Ein Raum für die Trau­er

In der Hausot­ter- Grund­schu­le hat der Un­ter­richt wie­der be­gon­nen. Schü­le­rin­nen und Schü­ler be­kom­men nach dem Tod ei­ner Elf­jäh­ri­gen Hil­fe

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG - Ma­ria-Mer­ce­des He­ring

Ber­lin - Das neue Halb­jahr be­ginnt für die rund 500 Kin­der an der Rei­ni­cken­dor­fer Hausot­ter-Grund­schu­le mit der Ver­ar­bei­tung des To­des ei­ner elf­jäh­ri­gen Mit­schü­le­rin. Sie hat­te sich vor den Fe­ri­en wohl selbst ver­letzt und war an den Fol­gen ge­stor­ben. End­gül­ti­ge Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se gibt es aber noch nicht.

Seit die­sem Mon­tag ist an der Schu­le ein Trau­er­raum ein­ge­rich­tet, den die Kin­der selbst gestal­ten kön­nen. In dem neu­tra­len, weit­ge­hend lee­ren Zim­mer stün­den ein Tisch und ein Re­gal, Schü­ler könn­ten et­was bas­teln und ma­len, was dann im Raum ab­ge­legt wer­de, sag­te Dirk Was­muth, Re­fe­rats- und Di­enst­stel­len­lei­ter in der Au­ßen­stel­le der Se­nats­ver­wal­tung für Bil­dung, Ju­gend und Fa­mi­lie in Rei­ni­cken­dorf.

Die Ker­zen, Ku­schel­tie­re und An­denken, die Trau­ern­de in den ver­gan­ge­nen Wo­chen be­reits vor der Schu­le ab­ge­legt ha­ben, kom­men eben­falls in den Trau­er­raum. Das hät­ten sich die El­tern des ver­stor­be­nen Mäd­chens laut Was­muth ge­wünscht. Sie woll­ten nicht, dass der Tod ih­rer Toch­ter auch nach au­ßen hin stets prä­sent sei. Auch Was­muth fin­det die­ses Vor­ge­hen sinn­voll: „Wir wol­len die Be­las­tung von den Schü­lern weg­hal­ten.“Er gab da­bei zu be­den­ken, dass auch vie­le Erst­kläss­ler und da­mit sehr jun­ge Kin­der die Schu­le be­such­ten. Zu­dem las­se die Wit­te­rung es nicht zu, dass die Er­in­ne­rungs­stü­cke dau­er­haft vor der Grund­schu­le im Frei­en stün­den.

Um den Tod der Schü­le­rin zu ver­ar­bei­ten, kön­nen die Grund­schü­ler den Trau­er­raum auf­su­chen, wenn sie das selbst möch­ten. Es sei wich­tig, dass die Schü­ler den Raum nicht be­su­chen müs­sen, wenn sie das viel­leicht nicht wün­schen, zum Bei­spiel weil sie das emo­tio­nal über­for­de­re. Wer sich zum Be­such ent­schlie­ße, wer­de aber nicht al­lein ge­las­sen: „Wir stel­len den Schü­lern ei­ne fach­li­che Be­glei­tung zur Sei­te“, sag­te Dirk Was­muth. Da­für stün­den die Klas­sen­lei­tung so­wie et­wa acht Schul­psy­cho­lo­gen zur Ver­fü- gung, die Schü­ler und Leh­rer be­glei­te­ten. Was­muth zu­fol­ge ist es wich­tig, dass die Kin­der schnell ein Stück Nor­ma­li­tät zu­rück­be­kom­men. Man müs­se bei der Ver­ar­bei­tung des Trau­er­falls auf den in­di­vi­du­el­len Be­darf der Schü­ler ein­ge­hen. Da­für stün­den ne­ben Leh­rern, Schul­lei­tung und Schul­psy­cho­lo­gen auch zwei So­zi­al­ar­bei­ter der Schu­le be­reit.

Am Wo­chen­en­de hät­ten die El­tern der Grund­schü­ler be­reits ei­ne In­for­ma­ti­on über den Um­gang mit dem Tod der Mit­schü­le­rin er­hal­ten, au­ßer­dem wol­le die Schu­le laut Was­muth in ei­nem wei­te­ren Brief über Klas­sen­a­ben­de für die El­tern und das wei­te­re Vor­ge­hen auf­klä­ren.

Für die El­tern der Kin­der, die die Klas­se der Ver­stor­be­nen be­such­ten, soll es zu­dem ein ge­son­der­tes Ge­sprächs­an­ge­bot mit Schul­psy­cho­lo­gen ge­ben. Da­bei, so Was­muth, könn­ten sie klä­ren, wie sie mit dem Tod der Mit­schü­le­rin um­ge­hen, und wie sie mit ih­ren Kin­dern dar­über spre­chen könn­ten.

Das ver­stor­be­ne Mäd­chen war an der Rei­ni­cken­dor­fer Hausot­ter-Grund­schu­le im­mer wie­der von Mit­schü­lern ge­mobbt wor­den. Mitt­ler­wei­le dis­ku­tie­ren Schü­ler, El­tern und Leh­rer so­wie Ver­tre­ter der Po­li­tik deutsch­land­weit über Mob­bing an Schu­len.

Fo­to: Paul Zin­ken/dpa

Nichts ist mehr, wie es war. Am Mon­tag war so­gar die Po­li­zei vor der Schu­le prä­sent.

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