Der An­ge­klag­te schweigt

Pro­zess um den Mord an Me­la­nie Reh­ber­ger

Der Tagesspiegel - - BERLIN - Kers­tin Gehr­ke

Die So­ci­al-Me­dia-Be­ra­te­rin hat­te am Nach­mit­tag ih­re Woh­nung in Pan­kow ver­las­sen. Die 30 Jah­re al­te Me­la­nie Reh­ber­ger woll­te sich nach der Ar­beit noch son­nen. Sie lief zum na­he­ge­le­ge­nen Bahn­damm und leg­te sich auf ei­ne Grün­flä­che. Es soll ihr Lieb­lings­platz ge­we­sen sein, an dem es zum töd­li­chen An­griff kam. Rund acht Mo­na­te spä­ter hat sich der mut­maß­li­che Mör­der am Mon­tag im Pro­zess vor dem Land­ge­richt in Schwei­gen ge­hüllt.

Stoyan A. ist 39 Jah­re alt. Ein Bul­ga­re, der sich An­fang vo­ri­gen Jah­res für meh­re­re Mo­na­te oh­ne fes­ten Wohn­sitz in Ber­lin auf­ge­hal­ten ha­ben soll. Als die An­kla­ge ver­le­sen wur­de, blick­te er zu Bo­den. Sein Man­dant wer­de sich „vo­r­erst nicht äu­ßern“, er­klär­te sein Ver­tei­di­ger.

Die Staats­an­walt­schaft legt dem Bul­ga­ren ei­nen Mord zur Ver­de­ckung ei­ner ver­such­ten Ver­ge­wal­ti­gung zur Last. Doch was ge­nau pas­sier­te, ist noch of­fen. Das Ge­richt hat­te be­reits im Vor­feld der Ver­hand­lung ei­nen recht­li­chen Hin­weis er­teilt, wo­nach statt ei­ner Se­xu­al­straf­tat auch ein ver­such­ter Raub des Mo­bil­te­le­fons der Frau in Be­tracht kom­me, den der An­ge­klag­te mög­li­cher­wei­se ver­tu­schen woll­te. Zwei Ta­ge nach dem Ver­bre­chen ent­deck­te ein Spa­zier­gän­ger die Lei­che in ei­nem Ge­büsch. Ge­richts­me­di­zi­ner fan­den Haut­par­ti­kel des mut­maß­li­chen An­grei­fers. Die­se DNA-Spu­ren führ­ten zu A., des­sen ge­ne­ti­scher Fin­ger­ab­druck we­gen an­de­rer De­lik­te in ei­ner Da­ten­bank ge­spei­chert war.

Die Rich­ter hat­ten nun mit ei­ner Aus­sa­ge ge­rech­net. Schließ­lich hat­te sich A. im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­äu­ßert. Sei­ne da­ma­li­gen An­ga­ben sei­en aber wi­der­sprüch­lich ge­we­sen, hieß es am Ran­de des Pro­zes­ses. Er ha­be die Frau nur am Arm ge­packt und nicht wei­ter be­rührt, soll er er­klärt ha­ben. Und dass er kei­ne se­xu­el­len Ab­sich­ten ge­hegt ha­be und es ihm le­dig­lich um das Mo­bil­te­le­fon ge­gan­gen sei. Der Ver­tei­di­ger sag­te nach dem ers­ten Ver­hand­lungs­tag, für ei­nen Mord im Zu­sam­men­hang mit ei­ner ver­such­ten Ver­ge­wal­ti­gung „gab und gibt es kei­ne An­halts­punk­te“. Die Ver­hand­lung, für die sie­ben wei­te­re Ta­ge ter­mi­niert sind, geht am Don­ners­tag mit der Be­fra­gung von Zeu­gen wei­ter.

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