Film LEU­TE

Der Tagesspiegel - - STADTLEBEN - Eli­sa­beth Bin­der

Über das Geld und die Un­ter­hal­tung Am Gel­de hängt, zum Gel­de drängt doch al­les. Ruhm macht da­von nicht un­ab­hän­gig. Auch des­halb sind die Par­tys der gro­ßen Film­för­de­rungs­in­sti­tu­tio­nen so gut be­sucht. Wim Wen­ders et­wa blieb lan­ge bei dem Ber­li­na­le-Emp­fang, zu dem die Lan­des­re­gie­rung und die Film- und Me­dien­stif­tung von Nord­rhein-West­fa­len am Sonn­tag­abend ein­ge­la­den hat­ten – nach den eben­falls mäch­ti­gen För­de­rern aus Bay­ern und dem Me­dien­board Ber­lin Bran­den­burg. Wen­ders nann­te sei­nen Tanz­film „Pi­na“als Bei­spiel für ein Werk, das es oh­ne die För­der­mit­tel nicht ge­ge­ben hät­te. Die wer­den auch im Wes­ten im­mer wei­ter aus­ge­baut. Mit 34 Pro­duk­tio­nen, so ver­kün­de­te es Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet, sei sein Land so stark wie nie auf der Ber­li­na­le ver­tre­ten, und nun hat die Lan­des­re­gie­rung die För­der­mit­tel noch mal um drei Mil­lio­nen Eu­ro er­höht. Dass ein klei­ner Bruch­teil da­von auch in sol­che Emp­fän­ge fließt, hat vie­le gu­te Grün­de und er­scheint be­son­ders sinn­voll, wenn man sieht, wie sich die im wirk­li­chen Le­ben oft über­ra­schend schmäch­ti­gen Lein­wand­ster­ne dort min­des­tens ein­mal im Jahr rich­tig satt es­sen. Ge­lobt wer­den aber im­mer auch die Spon­so­ren, die sich durch ih­re Be­tei­li­gung selbst ein biss­chen Glanz für ih­ren Na­men ho­len. Zu­kunfts­träch­ti­ge Netz­wer­ke knüpf­ten Nach­wuchs­stars der ro­ten Tep­pi­che, wie Em­ma Dro­gu­n­o­va, die dort erst­mals als Eu­ro­pean Shoo­ting­star prä­sen­tiert wur­de.

Wie ein ro­ter Fa­den zieht sich durch vie­le Re­den in die­sem Jahr na­tür­lich das Lob auf Die­ter Kosslick. Hier er­in­ner­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent dar­an, wie er­folg­reich er die Film­stif­tung Nord­rhein-West­fa­len zehn Jah­re lang in der Grün­der­zeit ge­lei­tet ha­be. Ve­te­ra­nen konn­ten sich er­in­nern, dass er den NRW-Lunch er­fun­den hat, zu dem auch am Diens­tag Film­teams in der Ru­he des win­ter­li­chen Tier­gar­tens zum Aus­tausch jen­seits der Blitz­lich­ter zu­sam­men­kom­men.

Es ist fast lus­tig, wie sehr in die­sen di­gi­ta­len Zei­ten, in de­nen sich vie­le Dis­kus­sio­nen um die Ge­fahr aus dem Netz dre­hen, ana­lo­ge Prä­senz zählt. Da­zu ge­hö­ren Blitz­auf­trit­te wie der von Dia­ne Kru­ger und Mar­tin Free­man – oh­ne aus­führ­li­chen Ge­nuss von Häpp­chen und Kalt­ge­trän­ken. An de­nen hät­ten sie sich bei dem Tem­po leicht ver­schluckt.

Da wirk­te Ma­rio Adorf fast wie ein Zeu­ge aus ei­ner an­de­ren Welt, ob­wohl er in der NRW-Lounge ne­ben ei­nem Tisch saß, auf dem ein Film flim­mer­te. Es war aber nicht Do­mi­nik Wes­se­lys Do­ku­men­tar­film „Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen – Ma­rio Adorf“, des­sen Pre­mie­re erst für Diens­tag vor­ge­se­hen ist. Auch auf Turn­schu­hen wer­den in die­sen Ta­gen be­weg­te Bil­der ge­sich­tet, aber je mehr sol­cher Phä­no­me­ne auf­tau­chen, des­to si­che­rer die Über­zeu­gung, dass für den Film das Ki­no auch künf­tig die Haupt­rol­le spie­len wird. Ver­gleichs­wei­se zu­rück­hal­tend in Sa­chen Par­ty-Be­su­che gab sich der neu ge­wähl­te Prä­si­dent der Deut­schen Film­aka­de­mie, Ul­rich Mat­thes, der auf Iris Ber­ben folgt, die nach drei Amts­zei­ten nicht mehr kan­di­die­ren woll­te. Ih­re gla­mou­rö­sen Ber­li­na­le-Auf­trit­te in im­mer wech­seln­den atem­be­rau­ben­den Ro­ben blei­ben Le­gen­de. Mat­thes hät­te es gut ge­fun­den, wenn auf ei­ne Frau auch wie­der ei­ne Frau ge­folgt wä­re, er­klär­te er, aber da die wun­der­ba­re Iris Ber­ben just ihn ge­fragt hät­te... Von al­len Ver­diens­ten mal ab­ge­se­hen, kann ein Mann na­tür­lich viel un­auf­wen­di­ger re­prä­sen­tie­ren. An­zug und Smo­king rei­chen im Grun­de schon. Und dann und wann ein Schal im Kosslick-Stil. Den hob der neue Prä­si­dent bei der Er­öff­nung stolz her­vor. Zu Recht, denn an­ders als über ei­ne lan­ge Ro­be, kann man dar­über be­stimmt nicht so schnell stol­pern.

F.: M. Tan­tus­si/Reu­ters

Nö­tig. Wim Wen­ders be­kräf­tigt die Be­deu­tung der Film­för­de­rung.

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