Rich­tung stimmt

Der Tagesspiegel - - MEINUNG - Von Ul­rich Za­wat­ka-Ger­lach

Ber­lin muss auf­pas­sen. Die gol­de­nen Jah­re sind bald vor­bei, der gran­dio­se Wirt­schafts­boom in Deutsch­land und sei­ner Haupt­stadt hat kei­nen Ewig­keits­wert. Wenn es für Rot-Rot-Grün ganz dumm kommt, könn­te schon der Lan­des­haus­halt im Wahl­jahr 2021 wie­der in die Ver­lust­zo­ne ge­ra­ten. Nur ei­ne vor­aus­schau­en­de Fi­nanz­po­li­tik kann ver­hin­dern, dass in ab­seh­ba­rer Zeit wie­der schmerz­haf­te Spar­plä­ne ge­schmie­det wer­den müs­sen. In die­sem Fall müss­ten SPD, Lin­ke und Grü­ne auch wie­der von ih­rer so­zia­len Groß­zü­gig­keit Ab­stand neh­men, die En­de 2018 mit ei­nem fet­ten Nach­trags­haus­halt dem öf­fent­li­chen Di­enst bes­se­re Ge­häl­ter, den Schul­kin­dern kos­ten­lo­se Bus- und Bahn­fahr­ten und ein Gra­tis-Mit­tag­es­sen be­scher­ten. Ei­ner­seits nach­voll­zieh­bar, an­de­rer­seits leicht­fer­tig. Denn Per­so­nal- und kon­sum­ti­ve Aus­ga­ben las­sen sich nur mit gro­ßem po­li­ti­schen Auf­wand und Ri­si­ko wie­der her­un­ter­fah­ren.

Mit dem neu­en Pa­ket für den lan­des­ei­ge­nen In­ves­ti­ti­ons­fonds, im­mer­hin geht es um 650 Mil­lio­nen Eu­ro, hat der Se­nat aber al­les rich­tig ge­macht. Kaum ei­ne Stadt in Deutsch­land lei­det so sehr un­ter ei­nem Sa­nie­rungs- und In­ves­ti­ti­ons­stau wie Ber­lin. Die Kos­ten der Tei­lung wie­gen hier im­mer noch schwer und bis Mit­te der neun­zi­ger Jah­ren war Bru­der Leicht­sinn un­ter­wegs. Christ- und So­zi­al­de­mo­kra­ten ha­ben das nicht vor­han­de­ne Geld da­mals nur so her­aus­ge­hau­en, der Schul­den­berg stieg auf über 61 Mil­li­ar­den Eu­ro. Es grenzt an ein Wun­der, dass Ber­lin nicht plei­te­ging.

Jetzt wirt­schaf­tet die Stadt ei­ni­ger­ma­ßen so­li­de. Das zeigt sich vor al­lem dar­an, dass seit 2015 ho­he Rück­la­gen für schlech­te­re Zei­ten an­ge­legt wer­den. Es wird wie­der mehr in­ves­tiert, wenn auch im­mer noch zu we­nig, weil das vor­han­de­ne Geld nicht schnell ge­nug in Ze­ment, Stahl und Holz um­ge­wan­delt wer­den kann. Es wird zu­sätz­lich ein Pols­ter an­ge­legt, um ab 2020 die bun­des­wei­te Schul­den­brem­se auch in Ber­lin ein­hal­ten zu kön­nen – und zum ers­ten Mal wird ein drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag in den öf­fent­li­chen Pen­si­ons­fonds ge­steckt, denn die Zahl der staat­lich ali­men­tier­ten Ru­he­ständ­ler nimmt jähr­lich zu. Ob das al­les am En­de rei­chen wird, ist schwer ab­seh­bar. Aber die Rich­tung der Haus­halts­po­li­tik stimmt.

Der Se­nat wirt­schaf­tet recht so­li­de, in­dem er Rück­la­gen für schlech­te Zei­ten bil­det

— Sei­te 7

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