge­nem An­trieb, dass es gut läuft“, sagt er. Bei Be­wer­bern guckt er des­we­gen ge­nau, ob sie in ein Team oh­ne Füh­rung pas­sen und lei­den­schaft­lich ge­nug sind.

Er fragt dann: Was wür­dest du ma­chen, wenn du zehn Mil­lio­nen Eu­ro kriegst? Wie­so stehst du mor­gens auf und gehst zur Ar­beit? Zu wie viel Pro­zent bist du du selbst? Mar­kus, der für das Mar­ke­ting ver­ant­wort­lich ist, ließ er ein ei­gens ent­wor­fe­nes Kreuz­wort­rät­sel mit Fan­ta­sie­be­grif­fen lö­sen. Der muss in sei­nem Job krea­tiv sein. Au­ßer­dem wüss­ten die Kol­le­gen: Wer faul ist, scha­det dem Team. Wer an sei­nem Job hängt, soll­te ge­nug tun.

Das Ex­pe­ri­ment scheint auf den ers­ten Blick ge­lun­gen zu sein. „Wir sind oh­ne In­ves­to­ren pro­fi­ta­bel“, sagt er. „Das ist hier kein Blöd­sinns­la­den.“

Noch, hört er manch­mal, noch. Wer­det erst mal groß, wer­det erst mal er­wach­sen!

Mar­kus, 38, der sich wie al­le nur mit Vor­na­men vor­stellt, kommt nor­ma­ler­wei­se erst mit­tags. Fran­ci, 25, fängt mit dem Kun­den­dienst ger­ne früh am Tag an. Die Stadt ist noch ru­hig, die Bah­nen leer. Da­für geht sie spä­tes­tens um 16 Uhr nach Hau­se, oh­ne dass je­mand den Kopf hebt. Es gibt kei­ne Pflicht­zei­ten. Selbst das Mee­ting am Mon­tag­nach­mit­tag ist frei­wil­lig. „Ich ha­be aber noch nie ge­dacht, der macht zu we­nig, die zu viel“, sagt Mar­kus.

Ge­fühlt ar­bei­ten die bei­den 40 Stun­den die Wo­che, sa­gen sie. Wahr­schein­lich wird Fran­ci die­ses Jahr 30 Ta­ge Ur­laub neh­men, Mar­kus et­was we­ni­ger. Ganz ge­nau wis­sen sie es noch nicht. Sei ja auch egal, wenn sich Ar­beit gar nicht so nach Ar­beit an­fühlt.

Nach ei­nem Jahr konn­ten sich die Mit­ar­bei­ter so­gar ihr Ge­halt aus­su­chen. Da­mals wa­ren sie noch zu zehnt. Acht von ih­nen woll­ten mehr – aber al­ler­höchs­tens 300 Eu­ro. Zei­ler hat­te ih­nen vor­her den Kon­to­stand des Un­ter­neh­mens ge­zeigt. Da sie ge­ra­de erst die schwar­ze Null er­reicht hat­ten, wur­de nie­mand gie­rig. Ein hal­bes Jahr spä­ter war das an­ders. Ein­horn mach­te Ge­winn. Das Team wuchs. Die Stim­mung än­der­te sich.

Geld macht glück­lich, wü­tend. Stif­tet Zwie­tracht und Angst. Be­kom­m­eich we­ni­ger als der an­de­re, leis­te ich et­wa we­ni­ger? Bin ich dann we­ni­ger wert? „Ich hat­te das The­ma to­tal un­ter­schätzt“, sagt Zei­ler.

In­zwi­schen gibt es ei­nen ge­wähl­ten Ge­halts­rat, der ein Sys­tem ent­wi­ckelt hat. Die Ba­sis für je­den sind 2500 Eu­ro brut­to. Dann steigt das Ge­halt mit dem Al­ter, Be­rufs­er­fah­rung, per­sön­li­chen Le­bens­um­stän­den und je nach Selbst­ein­schät­zung. Wer ein Kind be­kommt, kriegt 400 Eu­ro da­zu. Reich wird hier nie­mand. Nicht mal die Grün­der. Sie dür­fen höchs­tens drei­mal so viel be­kom­men wie der mit dem nied­rigs­ten Ge­halt. Al­le Löh­ne ste­hen in ei­nem Do­ku­ment, für je­den ein­seh­bar. Mar­kus ver­dient 3830 Eu­ro, Fran­ci 3200 Eu­ro.

Zwei Mit­ar­bei­ter sind ge­gan­gen. Die woll­ten Un­ter­schie­de, Bo­ni. Die wa­ren so, wie Zei­ler einst war.

Mit 20 woll­te er mit 30 Mil­lio­när sein. Ge­bo­ren in Ka­sachs­tan, auf­ge­wach­sen am Bo­den­see, hat Wal­de­mar Zei­ler wäh­rend der Schul­zeit sein ers­tes Un­ter­neh­men ge­grün­det – ei­ne Be­rufs­ein­stei­ge­r­agen­tur, die Schü­lern bei Be­wer­bun­gen hel­fen soll­te. Er stu­dier­te Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an der re­nom­mier­ten WHU Busi­ness School, woll­te teu­re An­zü­ge tra­gen, schnel­le Au­tos fah­ren. Sie­ben Start-ups hat er als Grün­der oder Füh­rungs­kraft ge­lei­tet. Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber ver­trau­ten ihm Mil­lio­nen an. Ein Ex-Kol­le­ge nennt ihn ei­nen Qu­er­den­ker. Ei­nen Be­ses­se­nen.

Dann stieg er aus. Aus al­lem. Zei­ler war32, als er kei­ne Lust mehr hat­te, zur Ar­beit zu ge­hen. Die 15 Jah­re zu­vor hät­ten sich für ihn wie 50 an­ge­fühlt. Er starr­te nur noch auf den Mo­ni­tor, muss­te stän­dig raus, an die Luft. Des­we­gen sol­len Kol­le­gen in sei­nem Un­ter­neh­men heu­te auch lie­ber nach Hau­se ge­hen, statt nur so zu tun, als sei­en sie be­schäf­tigt. Zei­ler kün­dig­te und flog mit ei­nem Ruck­sack nach Süd­ame­ri­ka. „Wä­re ich ge­blie­ben, wä­re ich de­pres­siv ge­wor­den“, sagt er.

In Cos­ta Ri­ca und Ko­lum­bi­en sah Zei­ler, wie Men­schen auf Ba­na­nen­plan­ta­gen Gas­mas­ken tru­gen. Flug­zeu­ge kreis­ten über ih­ren Köp­fen, ver­sprüh­ten Pes­ti­zi­de. Er lern­te Men­schen ken­nen, die mit ganz we­nig Be­sitz zu­frie­den wa­ren. Er be­gann sich zu fra­gen, was er sich da für ein Le­ben ent­wor­fen hat­te. Wo­zu es ei­gent­lich gut sein sol­le, Geld und noch mehr Geld zu ma­chen. Er frag­te sich: Was tun wir an­de­ren an? Was tun wir uns an?

Et­wa zu die­ser Zeit stand Phi­lip Sie­fer in Ber­lin mit sei­ner Freun­din vor ei­nem Kon­dom­re­gal. Zwi­schen Kat­zen­fut­ter und Klo­pa­pier. Er dach­te sich: Wie­so se­hen die Pa­ckun­gen bloß aus, als müs­se man sie ganz schnell in der Ein­kauf­ta­sche ver­schwin­den las­sen? Ei­ne Nach­richt an Wal­de­mar Zei­ler, den er von ei­nem Netz­werk für Grün­der kann­te: Ich ha­be ei­ne Idee!

Nach ei­nem hal­ben Jahr kam Zei­ler zu­rück. Mit lan­gem Bart, ei­ner neu­en Ge­schäfts­idee und dem Ziel, die Wirt­schafts­welt zu ver­än­dern.

Um zu se­hen, ob das mit Sie­fer funk­tio­niert, gin­gen sie zu ei­ner Men­to­rin für Grün­der. Zei­ler sei der ana­ly­ti­sche Typ, Sie­fer krea­tiv und ex­tro­ver­tiert. Seit­her gel­te die Re­gel: Wir zof­fen uns zwar, aber um­ar­men uns da­nach. Mit ei­ner Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne woll­ten sie 50 000 Eu­ro sam­meln. Die hat­ten sie nach 24 Stun­den. DasDop­pel­te nach ei­ni­gen Ta­gen. Es war der Be­ginn von Ein­horn.

Jetzt, ein paar Jah­re spä­ter, trin­ken die Mit­ar­bei­ter im Bü­ro Kaf­fee, un­ter­hal­ten sich. Sieht nicht nach Stress aus. Trotz­dem be­gin­nen die An­ge­stell­ten hier manch­mal zu wei­nen. Das ist ge­wollt.

Ein­mal im Mo­nat ver­sam­meln sich al­le in der of­fe­nen Kü­che zum „Cle­ar the Air Mee­ting“. Ana­nas-Lam­pi­ons und ei­ne Dis­co­ku­gel hän­gen von der De­cke. Auf ei­ner Ska­la von eins bis zehn kann je­der er­zäh­len, was ihn stört. Das Bü­ro ist chao­tisch! Ich füh­le mich nicht rich­tig ge­se­hen! Die Mee­tings dau­ern so ewig, wenn kei­ner ei­ne Ent­schei­dung trifft! Da wer­den ei­ni­ge schon emo­tio­nal. Des­we­gen ist bei den Tref­fen ein Coach für ge­walt­freie Kom­mu­ni­ka­ti­on da­bei. Es gibt ei­ne Hap­pi­ness-Ma­na­ge­rin und ei­nen

Psy­cho­the­ra­peu­ten, bei dem auf Kos­ten der Fir­ma Ter­mi­ne ge­bucht wer­den kön­nen. Zei­ler litt un­ter ei­ner Sinn­kri­se, Sie­fer vor Jah­ren un­ter Pa­nik­at­ta­cken. Sie wol­len die Feh­ler ih­rer ei­ge­nen Ge­schich­te nicht bei ih­rem Team wie­der­ho­len.

„Wer bei uns an­fängt, teilt un­se­re Wer­te“, sagt Zei­ler. „Der hat nicht den Le­benstraum, Kon­do­me zu ver­kau­fen.“Den Traum hat nicht mal er. Zei­ler will die Welt ver­bes­sern, sagt er, ein In­sti­tut für sei­ne Art zu ar­bei­ten grün­den, viel­leicht „in die Ge­schichts­bü­cher kom­men“.

Die Ein­horn-Kon­do­me sind aus Na­tur­kau­tschuk, der in Ma­lay­sia an­ge­baut wird. Vier Mit­ar­bei­ter sind al­lein dem Team „Fairstaina­bi­li­ty“zu­ge­teilt. Sie se­hen zu, dass die Ar­bei­ter dort ge­rech­te Löh­ne be­kom­men und die Um­welt nicht zu sehr be­las­tet wird. Den Ge­winn, der 2018 bei 400 000 Eu­ro lag, re­inves­tiert Ein­horn des­we­gen zur Hälf­te. Auf der Plan­ta­ge wur­de das Un­kraut zum Bei­spiel erst mit Che­mi­ka­li­en ver­nich­tet. In­zwi­schen ist ein Mit­ar­bei­ter fi­nan­ziert, der sich mit ei­ner Ma­schi­ne dar­um küm­mern kann.

Da­mit an­de­re Un­ter­neh­men das Glei­che tun, ha­ben Zei­ler und Sie­fer ei­ne In­itia­ti­ve – den En­tre­pre­neur’s Pledge – ge­grün­det. Hun­dert Fir­men ste­hen be­reits auf ih­rer Lis­te, ver­spre­chen, Gu­tes zu tun. Vor­bild ist der Gi­ving Pledge von Star-In­ves­tor War­ren Buf­fett und Mi­cro­soft-Grün­der Bill Ga­tes, die Mil­li­ar­dä­re ani­mie­ren, ei­nen Teil ih­res Ver­mö­gens zu spen­den.

Wal­de­mar Zei­ler und Phi­lip Sie­fer ha­ben es schon auf di­ver­se Ma­ga­zin­co­ver ge­schafft. Dar­auf po­sie­ren sie nie nor­mal. Sie schnei­den Gri­mas­sen. Auf ei­nem Bild trägt Sie­fer Zei­ler auf dem Arm, der bloß mit ei­ner gel­ben Wes­te mit Tier­köp­fen dar­auf be­klei­det ist und sei­ne Ober­arm­mus­keln zeigt. Show ist Teil des Kon­zepts.

Sind es viel­leicht doch nur zwei „selbst­ver­lieb­te Hips­ter“, wie sie sich auf ih­rer In­ter­net­sei­te be­zeich­nen? Glau­ben sie ernst­haft, dass sie Tam­pons cool ma­chen kön­nen? Was selbst ih­nen zu ver­rückt ist und was ernst, sa­gen sie nicht.

Nur dass es ih­nen längst nicht mehr nur dar­um geht, Kon­do­me und Bin­den zu ver­kau­fen. Wachs­tum ist nach­ran­gig. Längst läuft ein an­de­res Ge­schäfts­mo­dell.

Sechs Mit­ar­bei­ter hal­ten in­zwi­schen Vor­trä­ge über ei­ne neue Ar­beits­kul­tur. Es ist ein ei­ge­ner Be­reich im Un­ter­neh­men ge­wor­den. Da­mit ei­ner der Grün­der spricht, zah­len Ver­an­stal­ter 6000 Eu­ro. „Un­se­re Be­ra­tun­gen ma­chen zwi­schen fünf und zehn Pro­zent der Um­sät­ze aus“, sagt Zei­ler. Ein, zwei Mal im Mo­nat steht so ein Ter­min in sei­nem Ka­len­der. Dann springt er ger­ne im weiß-ro­sa Ein­horn­kos­tüm auf der Büh­ne her­um.

McKin­sey, Te­le­kom und SAP wol­len mitt­ler­wei­le von ihm ler­nen

Manch­mal wei­nen sei­ne An­ge­stell­ten. Das ist ge­wollt

Fo­to: Mi­ke Wolff

Wal­de­mar Zei­ler ist Grün­der des Kon­dom­her­stel­lers „Ein­horn“. Doch die Ent­schei­dun­gen lässt er sei­ne Mit­ar­bei­ter tref­fen.

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